Musik: Musikalische Gegensätze aus Wien vereint

Musik : Musikalische Gegensätze aus Wien vereint

Die fünf Singphoniker aus München waren in der Wittlicher Synagoge zu Gast und haben dort Musik von Franz Schubert und Georg Franz Kreisler auf der Bühne zusammengebracht.

Kann das gutgehen? Zwei Komponisten, Schubert und Kreisler, die zu unterschiedlichen Epochen ganz unterschiedliche Musik geschrieben haben, in ein musikalisches Programm packen? Da ist zum einen Franz Schubert, die mystisch verklärte Ikone der deutschsprachigen Liedromantik und Georg Franz Kreisler, der freche Barde des galligen, tief abgedunkelten Humors. Sie eint, dass sie in Wien gelebt haben, Schubert allerdings 150 Jahre vor Kreisler.

Die sechs Musiker der Singphoniker, ein international renommiertes Männer-Vokalensemble mit Klavierbegleitung, haben sich daran versucht und es geschafft. Sie haben mit einem wunderbaren musikalischen Spürsinn, die Schnittstellen in deren Lebensläufen aufgetan und paarweise miteinander verknüpft. Die Rast- und die Heimatlosigkeit verbindet die beiden miteinander. Wie sagt Christian Schmidt, das einzig verbliebene Gründungsmitglied der Singphoniker, beispielsweise: „Die Heimat ist meine Heimatlosigkeit, das könnten beide Komponisten gesagt haben.“ Dazu kommen die sehnsüchtige Liebe, die manchmal intensive Liebe, die bis zur Hassliebe geht, zu ihrer Heimatstadt Wien, sowie die Lust am Fantastischen und der Hang zum Morbiden. Da greifen die Stücke „Wein und Liebe“, das Schubert geschrieben hat, und „Das Mädchen mit den drei blauen Augen“, wunderbar ineinander und zeigen die Unterschiede der beiden fließend auf.

Musikalisch sind die Singphoniker, die seit 30 Jahren zu den erfolgreichsten Männer-Vokalensembles zählen, auf einem sehr hohen Niveau. Sie singen teilweise fünfstimmig und werden von Berno ­Scharpf bei einigen Stücken am Klavier begleitet. Dabei drängt er sich nie in den Vordergrund, sondern unterstreicht die Qualität der Sänger. Diese haben einen grandiosen Tonumfang, der die Besucher staunen lässt, sowohl was die Höhen als auch was die Tiefen angeht. Auch ihre akzentuierte, präzise Technik, wie gemeinsam geatmet und betont wird, ist beeindruckend. Bei einigen nachdrücklich gesungenen Tönen, denen eine abrupte Pause folgt, hat man den Eindruck, dem Ton bildlich im Raum folgen zu können, ähnlich einer Seifenblase, die sanft in den Raum hineinschwebt und sich ­irgendwann leicht zerplatzend auflöst.

Die Behandlung der Sprache ist spielerisch, aber dennoch sehr ausgefeilt und mit der nötigen Sensibilität vorgetragen. Die Interaktion der Stimmen ist makellos und die Herren bestens aufeinander eingestimmt. Eine gewisse Leichtigkeit schwebt über ihrer Musik und ein rhythmisches Verständnis, bei dem alle blind aufeinander vertrauen können.

Die Gesten und die Mimik der Herren sind unaufdringlich charmant, manchmal etwas ausdrucksstärker, wenn es das Stück hergibt.

Der Musikkreis der Stadt Wittlich hat die Singphoniker bereits zum vierten Mal zu Gast, und immer wieder sorgen sie für ein volles Haus. Rund 160 Besucher folgen den Stücken von Schubert und Kessler sehr aufmerksam und belohnen die Musiker mit kräftigem Applaus.

Das nächste Konzert des Musikkreises Wittlich findet am 8. März im Eventum Wittlich statt. Die neue Philharmonie Westfalen ist dann zu Gast mit „Aus Böhmen und Mähren“, Julian Steckel, Violoncello.

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