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Perfekte Kulisse für alle Leser

Lesen : Perfekte Kulisse für alle Leser

Zum sechsten Mal gastiert das Festival StadtLesen im Juni in Trier. Neben gemütlichem Schmökern liegt dieses Mal ein Schwerpunkt auf dem Thema Grundbildung.

Als Wladimir Kaminer 2014 auf dem Trierer Kornmarkt zur Premiere von StadtLesen vorlas, konnte niemand ahnen, dass das Lesespektakel unter freiem Himmel zu einer echten Institution in Trier werden würde – und es sogar mit Bild in den gerade veröffentlichten Merian-Band Trier schaffen würde. „Da sind wir superstolz drauf“, sagt Caroline Thielen-Reffgen vom Kommunalen Bildungsmanagement der Stadt Trier, seit 2014 eine der Vor-Ort-Organisatorinnen von StadtLesen. Die Idee, Tausende Bücher unter freiem Himmel in Regale zu stellen, dazu einige gemütliche Sitzgelegenheiten bereitzustellen, um Menschen so zum Schmökern und Lesen zu animieren, kommt von der Salzburger „Innovationswerkstatt“ von Sebastian Mettler.

Und der StadtLesen-Gründer hat sich förmlich verliebt in Trier, speziell seitdem 2015 der Standort vom Kornmarkt auf den Domfreihof umgezogen ist. „Der schönste Platz unserer gesamten StadtLesen-Tour durch Deutschland, Österreich, die Schweiz und Südtirol“, sagte Mettler über „Triers Lesezimmer“. In Stuttgart zum Beispiel war StadtLesen einige Male auf einer Verkehrsinsel untergebracht, da sei der Domfreihof doch schon etwas anderes.

Dennoch muss sich auch Trier jedes Jahr aufs Neue als Gastgeber bewerben, aber bei der Onlineabstimmung über die insgesamt 30 StadtLesen-Städte liegt Trier laut Mettlers Angaben „immer ganz weit vorne“. So findet das Lesefestival vom 13. bis 16. Juni bereits zum sechsten Mal in Folge in Trier statt. Nachdem der Termin feststeht, heißt es nun noch die letzte große Frage zu klären: Wer ist der oder die berühmte Vorleser(in), für die Eröffnung der Veranstaltung am 07. Juni 2018 war es der Schauspieler Günther Maria Halmer, neben Kaminer lasen auch schon Größen wie Andrea Sawatzki, Rufus Beck oder Benno Fürmann auf dem Domfreihof. „In zwei, drei Wochen steht der Name hoffentlich fest“, sagt Thielen-Reffgen.

Der Rest des Programms ist indes schon komplett eingetütet – und steht in diesem Jahr noch mehr unter dem Aspekt Grundbildung. Im Herbst 2018 wurde das neue Projekt „Knotenpunkte der Grundbildung“ in Trier gestartet, um das Thema Alphabetisierung anzugehen. Im Fokus stehen diesmal die Familien. Als Vorprogramm zum noch unbekannten prominenten Vorleser wird es einen Auftritt der Selbsthilfegruppe „Wortsalat“ geben, die aus eigenen Texte vorliest. Am Samstag folgt ein Workshop zum Thema richtiges Vorlesen für Eltern. „Das ist in vielen Familien total in Vergessenheit geraten, wie man Kinder durch Vorlesen für Bücher und Lesen begeistern kann“, sagt Thielen-Reffgen. Vor dem Workshop steht auf der Domfreihof-Bühne das Lesetheater „Cowboy Klaus und der fiese Fränk“ mit Michael Hain auf dem Programm.

Das „Knotenpunkte“-Projekt stellt sich bei StadtLesen ebenso vor wie das landesweite Netzwerk für Grundbildung und Alphabetisierung (Donnerstag und Samstag). Auch „Wortsalat“ hat einen eigenen Stand, zudem werden Bücher in einfacher Sprache präsentiert. Am Samstagvormittag (15. Juni) gibt es auf der Vorlesebühne Texte für Kinder auf Deutsch und Arabisch. Der Freitagvormittag steht wieder ganz den Schulen aus der Region offen.

Auch die vor zwei Jahren gestartete Kooperation mit dem Bistum Trier wird fortgesetzt: Klaus Jungen und Michael Thomas lesen am Freitag um 18.30 Uhr zum 200. Geburtstag des Schriftsteller Herman Melville aus dessen Werken Bartleby und Moby Dick. Zudem stellt das Bistum wieder Medien für Seh- und Hörgeschädigte zur Verfügung. Neben dem Programm steht aber vor allem das gemütliche (Vor)Lesen im Mittelpunkt. In rund 3000 Büchern können die Besucher schmökern, es sich in Sitzsäcken und Hängematten bequem machen. Am Sonntag wird dann das gesamte Bücher-Repertoire ausgetauscht, denn am Familienlesetag dreht sich alles um Kinder- und Jugendliteratur. „Auch in diesem Jahr haben wir also ein großes Paket in Sachen Lesen geschnürt. Unsere einzige Hoffnung ist, dass das Wetter hält“, sagt Thielen-Reffgen.