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Musiktheater
Opernpremiere im Trierer Theater: Ein fröhlich-spöttisches Verwirrspiel

 Szene aus der Opera buffa, die am Samstag in Trier Premiere hat: „Die heimliche Ehe“ von Domenico Cimarosa (1749 bis 1801) bringt die humorvolle musikalische Finesse des Komponisten zum Ausdruck.
Szene aus der Opera buffa, die am Samstag in Trier Premiere hat: „Die heimliche Ehe“ von Domenico Cimarosa (1749 bis 1801) bringt die humorvolle musikalische Finesse des Komponisten zum Ausdruck. FOTO: TV / ArtEO Photography
Trier. Im Theater Trier hat Domenico Cimarosas Oper „Il matrimonio segreto“ Premiere. Sie handelt von Turbulenzen um Liebe, Berechnung und den fehlenden Mut zur Wahrheit. Von Eva-Maria Reuther

Mit der Liebe ist es zuweilen wie mit den Befreiungsbewegungen. Die verändern ihren Charakter, glaubt man Karl Marx, sobald sie von der Idee zur Realität übergehen. Das müssen auch Carolina und Paolino erfahren, die ihre Liebe nicht leben können, weil sie sich nicht trauen, Carolinas Vater Geronimo ihre heimliche Heirat zu gestehen. Der hat nämlich mit seinen beiden Töchtern andere Pläne. Sie sollen dem wohlhabenden, aber geizigen Kaufmann über entsprechende Ehemänner zum Geld noch den Adel besorgen. Der bürgerliche Angestellte Paolino kommt da keinesfalls als Schwiegersohn in Frage. Ein verarmter Graf ist für die ältere Elisetta schon ins Visier genommen. Eine üppige Mitgift soll der Liebe auf die Sprünge helfen. Unglücklicherweise besteht Graf Robinson aber auf Carolina als Frau. Zudem hat Geronimos verwitwete Schwester Fidalma ein Auge auf Paolino geworfen. Schon ist der Schlamassel perfekt. Ein fröhliches, leicht spöttisches Verwirrspiel ist Domenico Cimarosas heitere Oper „Il matrimonio segreto“, die am Samstag im Theater Trier Premiere hat.

Das 1792 uraufgeführte „Dramma giocosa“ des italienischen Komponisten gehört zu den wenigen bis heute gespielten Werken des produktiven Italieners, der über 80 Opern geschrieben hat. Seine eher traditionellen Stücke waren zu seinen Lebzeiten beim Publikum beliebter als die neumodischen seines Zeitgenossen Mozart. Selbst Goethes Schwager Christoph August Vulpius fertigte für das Weimarer Hoftheater eine deutsche Fassung des Librettos der „heimlichen Ehe“ an.

Cimarosas Oper ist ein Werk der Zeitenwende. Fest verankert in der unbändigen Theaterlust des späten Barocks und dem heiteren Witz der „Commedia dell`arte und ihren Typen, dem geizigen Alten, dem jungen Paar, dem armen heiratswilligen Adeligen oder der reichen Witwe, weist sie dennoch in ihrer Musik bereits auf Mozart und sogar Rossini hin. Für ihre Textfassung diente dem Librettisten Giovanni Bertati als Vorlage die Komödie „The Clandestine Marriage“ der beiden Engländer David Garrick und George Colman. Die wiederum hatten sich von einem berühmten Landsmann inspirieren lassen, der in seinen satirischen Blättern bissig Lust und Leid von Liebe und Ehe aufspießte, dem Maler und Grafiker William Hogarth. Die etwas in Vergessenheit geratene Oper wird neuerdings wieder häufiger aufgeführt.

In Trier hat man sich nicht zuletzt wegen ihrer Ensemble-Eignung dafür entschieden, wie Wouter Padberg berichtet, der die musikalische Leitung der Inszenierung hat. Gleichermaßen Lust am Spiel wie an der Ensemble-Arbeit hat auch Andreas Rosar.

Für den jungen Regisseur, der bislang vor allem in der „Opera seria“ (der ernsten Oper) unterwegs war, ist die Beschäftigung mit Cimarosas heiterem Werk eine neue Herausforderung. „Die Figuren haben Charme“, sagt der Regisseur. Auch wenn es Typen seien, gehe es ihm darum, ihnen eine eigene Charakteristik zu verleihen. Dabei sei die Musik eine wichtige Informationsquelle über das Innenleben der Figuren. Überhaupt ist es das speziell Menschliche, das den Theatermacher fasziniert und umtreibt. Für den Regisseur und studierten Theologen ist das Theater ein Ort der Selbsterfahrung und -reflexion, eine Schaubühne der menschlichen Komödie wie Tragödie. „Für mich ist wesentlich, dass das Theater die Möglichkeit bietet, menschliche Verhaltensweisen zu beobachten und daraus Rückschlüsse für das eigene Leben zu ziehen“.

Tief in die Musik hört naturgemäß Wouter Padberg. Ihn fasziniert die Dynamik der Komposition mit ihren kontrastreichen Elementen, ihren „turbulenten Wirbeln“ und schnellen Tempi, denen ganz ruhige Partien gegenüberstehen. Solche Ruhepunkte genießt der Kapellmeister besonders: „Das sind ganz leise delikate Momente von großer Spannung und Erwartung, eine Stille vor dem Sturm“. Um Dynamik, Kontrastreichtum, Spannung, viel Spaß und natürlich die menschliche Wahrheit im komödiantischen Narrentreiben geht es Rosar und seiner Regiearbeit. Ganz wichtig ist dem Regisseur dabei, dass das Publikum beim Zuhören und Zuschauen seinen eigenen Zugang findet. „Das Schönste ist, wenn der Zuschauer in unserer Geschichte seine eigene entdeckt“.

Premiere ist am Samstag, 3. Februar, 19.30 Uhr, im Theater Trier, Großes Haus. Weitere Termine sind am  7., 23. und 27. Februar und am 17. und 31. März, jeweils 19.30 Uhr sowie am 11. März um 16 Uhr.