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Nighthawks - Roadtrip von New York nach Mexiko

Konzert : Roadtrip von New York nach Mexiko

Die Nighthawks haben bei Jazz im Brunnenhof in Trier die 150 Besucher entspannt und elektrisierend in verschiedene Stimmungswelten mitgenommen.

Den brasilianischen Strand von Tracoso haben sie ausgelassen. Dal Martino, Sänger und Bassist der Band, war der Meinung, dass ja Sommer ist. Bei angenehmen 16 Grad Celsius waren es zwar nicht ganz brasilianische Temperaturen, aber die Musik von Nighthawks brachte die Besucher in eine entspannte Stimmung, die einem Kurzurlaub gleichkam. Begonnen haben die Musiker um Dal Martino und Reiner Winterschladen (Flügelhorn, Trompete) mit eher besinnlichen Tönen, die durch intensive E-Gitarrensolos von Jörg Lehnardt und die thematischen Einwürfe von Reiner Winterschladen an der gedämpften Trompete an ein zufriedenes „Alleine durch die Straßen ziehen und sich von den Lichtern der Nacht treiben lassen“ erinnerte.

Dann nahmen die Nighthawks mit ihrem modernen Elektronik Sound die Menschen im ausverkauften Brunnenhof mit auf einen Roadtrip auf dem Rickenbacker Causeway, auf dem eigentlich nicht viel passiert. Außer er wird von ihnen musikalisch beschrieben, mit sich gleichmäßig hinziehenden Rhythmen, lebendigen Skalen von Jürgen Dahmen an den Keyboards, rhythmischen Einwürfen und einigen Stimmungswechseln, bis man schließlich am Ziel angekommen ist.

Gerade in Zeiten, in denen das Reisen sehr erschwert ist, haben es die Nighthawks geschafft mit ihrer Musik, die Besucher ein wenig mitzunehmen, beispielsweise mit einem Stück aus ihrem Album 747, damit ist das Flugzeug der Firma Boing gemeint, dass sie als eine Art „Kulturtransporter“ zwischen Amerika und Europa sehen. Mit viel Hall, metallischen Sprachsilben, langen rhythmischen Bögen und einem ruhigen, leicht verzögertem Trompetenthema darüber, war man schnell in futuristischen Bereichen. Schließlich wurde das ganze von Thomas Alkier am Schlagzeug angetrieben und die Stimmung verdichtete sich. Die technische Komponente und die warmen, manchmal auch kernigen oder kühlen akustischen Klänge passen bei Nighthawks sehr gut zusammen und geben der Gruppe einen unverwechselbaren Sound, der sich durch alle Stücke zieht.

Die Nighthawks, das sind vor allem Dal Martino und Reiner Winterschladen, die sich seit 1991 kennen und neun CDs gemeinsam eingespielt haben. Sie spielten im Brunnenhof sowohl aus ihren Anfangszeiten als auch aktuelle Stücke. Von der ersten Platte, die 1998 erschienen ist, und die als „Fusion CD des Jahres“ vom Stereo Magazin ausgezeichnet wurde, spielten sie die Filmmusik zu „Samantha“. Die beiden Musiker hatten damals den Auftrag, sie zu schreiben und dazu fielen ihnen Bilder vom nassen Asphalt in New York und Wüstensand in Mexiko ein, wo eine einsame Kapelle mit Glöckchen steht. Musikalisch haben sie das mit einer Stimme aus dem Off und mit Schlagwerk, das sich an Regentropfen anlehnt, umgesetzt. Dann gab es noch von Bob Dylan „Man in a long, black coat“, bei dem Dal Martinos rauchige, tiefe Stimme sehr gut zur Geltung kam und das mit coolem Trompetensound unterlegt war. Als es Richtung Ende des Konzerts ging, hörte man die ersten Sequenzen von Paulchen Panther in der Basslinie, die sich aber schnell in eine sehnsuchtsvolle Melodie wandelte. Für die Besucher, die sich sehr diszipliniert an die Corona-Auflagen gehalten haben, gab es noch eine Zugabe von den Musikern, denen man ihre gute Laune beim Spiel angemerkt hat. Es war ihr erstes Konzert in Trier und auch ihr erstes Konzert überhaupt in diesem Jahr. Norbert Käthler, Geschäftsführer der TTM, die „Jazz im Brunnenhof“ gemeinsam mit dem Jazzclub Trier organisiert, war wie alle Beteiligten froh, dass wieder gespielt werden kann.

Das nächste Konzert findet am 23. Juli statt. Stephan-Max Wirth Experience wird ab 20 Uhr zu Gast sein. Der Eintritt kostet 10 Euro. Es gibt Karten nur im Vorverkauf.