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Puccinis Oper „Madama Butterfly“ feierte im Trierer Theater Premiere.

Opernpremiere : Wie schnell vergeht die Zeit!

Am Ende wie aus einem Guss: Puccinis Oper „Madama Butterfly“ feierte vor mehr als 600 Besuchern im ausverkauften Trierer Theater Premiere.

Es sind gespenstische Szenen im dritten Akt von Puccinis „Madama Butterfly“. Da stehen sie, beklommen, hilf- und ratlos und oft so weit auseinander, wie es die Bühne im Trierer Theater überhaupt hergibt.  Sharpless, der vermittelnde US-Konsul, Suzuki, die Dienerin, Kate, die Amerikanerin. Ihr Gatte Pinkerton, durchaus schuldbewusst, ist geflüchtet.

Und dann die  Butterfly.  Der geht erst allmählich auf, welche Ungeheuerlichkeit man von ihr verlangt:  das eigene Kind aufzugeben. Immer wieder ist es, als würde die Szenerie gefrieren. Und mit einem Mal erweist sich die nüchterne Bauhaus-Machart des Bühnenbilds (Michaela Mandel) als beklemmend inhaltsschwer. Butterfly hat für die eine, große Liebe ihre Bindungen an Familie, Kultur und Religion aufgegeben. Und wenn sich Siheng Yi, die Trierer Butterfly, immer tiefer in ihre ausweglose Verzweiflung hineinsingt, dann vertieft die Projektion ihres Gesichts auf einen Schleier die tiefe menschliche Tragödie, die sich bei ihr abspielt.

Cornelia Rainers Inszenierung bezieht nachdrücklich Distanz zu ­klischierter Kirschblüten-Romantik. Gerade im Kontrast zur Schmucklosigkeit der Bühne entwickeln die handelnden Personen eine überaus starke Gefühlskraft. Nur ganz wenige Details fordern zu leisem Widerspruch heraus. Muss zum Beispiel Familienoberhaupt Bonze (stimmgewaltig: Karsten Schröter) seine Verwünschungen im Zuschauerraum loslassen, wo er doch auf der Bühne dramatisch eingebunden ist und dort optisch ungleich präsenter wäre? Aber Cornelia Rainer bleibt ihrem Konzept treu. Sie verliert sich nie in Sentimentalität. Und trägt damit entscheidend bei zum Erfolg dieser umjubelten Produktion.

Dabei war der Beginn der Premiere keineswegs unproblematisch. Ja: die Akteure auf der Bühne, die auf weite Strecken inspiriert musizierenden Philharmoniker und Generalmusikdirektor Jochem Hochstenbach, sie wandten ihre ganze Energie an diese Oper. Vielleicht wollte man zu viel.  Über den gesamten ersten Akt hinweg kam aus dem Graben ein Dauerforte, das die Akteure gleichfalls zu heftigem Fortissimo zwang. So beschränkte sich Vadim Babichuks Pinkerton  auf Höhenglanz und Durchschlagskraft und ließ Textartikulation und musikalische Gestaltung beiseite. Und Siheng Yis Butterfly strahlte zwar von Beginn an Leidenschaft und Hingabe aus,  benötigte bei  Spitzentönen aber allzu viel Kraft. Der Theaterchor (Gilles Welinski, Angela Händel) fasste nach  einigen Intonationsproblemen erst im „Summchor“ des zweiten Akts einigermaßen Tritt. Nur  Publikumsliebling Carl Rumstadt ließ sich nicht beirren, gab dem Sharpless von Anfang an Profil mit und glänzte einmal wieder mit exzellenter Gesangskultur.

Ganz anders der zweite Teil. Da loteten Dirigent  und  Orchester die Tiefen dieser Musik aus, wagten sich auch in leiseren Regionen, und Hochstenbach zauberte aus dem Holzbläsersatz ganz erstaunliche Klangfarben. Und wo das Orchester die Vielfalt dieser reichen Partitur auskostete, da lösten sich auch beide Hauptfiguren von sängerischen Überspannungen. Andere Rollen gewannen noch an Gewicht: Derek Rues intrigant-eleganter Heiratsvermittler Goto, Janja Vuletics wunderbar klangschöne Dienerin Suzuki, schließlich Blaise Rantoaninas skurriler Fürst Yamadori.

So zogen Musik, Gesang und Darstellung die Besucher immer tiefer hinein in die leidenschaftliche Dramatik dieser Oper. Kein Moment mehr im zweiten Teil blieb leer und uninspiriert. Und wie so oft bei großer Musik und gelungener Interpretation verging die Zeit wie im Flug. Was lässt sich Besseres sagen über  eine Premiere!  Helle Begeisterung bei den gut 600 Besuchern im ausverkauften Trierer Theater.

Die nächsten Termine: 9. Februar, 19.30 Uhr, 24. Februar, 18 Uhr, 10. März, 16 Uhr. 
Karten gibt es online auf www.theater-trier.de, unter theaterkasse@trier.de sowie unter Telefon 0651/ 718-1818.