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Interview Norbert Rier: „Mittlerweile läuft der Schlager in Gefahr, zu modern und zu hart zu werden“

Interview Norbert Rier : „Mittlerweile läuft der Schlager in Gefahr, zu modern und zu hart zu werden“

Die Kastelruther Spatzen kommen mit ihrem neuen Album „Feuervogel flieg“ am 20. März in die Arena Trier. Im TV-Interview spricht Frontamnn Norbert Rier darüber, wie es um den deutschen Schlager steht und was es mit dem Feuervogel auf sich hat.

Herr Rier, die Musik der Kastelruther Spatzen gehört zu meinen Kindheitserinnerungen. „Die weiße Rose“ und „Ciao Amore“ sind dank vieler Nachmittage bei meinen Großeltern Soundtrack meiner Kindheit. Was ist es für ein Gefühl, dass Sie das Leben vieler Menschen mit Ihrer Musik begleiten?

NORBERT RIER An Silvester habe ich mein 40-jähriges Spatzen-Jubiläum gefeiert und für mich ist es immer wieder spannend und interessant, wenn mittlerweile Erwachsene auf einen zukommen und Bilder zeigen, wo ich sie als Kind auf dem Arm gehalten habe. Viele hören unsere Musik bei den Eltern und Großeltern und werden selber Fans. Daran merkt man, dass Musik keine Grenzen hat. Wir sind froh, dass wir so viele Fans haben.

Früher haben Sie hin und wieder mit Ihren Kindern zusammen gesungen. Ihr ältester Sohn hat auch den Schritt ins Musikgeschäft gewagt.

RIER Ich habe unseren Kindern früher versprochen, dass jedes einmal bei einer Aufnahme mitsingen darf. Mein ältester Sohn Alexander hat sich überlegt, das Singen weiter zu verfolgen. Inzwischen ist er auch als Schlagersänger unterwegs und hat viel Freude daran. Er singt auf Tourneen mit anderen Künstlern. Seine Sache macht er auch wirklich gut und ich bin sehr stolz auf ihn. Am Anfang hat er es sicherlich nicht so einfach gehabt, weil die es immer geheißen hat „Er ist der Sohn vom Norbert“. Aber er geht seinen eigenen Weg und ich versuche, ihm nicht reinzureden.

In Ihrem Album „Älter werden wir später“ von 2018 setzen Sie sich mit dem Altern auseinander. Auf Ihrer Tour im Frühjahr werden Sie 60. Wie sehen Sie das Älterwerden? Macht das Ihnen Angst?

RIER Nein, das macht mir keine Angst. Viele werden ja gar nicht 60. Und ein runder Geburtstag ist ja auch schön, weil wir den groß feiern werden. Aber natürlich denke ich manchmal, dass die Zeit schnell vergeht. Wichtig ist, dass man keinen Moralischen kriegt. Man immer so alt, wie man sich fühlt. Auf unserem neuen Album ist das Lied „Es gibt uns noch“, das spielen wir auch auf der Tournee. Uns wird öfter die Frage gestellt „Wie lang gibt es die Spatzen noch? Wie lang wollt und könnt ihr noch?“ Wir hoffen, dass wir gesund und fit bleiben. Und natürlich halten uns die Musik und die Fans jung. Für uns ist es schön, wenn unsere Musik den Leuten gefällt.

Eine Tour ist bestimmt anstrengend und stressig. Wie erholen Sie sich davon?

RIER Wichtig ist, dass man sich vor dem Konzert im Hotel ausruhen kann. Anstrengend sind vor allem die Anreisen und die langen Fahrten. Die Konzerte verlangen uns viel Konzentration ab, denn bei uns wird alles live gesungen und gespielt darauf legen wir immer großen Wert.

Nun sind Sie seit 40 Jahren Frontmann der Kastelruther Spatzen und im Schlagergeschäft. Wie hat sich der Schlager in den vergangenen Jahrzehnten entwickelt?

