Portrait Grafikerin aus Trier Lisa Klose

Menschen : Eifeler Mädchen designt Gesicht von Trierer Tourismus GmbH neu - Ein Portrait

Mit Herz und Seele und Bleistift ist Lisa Klose für Stadt und Bücher im Einsatz. Die Grafikerin designt Jugendliteratur ebenso wie den touristischen Auftritt der Stadt Trier.

Sie ist ein „Eifeler Mädchen“, stellt sie gleich zu Beginn des Gesprächs klar; geboren in Wittlich, aufgewachsen in Greimerath, Bachelor und Master an der Hochschule in Trier im Fach Kommunikationsdesign – und nach ersten beruflichen Schritten in der Fremde „seit einem Jahr wieder zurück in Trier“. Die Fremde, das waren für Lisa Klose Heilbronn, wo sie bei einer Papierproduktionsfirma die Deckblätter von Blöcken, Ring- und Notizbüchern und Schulheften sowie Kalendern gestaltete, und Frankfurt, wohin sie gezogen ist, um als freiberufliche Grafikerin für diverse Agenturen tätig zu sein. Kurze Zeit später wurde die Stelle in Trier frei, und da sie schon lange damit geliebäugelt hatte, in die Nähe der Heimat zurückzuziehen, hat sie sich bei ihrem derzeitigen Arbeitgeber, der Trierer Tourismus und Marketing-GmbH (ttm), beworben.

Der gibt sie zurzeit ein neues Gesicht, um möglichst viele Touristen aus möglichst vielen Ländern neugierig zu machen und an die Mosel zu locken. Corporate Design heißt das neugeschäftsdeutsch, man könnte auch von einem möglichst unverwechselbaren grafischen Auftritt des Unternehmens reden, aber auf Englisch klingt das natürlich viel weltläufiger. Das große Ganze jedoch wird das neue Erscheinungsbild der Stadt sein. Wie das genau aussehen wird? Diese Frage beantwortet sie nur mit einem Lächeln. „Ich glaube, dass ich darüber nicht sprechen darf. Deshalb lasse ich es lieber.“ Kein Geheimnis allerdings ist die Tatsache, dass sie bereits Veranstaltungsreihen mit neuen Logos – etwa in diesem Jahr erstmals zu sehen beim „Jazz im Brunnenhof“ – versehen hat.

Als Zurückgekehrte hat sie sich auch ein bisschen den fremden Blick bewahrt. „Wenn man in anderen Städten gelebt und gearbeitet hat, kommt einem manches in Trier schon ein bisschen angestaubt vor“, erzählt sie. „Trotzdem mag ich dieses Urige gern, das Herzliche hier. Ich hoffe, diese Eigenschaften in die Gestaltung einarbeiten zu können. Das ist derzeit meine Hauptbeschäftigung.“

Aber eben noch geheim. Geht allerdings voll in Ordnung. Der Grund des Gesprächs ist ohnehin ein anderer. Die 29-Jährige kann die Hälfte ihrer Arbeitszeit – bei der ttm ist sie „nur“ halbtags beschäftigt – ihrem Hobby widmen, das mehr und mehr zum Beruf wird: der Buchgestaltung. Ihr drittes, ein Jugendbuch, ist gerade erschienen (Besprechung folgt), das Cover – stilisierte Bäume und Blätter, ein wichtiges Motiv der Erzählung aufgreifend – stammt ebenso von ihr wie die Vignetten über den einzelnen Kapiteln. Kunst habe sie schon in der Schule am meisten interessiert, erzählt Lisa Klose; ursprünglich habe sie Kunsterzieherin werden wollen. Nach dem Abitur hatte sie ein Praktikum bei einer kleinen Grafik-Agentur in Trier gemacht und wurde dort bestärkt, sich an der Hochschule zu bewerben. Und tatsächlich wurde sie sofort zum Studium zugelassen – „obwohl ich noch sehr jung war, gerade 19“.

Lisa Klose zeigt Kostproben ihrer grafischen Arbeiten, darunter die Buchcover, die sie gestaltet hat. Foto: Friedemann Vetter
Trierer Grafikerin gestaltet Buchcover. Zum Porträt von Rainer Nolden. Foto: Friedemann Vetter. Foto: Friedemann Vetter

Wie so oft in künstlerischen Berufen erweist sich Vitamin B als (über)lebenswichtig; durch eine Freundin, die beim Beltz-Verlag arbeitet, kam sie an ihren ersten Auftrag. Ihre Bewerbungsmappe weckte das Interesse der Geschäftsführerin, die sie mit der Gestaltung des Jugendbuches „Frag mich, wie es für mich war“ betraute – die Geschichte eines jungen Mädchens, das schwanger wird und sich für eine Abtreibung entscheidet.  Diesem ersten folgten noch im selben Jahr zwei weitere Aufträge, bei denen man ihr schon viel freiere Hand ließ. „Jetzt, wo ich die drei Bücher in der Hand habe, ist es natürlich viel leichter, auf die Buchmesse nach Frankfurt zu gehen und mich und meine Arbeit vorzustellen“, erzählt sie. Was sie für Oktober auch schon fest in ihren Terminplan eingetragen hat. Papier ist übrigens nicht das einzige Medium, auf dem man ihre Kunst bewundern kann. Sie ist auch tragbar – im Wortsinn. Für ein Trierer Modegeschäft hat Lisa Klose T-Shirts mit Fabeltieren designt. Das ist zwar schon eine Weile her; sollte einem jedoch auf der Straße ein Mensch mit einem Einhorn auf der Brust begegnen, weiß man, dass der Träger einen „echten Klose“ erworben hat.  Auch andere Materialien hat sie für ihrer Kreationen genutzt: Während des Studiums experimentierte sie mit Leder – und der eigenen Haut. Quasi als Brandzeichen hat sie sich ihre drei letzten Milchzähne auf die Haut tätowiert – ein weltweit wohl einmaliges Tattoo und natürlich ausgesprochen individuell. Sie findet ohnehin, dass Kommunikationsdesigner durchaus auch in einem Tattoo-Studio arbeiten könnten: „Man wird dort nicht immer optimal beraten“, hat sie festgestellt. „Wir haben ja genau diese Ausbildung absolviert, die dort dem Kunden helfen kann: Was möchtest du mit der Zeichnung ausdrücken? Wie soll sie deine Persönlichkeit hervorbringen? Das ist ja genau so, als würde man das Corporate Design für ein Unternehmen gestalten. Damit will man ja auch etwas kommunizieren – wie mit einem Tattoo.“ Da eröffnet sich in der Tat ein ganz neues Arbeitsfeld für Kommunikationsdesigner. Es steht jedoch nicht zu erwarten, Lisa Klose in absehbarer Zeit als Beraterin in einem Tattoo-Studio anzutreffen. Dafür gebe es bei ihrem Hauptarbeitgeber derzeit zu viel zu tun – siehe oben und das geheimnisvolle neue Erscheinungsbild. Man darf gespannt sein, wie demnächst der Rest der Welt an die Mosel gelockt werden soll. Wenn dann die Touristenströme noch weiter anschwellen, wird das nicht zuletzt das Verdienst von Lisa Klose sein.