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Musiktheater
Freudige Spannung vor der „Oper aller Opern“

Generalmusikdirektor Jochem Hochstenbach.
Generalmusikdirektor Jochem Hochstenbach. FOTO: Martin Möller
Trier. Mit Mozarts „Don Giovanni“ eröffnen zwei neue Spartenchefs am Trierer Theater musikalisch die Spielzeit. Von Martin Möller

Mit „Don Giovanni“ startet das Theater musikalisch die neue Saison. Wie gehen Regisseur und Dirigent mit Mozarts heikler Oper um? TV-Mitarbeiter Martin Möller sprach dazu mit Operndirektor Jean-Claude Berutti und Generalmusikdirektor Jochem Hochstenbach.

Herr Berutti, Herr Hochstenbach: Es heißt, „Don Giovanni“  sei die „Oper der Opern“. Ist das übertrieben?

JOCHEM HOCHSTENBACH Für mich ist das eine problematische Bezeichnung, denn sie stellt auch alle anderen Meisterwerke in den Schatten, die wie Mozarts Oper absolut einzigartig sind.

Aber zur Oberklasse der Opern gehört der „Don Giovanni“ doch?

HOCHSTENBACH Ja – absolute Champions League.

JEAN-CLAUDE BERUTTI  Das ganz Besondere bei „Don Giovanni“ ist, dass Da Ponte  und Mozart eine Synthese des gesamten Mythos’ um diese Figur gelungen ist.  Mozarts Oper bringt alle Aspekte zusammen – denken Sie nur an eine Figur wie Donna Elvira. Und weil Da Ponte und Mozart so viele Aspekte zusammenbringen, darum kann man das Werk vielleicht doch „Oper der Opern“ nennen.

Der Don Giovanni, was ist das für ein Mensch? Oder ist er überhaupt kein Mensch?

BERUTTI Doch – er ist ein Mensch. Aber was bei der Musik ganz deutlich herauskommt: Er ist in jeder Arie, in jedem Ensemble immer wieder anders – wie ein Kaleidoskop. Er ist auch ganz anders als alle übrigen Figuren. Das macht ihn so spannend. Aber er ist eben auch jemand mit ganz menschlichen Zügen. Er reagiert ganz spontan. Er hat kein Projekt. Darin ist er sehr modern. Und er ist auch anders als die Figuren der „Opera seria“, der ernsten Oper zu Mozarts Zeit.

Und die übrigen Figuren – nur Nebenrollen?

BERUTTI (energisch) Entschuldigung! Wer am meisten im „Don Giovanni“ singt, ist Leporello. Und die Rolle der Donna Elvira ist weit anspruchsvoller als Don Giovanni. Eine klassische, große Arie hat Mozart für ihn nicht geschrieben. Es bleibt bei der „Champagnerarie“ im ersten und dem „Ständchen“ im zweiten Akt. Streng genommen gibt es im „Don Giovanni“ keine Hauptfigur.

Herr Hochstenbach, auch musikalisch sind die Hürden für eine Aufführung hoch. Wie gehen Sie mit Mozart um?

HOCHSTENBACH  Es geht mir nicht wesentlich darum, ob wir „historisch informiert“ oder mit opulentem 60er-Jahre-Klang spielen. Natürlich habe ich mich intensiv mit diesen Klangmöglichkeiten befasst, aber ich nutze sie, um aus der Musik hervorzuholen, was für mich darin zu entdecken ist – möglichst in aller Vielschichtigkeit. Die Frage ist für mich immer: Was sagt mir Mozart?

BERUTTI Und ich möchte daran erinnern, dass Mozart abgesehen von seinem enormen musikalischen Wissen auch über eine fast universale theatralische und philosophische Kultur verfügte. Das zeitgenössische tragische Theater hatte keine Geheimnisse für ihn, mit dem neuen venezianischen Theater war er vertraut, seine Freimaurerfreunde führten ihn in die Philosophie der Aufklärung ein, und außerdem las er die grundlegenden Werke der neuen deutschen Literatur, vor allem aber Goethes „Urfaust“ und Schillers „Kabale und Liebe“.  Das ist der geistige Hintergrund für diese Oper.

⇥Interview: Martin Möller

Don Giovanni, Dramma giocoso in zwei Akten von Wolfgang Amadeus Mozart, Premiere am Samstag, 29. September, 19.30 Uhr, im Großen Haus des Theaters Trier;
Karten an der Theaterkasse, Telefon 7181818.