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Literatur: Neues Detektiv-Team nimmt Ermittlungen auf

Literatur : Neues Detektiv-Team nimmt Ermittlungen auf

Literaturtipp: Anthony Horowitz, Ein perfider Plan

Diana Cowper, eine betuchte ältere Dame, betritt in London ein Bestattungsinstitut, hat einen fertigen Ablaufplan für ihre eigene Beerdigung dabei – und wird gerade einmal knapp sechs Stunden später von der Putzfrau in ihrem Haus erdrosselt aufgefunden. Wie kommt es zu diesem eigenartigen Ablauf der Ereignisse? Der Privatdetektiv und ehemalige Polizeibeamte Daniel Hawthorne nimmt die Ermittlungen auf. Aber nicht nur den seltsamen Mord möchte er aufklären. Sondern auch ein Roman soll über seine Ermittlungen – und natürlich über ihn selbst – entstehen. Dafür wirbt Hawthorne den bekannten Schriftsteller Anthony Horowitz an, einen profilierten Roman- und Drehbuchautor, der sich diesem Ansinnen zunächst widersetzt.

Dann jedoch wird er, der eigentlich kein „True-Crime-Autor“ ist, sondern über fiktive Fälle schreibt, sowohl von dem eigentümlichen Fall, aber auch von der Person des grobschlächtigen, aber hochintelligenten Ermittlers geradezu angezogen. Der findet schnell heraus, dass Diana Cowper in ihrer Vergangenheit ein düsteres Geheimnis zu bewahren hatte. Zudem war sie die Mutter des Hollywood-Stars Damien Cowper, der sich nicht nur auf der Schauspielschule in England schon Feinde machte, sondern in den Staaten ein ausschweifendes Leben führte. Auf und nach dem Begräbnis Dianas überschlagen sich die Ereignisse. Es kommt zu weiteren Morden ... Doch über den eigentlichen Kriminalfall soll hier im weiteren Verlauf geschwiegen werden, nur so viel sei gesagt, dass die Auflösung lange Zeit wenig vorhersehbar ist. Es handelt sich um einen äußerst raffiniert konstruierten Fall, den Horowitz in seinem gekonnt eleganten Sprachstil darbietet.

Hinzuweisen ist jedoch vielmehr auf gleich zwei Besonderheiten seines Krimis: Einerseits erinnern die beiden Protagonisten Daniel Hawthorne und Anthony Horowitz sehr stark an Sir Arthur Conan Doyles‘ Ermittler Sherlock Holmes und Dr John Watson. Gerade hier ist Autor Horowitz ein Spezialist: Er selbst hat – mit Einverständnis der Conan-Doyle-Erben – zwei Holmes Romane, „Das Geheimnis des weißen Bandes“ sowie „Der Fall Moriarty“, geschrieben, die perfekt die Charaktere der beiden Hauptfiguren sowie Conan Doyles’ Sprachstil nachempfinden. Andererseits bringt sich Horowitz gleichsam als Ich-Erzähler in seinen eigenen Krimi ein. Er übernimmt quasi die Rolle des Dr Watson. Die Romanfigur Anthony Horowitz hat wie ihr Autor die oben genannten Holmes-Bücher sowie weitere Drehbücher zu Fernsehserien wie „Inspector Barnaby“ oder „Foyle’s War“ geschrieben. Problematisch sieht Ich-Erzähler Horowitz vor allem, dass er eher als Chronist tätig ist und nicht etwa als „Herr des Falles“. Peinlich berührt fühlt er sich zudem häufiger durch Hawthornes auffälliges Verhalten, so etwa in Horowitz‘ Treffen mit Steven Spielberg und Peter Jackson. Hier zeigt sich britischer Humor „at its best“!

Eingehen möchte ich zum Schluss noch kurz auf den deutschen Titel des Krimis: „Ein perfider Plan“ klingt zwar ziemlich griffig, hat jedoch nichts mit dem Original (2017) zu tun. Hier heißt der Titel nach einem häufiger vorkommenden Zitat im Buch: „The Word is Murder“ („Das Wort ist Mord“).

Fazit: Wirklich unterhaltsam, mit britischem Humor gespickt, raffiniert konstruiert und durch schriftstellerische Finten aus dem üblichen Genre herausragend! Wer jetzt auf den Geschmack gekommen ist, dem sei gesagt: Kürzlich ist bereits der zweite „Hawthorne ermittelt“-Roman als gebundene Ausgabe auf Deutsch erschienen: „Mord in Highgate“. Jörg Lehn

Anthony Horowitz: Ein perfider Plan. Hawthorne ermittelt. Kriminalroman. Aus dem Englischen von Lutz-W. Wolff, Insel Verlag, 363 Seiten.