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Neues Tanzstück in Trier: „Die Reise in die Hoffnung – Viaggio della sperenza“ von Roberto Scafati

Tanztheater : Aufbruch als Lebensbedingung

In seinem neuen Tanzstück „Die Reise in die Hoffnung – Viaggio della sperenza“ setzt sich Roberto Scafati, Ballettchef am Trierer Theater, mit dem Unterwegssein auseinander.

Wie immer hilft Goethe. „Man reist ja nicht um anzukommen“ hat der lebenskluge Dichterfürst  festgestellt. Und damit meinte er keine touristische  Fortbewegung von Ort zu Ort, sondern das Unterwegssein  als existenzielle Bedingung. Unterwegs in der Welt wie im eigenen Innern ist auch das Tanzensemble des Theaters Trier in  „Die Reise in die Hoffnung – Viaggio della sperenza“ von Roberto Scafati. Das neue Stück des Ballettchefs wird nächste Woche uraufgeführt.

Die Reise als Bild des Lebens ist eine uralte Metapher von der Antike bis heute. Nicht nur um das Individuum, den einzelnen Menschen, geht es: Die ganze Menschheitsgeschichte ist eine endlose Kette von Aufbrüchen, Ankünften und Abschieden. Das Wandern ist nicht nur des Müllers Lust, sondern auch Ausdruck aller möglichen menschlichen Befindlichkeiten, von Entdeckerlust, Wissenstransfer und kultureller Durchdringung, ebenso wie von Machtstreben und seinem kriegerischen Elend.  Das wird dieser Tage einmal mehr deutlich, in denen zahllose Menschen auf der Flucht sind. All das ist auch für Scafati aktuell. Allerdings erzählt der Choreograph keine Flüchtlingsgeschichte, auch wenn der Titel solche Assoziationen nahezulegen scheint.

Scafatis Ansatz ist komplexer. Das vielgestaltige Thema des Aufbruchs will er aus der individuellen wie der gesellschaftlichen Perspektive  tänzerisch hinterfragen. Für den Choreographen bedeutet das Reisen mehr als einen freiwilligen oder durch die Verwerfungen des Lebens erzwungenen Ortswechsel. Auch für ihn ist  die Fähigkeit, permanent geistig wie de facto unterwegs zu sein, eine Lebensbedingung. Mehr noch: Sie ist Voraussetzung für jene menschliche Freiheit, die zu Eigenstand und Selbstbestimmung führt. Die liege bei jedem Einzelnen. „Meine Message ist: Die Freiheit ist in uns. Wir entscheiden, ob wir unterwegs sein wollen oder nicht“, erklärt Scafati.

 Wunsch, Sehnsucht und Hoffnung sind unverzichtbare Antriebe, um überhaupt aufzubrechen, weiß der Choreograph. Wer nichts mehr wünsche und nichts mehr hoffe, lebe eigentlich gar nicht mehr. „Was wünscht ihr euch?“, hat der Tanzchef folgerichtig erst einmal seine  Tänzer gefragt, bevor aus den persönlichen Wünschen eine Collage in mehreren Bilder wurde,  in der die unterschiedlichen Aspekte des Aufbruchs in ihrer Widersprüchlichkeit in Bewegung übersetzt werden. Dazu gehören auch all die Ängste, die mit dem Aufbruch verbunden sind, das Fremdsein in einer neuen Welt, das  Hin-und Hergerissensein zwischen Bleiben und Gehen. „Zum Aufbrechen gehört Mut“, sagt Scafati. Allerdings keine Tollkühnheit, sondern bewusstes Handeln. „Wir müssen uns klar sein, was wir verlassen und wo wir hinwollen“, erklärt der Choreograph. Überhaupt ist für den Künstler, dessen Ideenlage von wohltuender Klarheit ist, das menschliche Reisen mit seinen Irrwegen und Sackgassen, seinen Oasen und Glücksmomenten, auch immer ein Reisen in die Provinz des eigenen Innern. Derart bei sich selbst  ist es dann auch erwünscht, anzukommen.

Eigens für das Stück hat der italienische Komponist Flavio Pescosolidos in enger Zusammenarbeit mit dem Tanzensemble die Musik entwickelt. Apropos Migration und Flucht: Natürlich sind sie auch in Scafatis Stück präsent. Schüler mit Migrationshintergrund der Berufsbildenden Schule Gestaltung und Technik in Trier haben in ihrer Muttersprache ihre Wünsche für die neue Produktion formuliert.

Die Uraufführung ist am Freitag, 22. Februar, 19.30 Uhr, im großen Haus des Theaters Trier. Karten gibt es auf www.theater-trier.de, unter theaterkasse@trier.de sowie Telefon 0651/ 718-1818.