1. Nachrichten
  2. Kultur

Musik zwischen Digitalem und Innovation

Zeitgenössische Musik : QuattroPole-Preis für innovative Musik in Trier

Zum ersten Mal wird im April der QuattroPole-Preis für innovative Musik in Trier verliehen. Der Trierische Volksfreund stellt die vier Finalisten vor.

Dem Gewinner winken 10 000 Euro und das Prestige, den ersten QuattroPole-Musikpreis gewonnen zu haben. 54 Bewerbungen gingen für den Preis ein, den die vier Städte Luxemburg, Metz, Saarbrücken und Trier ausgeschrieben haben. Das Ziel dabei: Die musikalischen Szenen zu vernetzen mit einem besonderen Schwerpunkt auf das Digitale und die Innovation. Aus den Bewerbern hat eine Jury am 22. Januar vier Finalisten ausgewählt. Ein Überblick über deren musikalischen Werdegang, den Wettbewerbsbeitrag und ihre Motivation.

Das Finale

Am Freitag, 5. April, 19 Uhr, treten die vier Finalisten im großen Saal der Tuchfabrik Trier gegeneinander an. Die Teilnehmer haben bis zu 20 Minuten zur Präsentation zur Verfügung. Der Eintritt ist frei. Weitere Infos auf www.quattropole.org

Catherine Kontz, Luxemburg

Die 1976 in Luxemburg geborene Catherine Kontz lebt seit vielen Jahren in London. Ihrem Heimatland ist sie noch immer eng verbunden. Die studierte Komponistin beschäftigt sich viel mit Opern, schreibt aber auch Werke für Solo-Instrumente, Film und Musiktheater sowie für die experimentelle Popband „French for Cartridge“. „Gleich drei Freunde haben mich auf den Preis hingewiesen. Da konnte ich ja wohl nicht nicht mitmachen!“, erzählt Kontz über die Entscheidung, am Musikpreis teilzunehmen. Das Werk, mit dem sie antritt, heißt „Fleet Flooting“. Während eines etwa zehn Kilometer langen Spazierganges entlang des größtenteils unterirdisch fließenden Gewässers kann man mit Audio-Downloads und einer digitalen Karte die Fleet von der Quelle in Hampstead bis zur Mündung in Blackfriars begleiten. Tonaufzeichnungen des Flusses und der Umgebung und Studio-Aufnahmen von Texten sowie eigens dafür komponierter Musik erschaffen eine außergewöhnliche Wahrnehmung während der Entdeckung. Während des Finales sind Ausschnitte der Kompositionen zu hören und visuelle Eindrücke von einem Spaziergang entlang der Fleet zu sehen. Live kann man „Fleet Flooting“ in London erleben, dafür benötigt man nur Kopfhörer und ein Smartphone.

Florian Schwamborn, Saarbrücken

Der deutsch-französische Komponist wurde 1984 in Saarbrücken geboren. Mit seinem Bruder Francois arbeitet er seit 2012 zusammen, gemeinsam gestalten sie passende Lichtshows zu den Stücken. Seit 2014 arbeitet Schwamborn im Rahmen der Mouvement-Konzertreihe für neue Musik in Saarbrücken als Komponist zeitgenössischer Musik. Von dieser Seite kam auch der Hinweis auf den QuattroPole-Musikpreis. „Zum ersten Mal gibt es einen Wettbewerb, in den ich und meine Musik reinpassen“, freut sich Florian Schwamborn. Gemeinsam arbeiten die Brüder am Forschungsprojekt „Essentia“ mit dem Ziel der Weiterentwicklung eines neuartigen, digitalen Instruments. Der Wettbewerbsbeitrag Schwamborns stützt sich auf diese Arbeit. „Spiegelung“ für Klavier, Live-Elektronik und visuelle Kunst stellt „einen Dialog zwischen Mensch und Maschine dar“. Bei der dreiteiligen Performance spielt Schwamborn zunächst am Klavier das menschliche Argument, anschließend im Zusammenspiel mit dem digitalen Instrument eine Art Dialog. Im dritten Teil verlässt der Komponist die Bühne, und die „Essentia“ darf ihr digitales Argument formulieren. „Es entsteht ein wechselhaftes Prägen, welches sich so entwickelt, wie die Bewusstnahme des eigenen Ichs im Spiegel.“

Alexander Reiff, Trier

Neue Musik, Elektronische Musik, Klangkunst, aber auch Werbe-, Film- und Videospielmusik komponiert der 1991 in Wittlich geborene Musiker. In Mainz studiert Alexander Reiff seit 2016 Musik, Mathematik und Philosophie an der Johannes-Gutenberg-Universität, außerdem Musikpädagogik und Orchesterinstrument Schlagwerk am Peter-Cornelius-Konservatorium. In seinem Schaffen ist eine große Vielfalt an Genres festzustellen. Um sich weiter fortzubilden, plant er, Komposition an der Hochschule für Musik und Darstellende Kunst Frankfurt am Main zu studieren. Neben der Idee, innovative neue Musik in der Region allgemein zu fördern, sei er „auf der Suche nach Finanzierungsmöglichkeiten im Internet auf den QuattroPole-Musikpreis gestoßen, und vielleicht hilft mir die Teilnahme ja auch, meinen Traum zu verwirklichen“. Beim Finale tritt Alexander Reiff mit dem Stück „Pictures at an Instabition“ an. Die zehn meist-gelikten Bilder auf Instagram vertont der Komponist, indem er „die Farbtöne der Einzelbilder in musikalische Töne umgerechnet und aus allen Bildelementen Struktur und Thematik der Einzelsätze erstellt hat“. Mit dem Stück möchte Alexander Reiff dem Publikum den Social-Media-Spiegel auf eine nicht allzu ernste Weise vorhalten.

Hervé Birolini, Metz

Der Lothringer vertritt im Wettbewerb die Stadt Metz und experimentiert als Komponist in vielen Musikfeldern. Von Konzertstücken, Installationen bis hin zur elektroakustischen Performance, Bühnen- oder Filmmusik und Radiokunst reicht die Bandbreite von Birolini, der seine Kompositionen auf vielen Festivals aufführte und für seine zeitgenössischen Stücke mit nationalen und internationalen Preisen ausgezeichnet wurde. Zudem arbeitet er als Lehrkraft für angewandte Musik- und Klangkreation. 2013 gründete er zudem die Compagnie Distorsions zur Verwirklichung eigener Projekte. „Viele interessante Arbeiten zeitgenössischer Musik finden nicht die Bekanntheit beim Publikum, die sie verdienen“, meint Birolini und sieht in dem QuattroPole-Musikpreis eine Möglichkeit, eine breitere Öffentlichkeit zu erreichen. „Als Lothringer denke ich zudem, dass die Künstler aus Frankreich, Luxemburg und Deutschland sich nicht genug austauschen“, so der Komponist weiter. Für den Wettbewerb hat Hervé Birolini das Stück „Exartikulations“ ausgewählt. 16 leuchtende Lautsprecher bilden eine Klangwand, ein Kontrabassist, ein Perkussionist und eine Tänzerin erschaffen ein Kunstwerk mit dreifachem Zugang: instrumental, gestisch und elektronisch.