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„Ein scheinbar perfektes Leben“
Michelle Hunziker erzählt von ihrer Zeit des Leidens

FOTO: dpa / Arne Dedert
Die Moderatorin stellte auf der Frankfurter Buchmesse ihren Bericht über ihre Zeit in einer Sekte vor. Von Lothar Schröder

Das kommt auf der Buchmesse zugegeben selten vor: das Gerangel der Fotografen und Fernsehteams vor dem Auftritt des Gastes und das Blitzlichtgewitter beim Erscheinen. Diesmal aber tritt Moderatorin Michelle Hunziker auf, die nicht alle Tage ein Buch schreibt und es nach eigenen Worten beim Debüt auch belassen wird. Denn „Ein scheinbar perfektes Leben“ erzählt von der Schattenseite ihres Daseins: fünf Jahre, in denen eine Sekte sie beherrscht, ihr einen spirituellen Weg vorgaukelt, sie von ihrem Ehemann Eros Ramazotti entfremdet und sie ausgebeutet hat. „Es ist eine Geschichte, in der alle gelitten haben“, sagt sie. Eine Zeit, in der viel kaputtgegangen sei; auch ihre Ehe. Dass es für beide keinen Neuanfang mehr geben konnte, nachdem sie sich aus den Fängen der Einflüsterer befreit hatten, liege daran, dass „leider die Kraft dazu gefehlt hat“.

Das Werk ist mehr als ein Sektenbefreiungsbuch. Michelle Hunziker – faltenlos, inzwischen 41 geworden – hat ihrer Autorin Francesca Paaravicini diktiert, wie schwierig die Kindheit gewesen sei. Wie mit dem Alkoholismus des Vaters und der Trennung der Eltern die Erkenntnis kam, dass auch Familien nicht perfekt sind. Doch das Glück schien auf ihrer Seite zu sein: die Ehe mit Ramazotti, ein gemeinsames Kind, eine Villa in Mailand. Bis eine Frau namens Clelia in ihr Leben trat, ihr zuhörte, ihr gut tat. Mit ihr begann das fremdbestimmte Leben.

Das liegt einige Jahre zurück und klingt wie aus einem anderen Leben; im jetzigen hat sie „drei Töchter, zwei Hunde und einen Ehemann“. Auch darum kann sie souverän davon erzählen. Ihr Verhältnis zum Glauben nennt sie inzwischen „relaxed“; das zum Geld ist es ohnehin. Wie viel sie durch die Sekte verloren habe? Das wisse sie nicht genau, na ja, etwas mehr als zwei Millionen Euro könnten es gewesen sein.

Info Michelle Hunziker: „Ein scheinbar perfektes Leben“, Lübbe, 336 S., 20 Euro