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Orchester des Theaters Trier spielt Gustav Mahlers sechste Sinfonie

Musik : „Man muss Ohren und ein Herz mitbringen“

Das Orchester des Theaters Trier spielt im zweiten Sinfoniekonzert Gustav Mahlers sechste Sinfonie.

Gleich eingangs zeigt Generalmusikdirektor (GMD) Jochem Hochstenbach seinem Publikum, wo der Hammer hängt. Die Rede ist von dem riesigen Holzhammer, der in Gustav Mahlers sechster Sinfonie in a-Moll zum Einsatz kommt und aktiv zu ihrem bekannten Beinamen als „Tragische“ beiträgt. Besiegelt er doch am Ende mit gewaltigem Schlag das unausweichliche Schicksal. Tragik ist überall in der Musik und speziell in dieser einzigen Sinfonie in a-Moll des Spätromantikers Mahler zu spüren.

Der Hammer ist eines der Schlagzeuge, die Mahler hier einsetzt, neben den Pauken, Trommeln, Becken bis hin zu seinen geliebten Kuhglocken. Die Schlagzeuger gehören zu den spektakulären Stars des Abends, wenn sie im forsch voranschreitenden, die ganze Sinfonie durchziehenden Marsch-Motiv die Zäsuren setzen und den Tumult strukturieren wie befördern.

Mahlers sechste Sinfonie ist nicht nur selbst voller musikalischer Tumulte, allein wegen ihrer zahlreichen Motive, ihrer Widersprüchlichkeit und ihren Brechungen. Sie leistet auch das, was der Kunst ureigen ist: Sie löst beim Zuhörer emotionale Tumulte aus, bleibt rätselhaft und geheimnisvoll und widersetzt sich allzu vordergründigen Deutungen. „Es gibt, von Beethoven angefangen keine moderne Musik, die nicht ihr inneres Programm hat“, schreibt Mahler an einen Wiener Kritiker. „Aber keine Musik ist etwas wert, von der man dem Hörer zuerst berichten muss, was darin erlebt ist — respektive was er zu erleben hat. Man muss eben Ohren und ein Herz mitbringen.“ Die kommen an diesem Abend voll auf ihre Kosten. Auch wenn als Folge der Corona-Beschränkungen statt Mahlers originaler „Klangorgie“ für 107 Musiker, die verschlankte Bearbeitung von Klaus Simon aufgeführt wird. Unter Hochstenbachs dynamischem, feinnervigem Dirigat macht das Trierer Orchester erfahrbar, wie einfühlsam Simon seine Einschnitte vorgenommen hat.

Trotz der etwas spröden kammermusikalischen Fassung wird nach kleinen anfänglichen Unsicherheiten im Zusammenspiel eindrucksvoll der typische „Mahler-Sound“ und seine Klangfülle hörbar. Hochstenbach und seine Musiker machen die Musik transparent, durchhörbar in den einzelnen Stimmen und Motiven, ohne dabei den Gesamtzusammenhang aus dem Auge zu verlieren. Leidenschaft wird ebenso zum Klang wie die Ambivalenz und Brüchigkeit glücklicher Momente. Gespenstisch höhnt das Scherzo. Wunderbar berührend erklingt das intime Andante. Sehr schön: die feinsinnigen Streicher.

Auch wenn der Trierer Aufführung und ihrer Fassung notwendigerweise das Orgiastische des Originals, seine beißende Ironie und das ganz große Weltgewitter der Gefühle fehlt, so bleibt der Abend in der Europahalle packend und von ergreifender Dichte.