Mosel Musikfestival: Das Berolina Ensemble begeistert vor den Anlagen der Firma Natus.

Konzert : Musikalische Marx-Liebes-Reise

Mosel Musikfestival: Das Berolina Ensemble begeistert vor den Anlagen der Firma Natus.

Lang anhaltender Beifall, stehende Ovationen – das Berolina Ensemble hat am Sonntag etwa 250 Zuschauer mit der musikalischen Liebesgeschichte von Jenny und Karl begeistert.

Es war ein äußerst gelungener Abend im Rahmen des Mosel Musikfestivals vor ungewöhnlicher Kulisse. Die Firma Natus, Hersteller von Schaltanlagen, öffnete ihre Hallen für Kammermusik der eingängigen, aber nicht simplen Art – erfrischend präsentiert vom Berolina Ensemble. Hallen, in denen sonst nur zwei Maschinen zu hören sind. Stanzmaschinen, die wie Geschäftsführer Frank Natus erläuterte, voll automatisiert  Material holen und verarbeiten – nur noch zwei bis drei Menschen sind zum Bedienen notwendig. Ein Bruchteil der bis zu 600 Menschen, die das Unternehmen ansonsten beschäftigt. Doch zurück zur Musik: Die moderne Halle bildete die passende Kulisse für einen Marx-Abend, auch wenn es nicht um das ökonomische Werk ging, sondern um die Liebe von Karl Marx und Jenny von Westphalen. Um lebenslange Zuneigung, Leidenschaft, Konflikte in der Familie, die heimliche Verlobung, die Hochzeit und tragische Geschehnisse.

Die jungen Musiker unterhielten das Publikum. Perfekt? Nein, das war der Abend nicht. Und das, obwohl das musikalische Niveau der Künstler um die gebürtige Bernkastel-Kueserin Friederike Roth beeindruckte. Die Klarinettistin setzte Akzente, gerade im Nonett Es-Dur, op. 38 von Louise Farrenc, mit dem das Ensemble an die Zeiten der Familie Marx in Paris erinnerte.

Ja, dieses Konzert war unperfekt. Aber: Im besten Sinne unperfekt. Etwa die Moderation von „Programmdirektor“ David Gorol. Er führte durch den Abend, erläuterte, wie schwer es war, einen Bezug von Marx zu Musik zu finden, wie er aber durch die Lebensorte den Zusammenhang fand und wie ihn die Lebensgeschichte in den Bann zog. Gorol entschuldigte sich, dass er auf Manuskripte zurückgreifen musste und war doch – ganz unperfekt – charmanter Gastgeber, der bei der Vorbereitung in den Bann der Familie Marx gezogen worden war und stets authentisch blieb.

Es war zu spüren: Musiker und Publikum waren auf einer Wellenlänge. Anspruchsvoll, aber locker ging es zu. Etwa bei den etwas „schwülstigen“ (Gorol) Gedichten von Karl an seine Jenny, von denen die Musiker zwei rezitierten. Etwa, als kurz die Lüftung in den Hallen anging. Die Musiker lächelten, ließen sich aber nicht aus der Ruhe bringen, spielten ruhig zu Ende. Wo extrovertiertere Künstler mit Abbruch gedroht hätten, bot Gorol an, trotz Geräuschen weiterzuspielen. Die endeten übrigens schnell, dank des Eingreifens der Natus-Mitarbeiter, die für eine tolle Atmosphäre gesorgt hatten.

Das Ensemble überzeugte mit Kammermusik moderner Art. Zunächst im „Tapas-Teil“ – so hatte Cellistin Jule Hinrichsen den Auftakt mit kürzeren Stücken getauft. Genauso wie im zweiten Part, in dem neben der Ferrenc-Komposition ein Sextett von Gustav Holst im Mittelpunkt stand. Die Echo-Preisträger wollen unbekannte Stücke nach vorne bringen – und es gelang ihnen in Trier vorzüglich. Mit Holsts Werk in e-Moll erinnerten sie an Jennys Ableben. „Mit ihr starb er. Ihr Tod war sein Tod“, zitierte Gorol Wilhelm Liebknecht. Beeindruckende Worte, ebenso beeindruckend setzte das Ensemble die Trauer musikalisch um.

Ein überzeugendes, aber trübsinnig geprägtes Ende des Marx-Reigens. So wollte Gorol das Publikum nicht entlassen. Daher gab es Bekannteres zum Ende. Die „Barcarole“ von Jacques Offenbach bildete den gelungenen Ausklang. Gute Laune! Langer Applaus!

Wer das Berolina Ensemble erleben will, hat heute Abend noch die Gelegenheit. Um 20 Uhr spielen die Musiker um Friederike Roth das Klarinettenquintett von Wolfgang Amadeus Mozart im Bürgerhaus in Leiwen (Schulstraße 1).

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