Norbert Lammert und Mars Di Bartolomeo sprechen über Freiheit und Demokratie in Luxemburg

Gesprächsreihe „Horizonte“ : Demokratie ist nicht selbstverständlich

Warum Demokraten in der heutigen Zeit die Freiheit ständig verteidigen müssen, erklären die Ex-Parlamentspräsidenten von Luxemburg und Deutschland.

In der Reihe „Horizonte“ diskutieren die Macher des Kulturzentrums Trifolion in Echternach im Jahr 2019 das Thema „Freiheit“ mit prominenten Journalisten und Politikern. Am Montagabend ist aus Berlin der streitbare und eloquente ehemalige Bundestagspräsident Norbert Lammert (CDU) angereist, um mit seinem Kollegen und Freund Mars Di Bartolomeo (Luxemburger sozialistische Arbeiterpartei) über „Ohne Freiheit keine Demokratie“ zu diskutieren. Trifolion-Chef Ralf Britten führt durch die Diskussion und eröffnet den Abend, indem er auf die Verantwortung aller Bürger für Demokratie und Freiheit hinweist, sowie auf die Gefahr, die von demokratisch gewählten, extremen Parteien ausgeht.

Gut 300 Besucher lauschen gespannt den einführenden Worten der Ex-Politiker, unter ihnen Prominenz aus Politik und Kultur: Jacques Santer (ehemals Präsident der europäischen Kommission), Bernhard Kaster (ehemaliger Trierer Bundestagsabgeordneter), der deutsche Botschafter Heinrich Kreft, Michael Billen, Landtagsabgeordneter der CDU, aber auch der Intendant des MoselMusikfestivals, Tobias Scharfenberger.

Trotz ihrer unterschiedlichen politischen Couleur sind sich Di Bartolomeo und Lammert in den grundsätzlichen Fragen einig: „Die Demokratie gerät unter Druck“, sagte der Sozialist und der Konservative ergänzte: „In ganz Europa werden Parteien demokratisch in die Parlamente gewählt, die europafeindlich sind und individuelle sowie staatliche Freiheit einschränken wollen. Das ist eine Gefahr.“ Schon das Scheitern der Weimarer Republik, der vor 100 Jahren begründeten, ersten parlamentarischen Demokratie auf deutschem Boden, sei nicht auf einen Putsch oder sonstige Gewaltakte zurückzuführen, sondern auf „unzureichendes, gemeinsames Engagement der Demokraten“, sagt der 1948 in Bochum geborene Lammert. Wohin die Machtergreifung der Nationalsozialisten geführt habe, sei ja sattsam bekannt, leider würden die Zeitzeugen, die über die Gräuel von Diktatur und Krieg berichten könnten, auch immer weniger. Deshalb fordert Di Bartolomeo (Jahrgang 1952), dass in den Schulen wieder mehr Demokratie- und Geschichtsbewusstsein gelehrt werden soll und dass die guten Demokraten die Hoheit über den „Worldwide Biertisch“ wiedergewinnen müssten und den „Fake-News-Tsunamis“ trotzen sollten. Das gehe allerdings nur, wenn auch die Anhänger der demokratischen Parteien der Mitte zahlreich an Wahlen teilnehmen. Lammert warnte daher, dass Demokratie und Freiheit nicht als selbstverständlich anzusehen sind, sondern permanentes Engagement erfordern, „auch wenn die großen Fragen der Nachkriegszeit grundsätzlich geklärt sind.“

90 Minuten waren für die Diskussion – in die sich zum Ende auch zahlreiche Zuschauer einschalten – geplant, es werden aber dann doch über zwei Stunden. Es bestand offensichtlich Redebedarf und Lammert schließt skeptisch aber zuversichtlich und vor allem leidenschaftlich: „Wir müssen begreifen, welche Chancen die heutigen stabilen, europäischen Zustände bieten, sonst gehen wir als die dämlichste Generation in die Geschichte ein!“

Die nächste Gesprächsrunde findet am Donnerstag, 28. März, 20 Uhr, statt. Zu Gast ist die Autorin Thea Dorn, die gemeinsam mit Moderator Manfred Osten das Thema „Wir sind so frei – Warum aufgeklärte Patrioten gute Europäer sind“ betrachtet. Weitere Infomationen unter: www.trifolion.lu