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Musik
Opening-Festival in Trier: Neue Klänge, aus alter Tradition genährt

 Naoko Kikuchi, eine Virtuosin auf der Koto, der japanischen Zither, beim Opening 19 in Trier.
Naoko Kikuchi, eine Virtuosin auf der Koto, der japanischen Zither, beim Opening 19 in Trier. FOTO: Eva-Maria Reuther
Trier. Musik-Festival: In Trier präsentierte sich am Wochenende Opening 19 vor insgesamt 800 Zuschauern in der Tufa. Von Eva-Maria Reuther

Dem Neuen, das aus dem Alten entsteht, und dem Lauten, das aus der Stille kommt – um es mal auf einen kurzen Nenner zu bringen – widmete sich am Wochenende in Trier Opening 19, das Internationale Festival für Aktuelle Klangkunst.

„Die Stadt steht auch zum Nichtvertrauten“, unterstrich Kulturdezernent Thomas Schmitt zur Eröffnung in der Tufa den städtischen Willen, sich auch neuen Klängen zu öffnen. Als Zeichen für Kontinuität würdigte der Mainzer Wissenschafts- und Kulturminister Konrad Wolf, der in diesem Jahr die Schirmherrschaft übernommen hatte, die 19. Ausgabe des Festivals, das von der Stadt Trier in Kooperation mit der Tufa und der Trierer Gesellschaft für Internationale Klangkunst veranstaltet wird. Man werde auch weiterhin das Festival unterstützen, sagte der Minister. Bisweilen mag man sogar bei zeitgenössischer Musik den Eindruck haben, dass alles schon mal da war. In jedem Fall machte das von Bernd Bleffert und Thomas Rath verantwortete sehr schlüssige, aber auch nicht eben innovative Programm eindrücklich klar, wie verwurzelt Musik der Zeit in der musikalischen Tradition ist. Ausgesprochen wohltemperiert und eher brav ging es in diesem Jahr zu. Der Aufbruch, den man von Neuem erhofft, war auch in den Uraufführungen kaum zu spüren. Dafür waren exzellente Musiker in allen Konzerten am Werk. Das Festival begann mit zwei Schlüsselwerken. Zu Beginn erklang spannungsreich und dynamisch Béla Bartóks düstere „Sonate für zwei Klaviere und Schlagzeug“,  hochpräzise musiziert von den beiden hervorragenden Schlagzeugern Dirk Rothbrust und Achim Seyler sowie den Pianisten Sonia Achkar und Markus Bellheim. Dem Ungarn folgte der Amerikaner George Crumb und seine „Music for a Summer Evening“ aus seiner kosmischen Tondichtung Makrokosmos III, die ganz nah beim Altmeister Karlheinz Stockhausen ist. Der beschloss als illustrer, leider sehr später Gast den Abend mit seiner berühmten „Mikrophonie“, die Schwingungen in Töne wandelte. Zuvor hatte das niederländische Luna-Streichquartett in den Viehmarktthermen das Publikum mit einem feinsinnigen Porträtkonzert des englischen Pianisten Frank Denyer begeistert. Eine Rarität im Festivalprogramm war Giacinto Scelsis  Klavier-Suite  „Ttai“ (Friede)  und sein Gesangssolo „Ho“ im Angela-Merici-Gymnasium. Roland Techet machte in den neuimpressionistisch anmutenden Klängen eine fast transzendent innere Abgeklärtheit und ihre Verstörungen hörbar. Alexandra von der Weths vielgestaltiger Sopran hielt in „Ho“ der friedlichen Stille inneren Aufruhr und seelische Erschütterung entgegen. Als einen Künstler, der unterwegs in der Welt ist, ohne sich dabei zu verlieren präsentierte das Porträt-Konzert den Komponisten Gerhard Stäbler.  Aus dem Osten schafften den kulturellen Brückenschlag die feinsinnige japanische Koto-Spielerin Naoko Kikuchi und ihr koreanischer Kollege, der virtuose Flötist Hong Yoo. Alle miteinander, große wie kleine Kinder hatten einen Riesenspaß beim „Zweieinander“ des Staatstheaters Mainz. Enttäuschend allerdings das Ende: Martin Tschibas  „Neue Blätter, Trier“ im Museum am Dom waren in der Tradition der musikalischen „Albumblätter“ zwar wohklingend, aber, was die Innovation anging so trocken wie die Blätter, mit denen seine Assistentin raschelte. Von Tschibas zeitgeistigen Internet- und Multi-Media-Projekten war praktisch nur etwas in seinen Kommentaren zu erfahren. Wenig eindrücklich blieben die Beispiele einer Synthese aus analoger und elektronischer Musik, ebenso wie seine Interaktionen mit dem Publikum. Wie immer gibt es zum Festival in der Tufa die Begleitausstellung Open-Expo. Diesmal bringt Bleffert mit seinem „Wintergarten“ den Raum zum Klingen. Zudem sind in der Galerie Fotos von Rainer Breuer zu sehen. „Ich bin hochzufrieden“, resümiert Bernd Bleffert. „Es war wie immer schön“, findet  ein Stammgast aus Luxemburg, einer der rund 800 Besucher.

Die Ausstellung „Open-Expo“ geht bis zum 2. März