Peter Garrett (Midnight Oil) über Politik, Konzerte und die Trier-Show

Bei Open Air im Juni in Trier : Midnight-Oil-Sänger im Volksfreund-Interview: „Trumps Zeit wird vorbeigehen“

Ein Rocksänger mit Haltung, der es in Australien als Politiker nach oben geschafft hat – und der nach langer Pause zurück auf der Bühne ist: Im TV spricht Peter Garrett (65) über die Rückkehr von Midnight Oil, zeitlose Songs, politische Entwicklungen und den Auftritt am 19. Juni vor der Porta Nigra.

Midnight Oil spielen mal vor der Porta Nigra?! Vor ein paar Jahren hätte man mit einer solchen Prophezeiung für heftiges Kopfschütteln gesorgt, vielleicht auch für Lacher. Zum einen, weil es damals noch nicht das Porta3-Festival gab – und keine international bekannten Bands vor dem Trierer Wahrzeichen spielten. Zum anderen, weil die „Oils“ – immerhin eine der großen Rockbands der 80er – 2002 alle musikalischen Aktivitäten eingestellt hatten. Es war auch nicht anders möglich: Frontmann Peter Garrett, der charismatische Rocksänger mit der Glatze und dem unorthodoxen Tanzstil, hatte eine neue Karriere in der australischen Politik. Abgeordneter, Umweltminister. Später Minister für schulische Bildung, Kinder und Jugend. Vor sechs Jahren schied Garrett aus der Regierung aus. Aber auch da war noch weit und breit keine Wiedervereinigung der Band in Sicht. Im Telefonat mit dem TV sagt der 65-Jährige, warum es seine Kollegen und ihn wieder auf die Bühne zieht. Nach 15 Jahren Bandpause gab’s 2017 eine gefeierte Welttournee. Im Juni spielt Midnight Oil vor der Porta Nigra.

Peter Garrett über die Rückkehr der Band...

„Wir hatten selbst nicht erwartet, dass wir so eine große Tour spielen würden“, sagt Garrett. „Aber wir fanden einfach schnell wieder zusammen. Vielleicht, weil wir uns nichts mehr beweisen müssen und wir es einfach genießen, gemeinsam in einer Band zu spielen.“

Es geht den „Oils“ nicht darum, gemeinsam mit den alten Fans die 80er zu verklären und schale Nostalgie zu befeuern. Die politischen Songs von damals – über das Schicksal der Aborigines wie in den Hits „Beds are Burning“ oder „The Dead Heart“, über Klimawandel und Umweltschutz – haben keinen Staub angesetzt. Bei der „Great Circle Tour“ setzte sich das Programm zum großen Teil aus Stücken von den Alben „10, 9, 8, 7, 6, 5, 4, 3, 2, 1“ von 1982, „Diesel and Dust“ – mit dem 1987 der weltweite Erfolg kam – und „Blue Sky Mining“ (1990) zusammen. „Wir sind keine Band, die jeden Abend das Gleiche spielt – das wird man bei den Oils nicht erleben“, kündigt Garrett an. Man müsse sich etwas Spontaneität bewahren. „Im Publikum hat vielen besonders gefallen, dass wir nicht immer dasselbe spielen und wir keine reine Grea­test-Hits-Tour machen. Sonst bist du ja nur noch eine menschliche Jukebox – und so ticken wir nicht.“

... über seine Zeit in der Politik als Minister in Australien.

Für klare Botschaften steht Garrett weiterhin, wie in seinen Jahren als Minister – auf der Bühne. Aber die Mittel sind anders. Das Beste am Ministeramt? Das ist einfach, findet Garrett: „Du hast Zugang zum nationalen Budget, kannst Gesetze durchsetzen und Dinge verbessern und verändern, die deine konservativen Gegner nie machen würden.“ Aber er hat auch die Schattenseiten erlebt. „Viele Leute werden leicht von politischen Angriffen in die Irre geführt und schauen nicht hinter die Fassade, um zu sehen, was eigentlich passiert.“

... über den Aufschwung von Rechtspopulisten und Klimawandel-Leugnern.

