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Theater
Politik gegen Liebe – wenn links rechts mag

   Mado liebt Alexandre, Alexandre liebt Mado. Es könnte so einfach sein, würde die Politik nicht zwischen ihnen stehen.
Mado liebt Alexandre, Alexandre liebt Mado. Es könnte so einfach sein, würde die Politik nicht zwischen ihnen stehen. FOTO: Theater Trier / Linda Blatzek
Trier. Das Theater Trier zieht auf die andere Moselseite. In der Europäischen Kunstakademie feiert das Schauspiel „Politisch korrekt“ Premiere, das aktueller kaum sein könnte. Von Julia Nemesheimer

In einem französischen Bistro vertauschen Mado und Alexandre ihre Handys. Darüber lernen die beiden sich kennen, finden sich überaus sympathisch und beginnen eine zarte Beziehung. Doch die junge Liebe bekommt erste Risse, als klar wird, dass sie politisch kaum entfernter sein könnten. Mado ist eher links, während Alexandre sich im rechtspopulistischen Spektrum bewegt. Angesichts der gerade stattfindenden Präsidentschaftswahl stellt ihre politische Gesinnung eine erste Zerreißprobe für sie dar, insbesondere weil Alexandre hofft, in einer neuen Regierung einen Platz im Ministerium zu erlangen.

Es hat etwas Zartes, aber auch sehr harte Züge. Die Politik lässt einen auch im privaten (Liebes-)Leben nicht los“, meint Manfred Langner. Der Regisseur von „Politisch korrekt“ begeistert sich für die Übertragbarkeit in den Alltag. Wie oft lernt man schließlich jemanden kennen, dessen Weltanschauung nicht mit der eigenen übereinstimmt, und steht vor der Frage, wie damit umzugehen ist?

Das Schauspiel der jungen französischen Autorin und Schauspielerin Salomé Lelouch behandelt genau diese Frage und wurde 2016 in Paris uraufgeführt. „Ich bin durch meine Tochter auf ,Politisch korrekt’ aufmerksam geworden, nachdem sie es in der Originalfassung gesehen hat“, erzählt Langner. Als deutsche Erstaufführung läuft „Politisch korrekt“ in Trier. „Wenige Tage später wird es erstmals in Berlin aufgeführt. Da hatten wir ein gutes Timing“, freut sich Langner. Dies auch wegen der Aktualität. „In ganz Europa gibt es eine Radikalisierung zu zwei Seiten, und die politische Mitte verliert immer mehr“, so der Intendant des Theaters Trier. Dass dies nun bei Lelouch jung, modern und oftmals amüsant behandelt werde, komme zu den Vorzügen des Stückes hinzu.

„Zu Beginn haben wir überlegt, ob wir die Handlung nach Deutschland verlagern wollen“, erinnert sich Langner. Doch wegen der Besonderheit bei der französischen Präsidentschaftswahl, die zumeist in zwei Wahlgängen abläuft, und weil die Handlung genau in den zwei Wochen zwischen den beiden Wahlen liegt, habe man hierzu keine Möglichkeit gesehen. „Vielleicht ist ein wenig Abstand eher förderlich. Schließlich soll auch das eigene Denken angeregt werden. Eine direkte Beziehung zur deutschen Parteienlandschaft bleibt dem Zuschauer überlassen“, fasst der Regisseur zusammen.

Mit dem neuen Schauspiel kommt auch eine Räumlichkeit hinzu. Ein Teil der Europäischen Kunstakademie wird zukünftig als neue Spielstätte genutzt. Bei „Politisch korrekt“ passen 130 Menschen in den Saal, der sich je nach Bühnensituation anders bestuhlen lässt. „Dieses Mal haben wir nicht die klassische ,Guckkastensituation’ gewählt, sondern spielen zwischen den Zuschauern“, berichtet Langner. So habe der Besucher ständig eine neue Perspektive auf das Geschehen, der Blick fällt auch mal auf den Rücken eines Schauspielers. „Bei der Inszenierung habe ich aber darauf geachtet, dass niemand eine halbe Stunde lang nur die Kehrseite eines Akteurs betrachten muss“, sagt Langner lachend.  Man hätte es wohl auch im Theater am Augustinerhof aufführen können. Doch es sei ein Stück, das Nähe zum Publikum brauche, welche im Großen Haus nicht erreicht werden könne und die im Studio nicht passe, resümiert der Intendant und freut sich bereits auf die Premiere mit anschließender Feier in der neuen Spielstätte.

Premiere von „Politisch korrekt“ ist am Freitag, 25. Januar, 19.30 Uhr, in der Europäischen Kunstakademie. Karten gibt es online unter www.theater-trier.de, an der Theaterkasse oder unter Telefon 0651 7181818.