RIER Eine ganze Zeit lang war der volkstümliche Schlager verpönt. Dank Helene Fischer und Andreas Gabalier, der auch im volkstümlichen Bereich den Schlager auf Trab gebracht hat, ist der Schlager wieder groß im Rennen. Mittlerweile läuft der Schlager in Gefahr, zu modern und zu hart zu werden. Schlagerlieder sollen einladen zum Tanzen und sollen gemütlich oder romantisch sein. Es ist schon gut, dass der Schlager ein bisschen flotter und rockiger wird. Auch wir Spatzen werden moderner. Aber wir müssen auch schauen, dass wir nicht von unserer Linie abweichen, damit die Leute uns wiedererkennen. Wir dürfen nicht zu schnell mit der Zeit gehen und zu modern werden. Sonst sagen unsere Fans „Das sind nicht mehr die Spatzen“.

Haben Sie die Befürchtung, dass der klassische Schlager ausstirbt?

RIER Nein, das glaube ich nicht. Man merkt, dass die alten Sachen wieder in sind. Bei Kleidern braucht man die Geduld und den Platz alte Sachen aufzuheben, und dann sind sie auf einmal wieder modern. Bei der Musik muss man immer schauen, wie das Publikum drauf reagiert. Da soll man nicht stur etwas durchziehen, bei dem man merkt, dass es keinem mehr gefällt. Wichtig ist uns, dass unsere Musik vielen Leuten gefällt. Wir sind musikalische Botschafter vom Land. Wir wollen nicht die Welt verändern, sondern dass die Leute sich entspannen können, dass sich der ein oder andere durch verschiedene Themen angesprochen fühlt. Wir versuchen positive Momente und Emotionen in den Alltag der Leute zu bringen. Das Leben ist so kurz, da sollte man immer versuchen, das Beste draus zu machen. Unsere Botschaft lautet: Genieße den Augenblick und sei dankbar für alles, was Du erleben durftest.

Im März sind Sie mit den Kastelruther Spatzen in Trier. Im Gepäck haben Sie auch Ihr Album „Feuervogel flieg“. Warum haben Sie sich für diesen Song als Titellied entschieden? Was hat es mit dem Feuervogel auf sich?

RIER Das hat sich so ergeben. Der Komponist hat uns das Lied zugeschickt. Wir haben zusammen überlegt, welches Thema passen könnte. Das Lied handelt von der Einsamkeit, die ältere wie jüngere Menschen verspüren. Manche versuchen, ihre Einsamkeit im Alkohol zu ertränken. Der Feuervogel steht für die Sehnsucht nach vergangenen, schöneren Zeiten und die Erinnerungen daran.

Auf dem Album ist auch das Lied „Der letzte Bolero“. Das singen Sie gemeinsam mit Saxofonist Valentin Silbernagl. Wie kam es dazu, dass Sie beide im Duett singen?

RIER Im Laufe der Zeit hat es sich ergeben, dass ich immer gesungen habe. Damit wir mal ein bisschen Abwechslung reinbringen, haben wir uns für ein Duett entschieden. Valentins tiefe Stimme hat meine Stimme gut ergänzt und das passt auch super zum Lied. „Der letzte Bolero“ von den Flippers hat mir schon immer gut gefallen. Ich bin schon immer ein Fan von den Flippers, die tolle Lieder gemacht haben. Das spielen wir auch bei dem Konzert.

Welche Bedeutung hat für das Lied „Helden des Alltags“?

RIER Das Lied habe ich ganz besonders ins Herz geschlossen. Es ist all den Ehrenamtlichen gewidmet, gerade die in der Bergrettung oder bei der Feuerwehr, die andere retten. Denn sie sind die wahren Helden im Leben. Sie bringen viele Opfer, um für andere da zu sein. Das beeindruckt mich sehr. Bei uns in Südtirol wird das Ehrenamt großgeschrieben und ich selber bin auch bei der freiwilligen Feuerwehr. Das, was die Leute leisten, ist unbezahlbar. Den Ehrenamtlichen kann man gar nicht genug Danke sagen.

Die Kastelruther Spatzen machen auf ihrer „Feuervogel flieg – live 2020“-Tournee am Freitag, 20 März, 19.30 Uhr, Halt in der Arena Trier. Karten gibt es im Vorverkauf es online bei Ticket Regional ab 49 Euro.