1. Nachrichten
  2. Kultur

Munsteiners zählen weltweit zu den anerkanntesten Edelsteinschleifern

Kunst : Hochkaräter mit vielen Facetten

Die Hunsrücker Familie Munsteiner gehört weltweit zu den anerkanntesten Edelsteinschleifern und Schmuckgestaltern.

Wer mit dem Namen Munsteiner in Verbindung mit Edelsteinen konfrontiert wird, stößt unweigerlich auf Superlative: Der „Picasso der Edelsteinschleifer“ ist ein Begriff, der mit Bernd Munsteiner aus Stipshausen im Landkreis Birkenfeld in Verbindung gebracht wird. Denn der 77-Jährige hat das Schleifen von Edelsteinen auf eine neue Stufe gehoben. Als erster hat er reflektierende Perspektiven ausgearbeitet, die er in den Steinen entdeckt hat und Hohlräume und Einschlüsse, die bis dahin als Verunreinigungen galten, in sein Werk eingebunden.

Dabei hat Bernd Munsteiner viele neue Schliffe mit verschiedenen Philosophien entwickelt. Ein Höhepunkt seines Werks ist der 1993 entstandene Dom Pedro, eine Skulptur aus großem klaren Aquamarinkristall mit 10363 Karat, das entspricht einem Gewicht von 2,07 Kilogramm. Heute steht der 35 Zentimeter große Obelisk in Washington in der National Gem and Mineral Collection of the Smithsonian Museum of Natural History. Weitere Highlights entstanden Anfang der 1990er aus einem 830 Kilogramm schweren Bergkristall mit eingeschlossenem Rutilnadeln.

Die Hauptskulptur, die aus dem auseinandergesägten Edelstein entstand, eine Plastik mit dem Namen Metamorphose, ist heute Bestandteil einer Privatsammlung von Michael Scott, einem der Gründer von Apple. Weitere Werke, die auch dem ein oder anderen Fußballfan wenigstens auf dem Fernsehbildschirm schon mal begegnet sind, sind die Trophäen für die Sieger des Fritz-Walter-DFB-Pokals, des Panasonic Super Cups und des Ligapokals. „Wir waren die ersten, die Edelsteine für Pokale verwendet haben“, sagt Bernd Munsteiner.

Und auch das Trierer Publikum kennt ihn. Im Jahr 2005 hat er seine Ausstellung „Reflexionen in Stein“ im Rheinischen Landesmuseum gezeigt.

„Alle unsere Schliffe basieren nicht auf klassischen Schliffen, sondern auf neuen Ideen, die wir aus dem Rohmaterial entwickeln“, sagt der ausgebildete Gestalter für Edelsteine und Schmuck. Wobei eine gute Ausbildung unerlässlich sei, um solche Werkstücke zu produzieren. „Ohne technische Fähigkeiten kann man kreative Ideen für neue Schliffe nicht umsetzen“, sagt er. „Wir legen bei der Ausführung der Schliffe Wert auf höchste technische Qualität.“

Dass Bernd Munsteiner von „wir“ spricht, kommt nicht von ungefähr. Denn Sohn Tom Munsteiner hat das Schleiferhandwerk ebenfalls von der Pike auf gelernt, vom traditionellen Facetten- bis hin zum Freestyleschliff. Damit führt er das Werk seines Vaters fort. Seine 2013 entstandene Figur Visionen in Kristall, eine mehr als zwei Meter hohe Stele, mit dem der 51-jährige eine Brücke schlagen will vom Schleiferhandwerk zur Kunst, besteht aus 264 einzeln geschliffenen Kristallen. Sie sind als Gesamtkomposition in Aluminium eingefasst und wirken wie ein Wolkenkratzer. In Kürze steht die Skulptur in einer Universität in Tucson/Arizona.

Mit seiner Ehefrau Jutta, die in Hermeskeil geboren und aufgewachsen ist und in Trier das Goldschmiedehandwerk gelernt hat, gestaltet er gemeinsame Schmuckstücke. Tom Munsteiner gestaltet den Stein, Ehefrau Jutta entwickelt sensibel zum Werk ihres Mannes die Komponenten des Schmucks. Auch die 52-jährige hat mit ihren Arbeiten schon internationale Preise und Auszeichnungen für besondere Leistungen erringen können.

Und jetzt schickt sich der 16-jährige Sohn Philipp an, in die Fußstapfen seines Großvaters und seiner Eltern zu treten. „Er ist die fünfte Generation Schleifer in der Familie“, sagt Tom Munsteiner. In diesem Jahr hat Philipp Munsteiner im heimischen Atelier eine Ausbildung zum Schleifer begonnen. Doch schon vorher hat er seinem Vater und seinem Großvater über die Schultern geschaut, die Leidenschaft zur Schmuckgestaltung quasi als Familienerbe übernommen und erste Stücke entwickelt. Mit seinem „Sharky Cut“, einem Amethyst, in die er als Bild die Zähne eines Haifisches eingeschliffen hat, hat er ebenfalls in Tucson/Arizona eine Anerkennung erhalten und wurde als bester Teilnehmer eines Wettbewerbs gelobt.

„Wir sind weltweit anerkannt und machen Reklame für den Edelstein-Standort Idar-Oberstein“, beschreibt Senior Bernd Munsteiner die Bedeutung des Familienunternehmens für Region. Ihre Werke sind unter anderem ausgestellt in Museen in Singapur, St. Petersburg, und in mehreren Museen der USA. Besonders prominent sind die Munsteiners vertreten im nordspanischen La Fortalesa de Sant Julia de Ramis in der Nähe von Girona, gelegen zwischen Barcelona und der französischen Grenze. In dem dortigen auf Edelsteinen spezialisierten Museum ist der Familie mit dem Tom-Munsteiner-Workshop ein eigener Raum mit Skulpturen und Edelsteinen aus der Stipshausener Werkstatt gewidmet.

Edelstein- und Schmuckfreunde brauchen derzeit nicht so weit zu fahren, um die Kunstwerke der Familie Munsteiner selbst in Augenschein zu nehmen. Bis 25. Oktober läuft die zwölfte Studioausstellung im Atelier Tom Munsteiner in Stipshausen.

Und auch danach lohnt die Fahrt in das selbst ernannte Hunsrück-Juwel am Idarkopf. Denn in der 1744 erbauten Stipshausener evangelischen Kirche haben Tom und Bernd Munsteiner im Jahr 1995 in einer gemeinsamen Arbeit zwei Kirchenfenster gestaltet. 8000 Quadrate und Dreiecke aus brasilianischem Naturachat haben sie jeweils auf eine Dicke von einem Millimeter geschliffen und lassen so Licht in das Kircheninnere scheinen.

Christoph Strouvelle