Prodigy-Sänger Keith Flint tot in seiner Wohnung in Essex gefunden

Musik : Der wilde Mann ist tot

Die Polizei fand die Leiche von Keith Flint, dem Sänger der Band The Prodigy, in seiner Wohnung. Bandgründer Liam Howlett spricht von Selbstmord. The Prodigy prägte die elektronische Musik.

Wenn er auf einer Bühne oder vor einer Kamera stand, war Keith Flint wild, schrill, schräg, ein Fürst der Finsternis. Seine Mimik und sein Tanzstil waren aggressiv, sogar verstörend, man sieht es im Video zum Monsterhit „Firestarter“. Visuell und akustisch war der Mann, der 49 Jahre alt wurde, eine Wucht oder auch ein Schlag in die Magengrube. Sein extremes Auftreten, der dämonische Haarkranz und sein zwischen den gefletschten Zähnen herausgepresster Sprechgesang wirkten oft wie ein musikalischer Horrorfilm.

Das alles war weit mehr als eine Pose. Flint und seine Band The Prodigy gehören zu den wichtigsten und erfolgreichsten Impulsgebern der elektronischen Musik.

Was genau in Flints Haus in der Stadt Dunmow (Grafschaft Essex) geschehen ist, blieb am Montagmorgen lange unklar. Britische Medien meldeten, die Polizei sei alarmiert worden. Ein bisher nicht genannter Zeuge habe die Beamten gerufen, weil er sich Sorgen um die Sicherheit des Musikers machte. Die Polizisten fuhren zu Flints Haus und fanden seine Leiche gegen 8.10 Uhr. In den ersten Meldungen gab es keine Informationen über die Todesursache. „Äußere Einflüsse“, mit anderen Worten ein Gewaltverbrechen, schließe die Polizei jedoch aus, hieß es. Das Profil der Band auf der Internet-Plattform Instagram heißt „theprodigyofficial“. Dort postete Bandgründer Liam Howlett am Vormittag: „Die Nachrichten sind wahr. Ich kann nicht glauben, dass ich das sage, aber unser Bruder Keith hat sich am Wochenende das Leben genommen.“ Noch gibt es keine offizielle Bestätigung, der Bericht des Gerichtsmediziners steht noch aus.

Liam Howlett (47) startete The Prodigy 1990. Der klassisch ausgebildete Pianist und DJ ist als Komponist und Produzent die Seele der Band und war schon zu Schulzeiten beseelt davon, in der gigantischen Welt der elektronischen Musik mit ihren Nischen und Subkulturen einen eigenen, prägenden Sound zu finden und die Leute tanzen zu lassen. Ihm gelang weit mehr als das.

The Prodigy feierte in den 90ern riesige Erfolge. Ihr 1994 veröffentlichtes Album „Musik for the Jilted Generation“ wurde mehr als eine Million Mal verkauft und gilt heute als stilprägendes Meisterwerk. Dabei sollte der große Auftritt des Keith Flint erst noch kommen.

Denn Flint stieg zuerst als Tänzer in Howletts Bandprojekt ein. Erst für den Song „Firestarter“ wurde der schrille Brite 1996 vom Tänzer zum Sänger. Flint gebärdete sich im offiziellen Video des Songs derart infernalisch intensiv, dass britische Eltern Angst um die Gemütszustände ihrer Teenager bekamen und sich bei der BBC über die Ausstrahlung beschwerten.

„Firestarter“ wurde ein internationaler Erfolg und machte Keith Flint zum verstörenden Gesicht von The Prodigy. Die Tanzflächen brodelten weltweit, wenn „Firestarter“ oder „Breathe“ liefen.

Für Kontroversen sorgte der 1997 erschienene Song „Smack my bitch up“, dessen Video heute als eines der besten seiner Art gilt, damals aber wegen seiner offenen Darstellungen von Drogen- und Alkoholmissbrauch, Gewalt und Sex in Großbritannien, den USA und weiteren Ländern verboten wurde. The Prodigy veröffentlichte daraufhin fünf Jahre lang kein neues Album mehr. Keith Flint versuchte, eine Solokarriere zu starten, doch das Projekt scheiterte. 2004 machte die Band mit dem Album „Always outnumbered, never outgunned“ weiter.

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