Die Kulturwoche, gesehen von Rainer Nolden: Neue Reisetipps, alte Rassenprobleme und feuchte Rabattaktionen

Die Kulturwoche, gesehen von Rainer Nolden : Neue Reisetipps, alte Rassenprobleme und feuchte Rabattaktionen

Die Berliner sollten sich allmählich Sorgen machen – und die sie umgebenden Bundesländer ebenfalls. Jetzt zeigt ihnen nämlich schon die New York Times die kalte Schulter. Denn zu den Top-Zielen 2018 gehören für das Blatt, das täglich „All the news that’s fit to print“ – so sein Leitmotiv – unter die Leute bringt, die „westlichen deutschen Bundesländer“. Sie sind eines von insgesamt 52 Zielen, die eine Reporterin der Zeitung in den kommenden 52 Wochen besuchen und beschreiben wird. Auch im vergangenen Jahr wollte schon keiner der amerikanischen Journalisten nach Bitterfeld oder Bautzen reisen: Da war die Hamburger Elbphilharmonie als eindeutiger Sieger für einen Deutschlandtrip auserkoren worden.

Als Grund für den neuerlichen Abstecher nach good old Germany wird die „teutonische (!) Toleranz“ genannt: Nirgendwo werde dieser Geist „mehr gelebt als in den fortschrittlichen westlichen Staaten des Landes“, schreibt die NYT. Für Deutschlands Fortschrittlichkeit wurden als Belege der bis 2022 angepeilte Atomausstieg und die 2017 beschlossene Öffnung der Ehe für gleichgeschlechtliche Paare angeführt. Bemerkenswert seien auch schadstofffreie, mit Wasserstoff betriebene Züge in Niedersachsen. Ob die wirklich als Touristenattraktion taugen, sei jetzt mal dahingestellt. „Germany“ steht als 23. Ziel auf der Empfehlungsliste, die übrigens von New Orleans angeführt wird. Ist ja auch wirklich eine schöne Stadt. Und beruhigend weit von Washington entfernt.

Bleiben wir noch eine Meldung lang in den Staaten. Das kulturelle Amerika lässt sich glücklicherweise nicht von den erratischen Hakenschlägen des Vollpfostens aus dem Weißen Haus beeinflussen, sondern zieht ungerührt seiner liberalen Wege. Und gräbt tief in der rassistischen Vergangenheit – um Abbitte zu leisten.  Hollywood will nämlich das Leben der ersten schwarzen Oscar-Preisträgerin, Hattie McDaniel, verfilmen. Sie spielte 1939 in „Vom Winde verweht“ die Haushälterin und das Kindermädchen Mammy der zickigen Scarlett O’Hara (Vivien Leigh). 1940 hatte McDaniel dafür den „Oscar“ für die beste Nebenrolle bekommen. Die Uraufführung des Films in Atlanta hatte die Schauspielerin wegen ihrer Hautfarbe nicht besuchen dürfen. Im Hotel bei der Oscar-Gala wurde ihr ein Tisch am anderen Ende des Raumes zugewiesen. Dennoch durfte sie ans Mikro, immerhin, und verkündete mit bewegenden Worten:  „Ich hoffe zutiefst, dass ich immer eine Quelle der Ehre für meine Rasse und die Filmindustrie sein werde.“ 1952 ist Hattie McDaniel, die auch als Sängerin und Musicaldarstellerin gearbeitet hat, im Alter von 57 Jahren gestorben.

So, jetzt aber zurück nach Europa. Genauer gesagt: nach Schweden. Dort tun sich für die Familienplanung ganz neue Möglichkeiten auf. Frauen, die glauben, schwanger zu sein, müssen nicht mehr ihren Gynäkologen aufsuchen, um Gewissheit zu bekommen. Ein Besuch bei Ikea reicht vollkommen aus. Zwischen Knut, Kejsartäd und Köttbullar zieht sich die Kundin kurz aufs Klo zurück – und pinkelt auf eine Katalogseite, die mit einem entsprechenden Testfeld versehen ist. „Die Aktion könnte dein Leben verändern“, verspricht der Möbelhersteller, der grundsätzlich alle Welt duzt. Das kann man wohl sagen: Sollte der Test nämlich positiv ausfallen, erscheint auf der Seite der günstigere Ikea-Family-Preis für ein Kinderbett. Schnäppchenjäger seien gewarnt: Schummeln ist ausgeschlossen. Oder vielleicht doch nicht? no/dpa