Neues Merian-Heft Trier erscheint am 28. Februar.

Kulturreisen : „Blätter, die Sehnsucht erzeugen“

Römer, Wein, Marx und Mosel – in der ältesten Stadt Deutschlands gibt es viel zu entdecken. Ein neues Merian-Heft über Trier zeigt ab heute ein facettenreiches Portrait der modernen Stadt.

Sieht aus wie in Rom – das Tor aus dicken schwarzen Sandsteinquadern  hinter ausladenden Palmenzweigen. Das Bild von der Porta Nigra in mediterranem Flair schafft genau die Assoziationen, die auf die Bedeutung Triers in der Antike hinweisen. „Wir hatten 2018 tolles Wetter, um Trier zu fotografieren“, erzählt Chefredakteur Hansjörg Falz zum Hintergrund der Bilderbuch-Ansichten von Trier im neuesten Merian-Heft, das ab dem heutigen Donnerstag  im Handel ist. Es ist das dritte nach Auflagen in den Jahren 1949 und 1983 – und sicherlich das emotionalste und am meisten farbenfrohe. Sechs Fotografen schossen zwischen 3000 und 4000 Bilder, von denen schließlich etwas mehr als 100 Eingang ins Heft fanden, verriet Folz am Dienstagabend im Lesesaal der Stadtbibliothek, wo er das Heft zusammen mit Redakteurin Inka Schmeling vor rund 150 Gästen präsentierte. Für das Coverbild – erstmals mit Drohne – sei selbige beinahe „in ein Haus geknallt“, um den Blick über die Porta hinweg in die Altstadt voller Passanten einzufangen.

Lust auf den Ort machen, das ist das vorrangige Ziel der Merian-Hefte, die es seit 70 Jahren gibt. Neben touristischen Sehenswürdigkeiten erzählen die Autoren die besonderen Geschichten, die die Stadt einmalig machen.  Guildo Horn, bekennender Trier-Norder, verrät seine Lieblingsorte. Malu Dreyer zeigt ihr Zuhause im Schammatdorf, dem integrativen Vorzeige-Wohnprojekt, wo alle Bewohner aufeinander achten. Und Günther Jauch öffnet mit verschmitztem herzlichen Schuljungen-Lachen sein Weingut an der Saar, wo der Moderator seit Jahren beste Rieslinge entwickelt.

„Wir sind ein touristischer Hotspot“, freut sich Norbert Käthler, Geschäftsführer der städtischen Firma Trier Tourismus Marketing (ttm) angesichts von 200 000 Gästen bei Führungen im Jahr. Dazu passe eine journalistisch unabhängige Publikation, die Lust aufs Reisen mache, bestens. Ein Wunsch der Stadt sei es, „den Ort emotional aufzuladen und Sehnsucht zu erzeugen“. Wenn sich das Heft – Auflage rund 80 000 – gut verkaufe,  soll eine englische Ausgabe folgen, mit der man sich ausländischen Gästen und potenziellen Fachkräften empfehlen kann. Die Heft-Reihe mit 20 000 Abonnenten wird überwiegend in Bahnhöfen und Buchhandlungen vertrieben (148 Seiten, Preis 8,95 Euro).

Karl Marx ist natürlich auch vertreten – in Form eines Nachrufs auf sein 200. Jubiläum 2018, zu dem das Heft ursprünglich erscheinen sollte. Und aus was die Trierer neben dem berühmten Philosophen heutzutage Kapital schlagen, beleuchtet der Blick auf 400 Meter Neustraße, wo sich junge individuelle Geschäfte angesiedelt haben und dem Viertel ein unverwechselbares Gepräge geben. Und wer genug gebummelt und eingekauft hat, findet auch Tipps für Touren durch Bierkneipen und Weinlokale. Die Berliner Autorin hat sich dafür eine trinkfeste Begleitung mit in die Moselstadt gebracht. Der Lage im Grenzgebiet entsprechend ist auch Luxemburg mit einem Beitrag vertreten: Ausgehtipps für Ausflügler gibt dabei der Autor der Luxemburg-Krimi-Reihe, Tom Hillenbrand.

Dass es nach mehr als 30 Jahren Zeit für ein neues Merian-Heft ist, dazu hat ein Trierer Journalist den Anstoß gegeben. OB Wolfram Leibe dankte Marcus Stölb für die Initiative, seine Heimatstadt zeitgemäßer zu präsentieren. Stölb hatte auch die Idee, den Schriftsteller Hanns-Josef Ortheil („Die Erfindung des Lebens“) um einen Beitrag zu bitten. Der erinnert nun an eine „Wanderung, die sein Leben veränderte“.