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Musiker Helge Schneider veröffentlicht Jazz-Album

Unterm Strich – Kultur der Woche : Quatsch-Lieder und Quietsch-Lieder

Gerade war er noch im Amphitheater, jetzt macht er auf andere Weise von sich reden: Der Musiker und Entertainer Helge Schneider (65) hat eine neue Platte veröffentlicht. „Die Reaktion“ lautet der Titel des Albums und eines Songs daraus.

„Dies ist meine Reaktion auf das Geschehen“, singt er da. „Welche Reaktion, ja, worauf? Das kann man sich dann ausdenken. Das Musikstück spricht für sich“, sagt er. 22 Stücke, üppige 78 Minuten lang ist das Werk – die meisten instrumental, sehr viel Jazz, viel Klavier. „The Last Jazz Vol. II“ ist denn auch der Untertitel, der Bezug nimmt auf sein frühes Album „The Last Jazz“ von 1987. Frei improvisierte Quatsch-Lieder, die so wirklich nur „Katzeklo“-Autor Helge Schneider kann, gehören auch dazu. Der Papst hat es ihm wohl besondes angetan; er hat ihn bereits in Trier besungen und auf der neuen CD schon wieder: „Der Pabst ist nur ein Mensch. Wenn er ein Fisch wär', könnte er eventuell baden gehen in Rimini, ohne erkannt zu werden“. Vielleicht reicht es ja schon, dass er sich mit „b“ statt „p“ schreibt, um inkognito zu bleiben. Ein bisschen Groll scheint der Entertainer immer noch auf die Stadt zu haben, wenn er über seine Pandemie-Erfahrungen sagt: „Ich beschwere mich nicht. Aber der Umgang mit den Künstlern ist durch diese Corona-Krise extrem sachlich geworden – im wörtlichen Sinne: Man ist eine Sache. Etwa, wenn man erst zu einem Konzert eingeladen, dann ausgeladen und dann wieder eingeladen werde. „Man kommt sich vor wie eine Terminware.“ Genauso war‘s ja auch hier. Aber gekommen ist er dann doch! 

Einmal Star sein, von Menschenmengen bewundert und umjubelt – das ist nicht nur im Zeitalter von Youtube, Instagram und Tiktok der Wunsch vieler Menschen ohne Talent. Bereits in den 1940er Jahren hat eine reiche Amerikanerin davon geträumt, als Operndiva zu glänzen. Sie nahm Platten auf und mietete Konzertsäle – dabei konnte sie gar nicht singen. Mit ihren schrägen Tönen wurde Florence Foster Jenkins (1868-1944) trotzdem legendär und inspirierte später sogar mehrere Stückeschreiber. Eines dieser Stücke trägt den Titel „Souvenir“ und war in der Spielzeit 2019/20 am Trierer Theater zu sehen – mit Barbara Ullmann als Möchtegern-Primadonna und Jan Walter als ihr unerschütterlicher Pianist. Ihre tragikomische wahre Geschichte erzählt auch der sehr berühmte britische Regisseur Stephen Frears nach dem Drehbuch von Nicholas Martin in seinem Biopic „Florence Foster Jenkins“, das am Sonntag um 20.15 Uhr bei Arte zu sehen ist. Mit Meryl Streep in der Titelrolle sowie als deren Ehemann mit dem englischen Frauenschwarm Hugh Grant ist eine stargespickte Komödie, hinter deren Fassade das Elend sichtbar wird, das hinter dem grotesken Geltungsdrang der Musikfreundin steckt. no/dpa