Das politische Klima wird weltweit ungemütlicher. Mit einem US-Präsidenten, der beharrlich abstreitet, dass Menschen massiven Anteil an der globalen Erwärmung haben. Oder mit Rechtspopulisten, die in vielen Ländern zunehmend Einfluss gewinnen. „Ich bin kein Utopist und glaube nicht an perfekte Menschen, aber ich bin auch nicht desillusioniert“, so sieht es Garrett. „Die Geschichte zeigt, dass Menschen gegeneinander kämpfen – und zwar immer wieder. Aber insgesamt haben sich die Lebensbedingungen verbessert. Die Menschen haben sich mehr Freiheiten verschafft als vor 200, 500 oder 1000 Jahren.“ Trotz des „furchtbaren Aufstiegs von rechten Populisten und Demagogen wie Orban, Putin und mehr“ gehe der generelle Lauf der Geschichte eher in Richtung friedliches Zusammenleben. „Das ist auch der einzig vernünftige Schluss.“

Klar sei es frustrierend, immer wieder das gleiche Lied zu singen, in die gleiche Kerbe zu schlagen, ohne dass sich wirklich etwas verbessere. „Das war auch ein Grund , warum ich in die Politik gegangen bin: um was zu verändern.“ Aber unreife, ignorante und destruktive Politiker sieht er eher als „Abweichungen“ – und nicht als das Zukunftsmodell. „Auch Trumps Zeit wird vorbeigehen“, sagt Garrett im Gespräch mit dem TV. „Es wissen auch viele von Republikanern geführte US-Staaten, dass sie beim Klimaschutz weitermachen müssen – die hören auch nicht auf Trump. In Australien haben wir auch einen konservativen Premierminister, der uns in Sachen Klimaschutz zurückwirft. Wir haben aber junge Leute, die das nicht akzeptieren und die dafür auf die Straße gehen – und dafür liefern wir gern den Soundtrack.“

... über alte Videos – etwa das zur Midnight-Oil-Single „Forgotten Years“ von 1990, das auf dem Soldatenfriedhof in Verdun gedreht wurde.

„Wenn man sich manche Clips in der Vergangenheit anschaut, dann kann das ein bisschen peinlich sein. Und du fragst dich: ‚Oh, warum haben wir das so gemacht?’ Ich denke, jede Band hat so eine Peinlichkeiten-Sammlung, wenn es um alte Videos geht“, findet Garrett. „Forgotten Years“ überzeugt ihn aber heute noch. „Zum einen, weil es ein sehr ernster Song ist, ein Anti-Kriegs-Song. Zum anderen, weil wir vor Ort in Verdun waren. Wir hatten entschieden, dass wir, wenn wir es dem Thema wirklich recht machen wollen, dort sein müssen. Es war im Winter, sehr kalt, sehr trist. Und Verdun hat großen Eindruck bei uns hinterlassen.“

... über Konzerte, die sich besonders stark eingeprägt haben.

„Unser Auftritt bei der Schlussfeier der Olympischen Spiele in Sydney 2000 gehört sicher dazu – schon, weil ihn weltweit wohl 2,4 Milliarden Menschen vor dem Fernseher gesehen haben“, sagt Garrett. Ein Highlight der Tour 2017 sei der Auftritt in Alice Springs gewesen – im Herzen von Australien.

 ... über Ihre Premiere in Trier? 

Porta Nigra? „Ja, von der habe ich schon gehört“, sagt der 65-Jährige, der mit seiner Band zum ersten Mal in Trier sein wird. „Wir sind alle ziemlich geschichtsinteressiert. Ich hoffe, dass wir etwas Zeit haben werden.“ Eine Ankündigung macht er:  „Auf jeden Fall werden Sie uns nicht um 3 Uhr morgens in einem Club an der Theke finden – aber vielleicht am nächsten Morgen in der Porta Nigra.“

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