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Trier
QuattroPole: Neuer Musikpreis für neue Ideen

Der QuattroPole-Musikpreis richtet sich an innovative Musiker. Das Symbolbild zeigt Alexander Voigt, der für seinen Auftritt beim Opening-Festival nicht nur sein Fagott (1) brauchte. Für die weiteren Klänge sorgten Tenorposaune (2), Abwasserrohr (3), PVC-Stück (4), Plektrum (5), Ständer (6), Boden (7), Stimmbänder (8), Rachen (9), Stirn (10), Wange (11) und Nase (12).
Der QuattroPole-Musikpreis richtet sich an innovative Musiker. Das Symbolbild zeigt Alexander Voigt, der für seinen Auftritt beim Opening-Festival nicht nur sein Fagott (1) brauchte. Für die weiteren Klänge sorgten Tenorposaune (2), Abwasserrohr (3), PVC-Stück (4), Plektrum (5), Ständer (6), Boden (7), Stimmbänder (8), Rachen (9), Stirn (10), Wange (11) und Nase (12). FOTO: Thomas Neumann
Trier. Ein neuer Musikpreis soll die Großregion verbinden, Pop- und Hochkultur auch: Das steckt hinter dem mit 10 000 Euro dotierten QuattroPole-Musikpreis, der in Trier verliehen wird.
Andreas Feichtner

Die gesammelten Volksfreund-Ausgaben aus dem September 1991 liegen gegenüber auf dem Schreibtisch des Kollegen. Braucht er für eine Recherche. Mal schnell durchblättern, überfliegen – und schon findet sich eine ganze Seite, die sozusagen ein Prequel des heutigen Kultur-Aufmachers ist. Damals verband der „Rockzug“ die Städte Trier, Metz, Saarbrücken und Luxemburg. Ein Kulturprojekt mit Bands aus den vier Städten. Man brauchte noch drei Währungen an den Bahnhofskiosken, Roy Black lebte noch. Und der im Text zitierte Schlagzeuger Horst Köhler wusste noch nicht, dass er bald berühmt werden würde. Das Internet war selbst für die Freaks absolutes Neuland.

Aber sonst ist manches wie anno 2018: Musik soll verbinden, muss gefördert werden – als gemeinsame Sache in der Großregion. Ein neuer Musikpreis soll dafür sorgen, dass die Zusammenarbeit im Städtenetz noch intensiver wird. Der mit 10 000 Euro dotierte QuattroPole-Musikpreis ist vom Robert-Schuman-Kunstpreis inspiriert, der seit 1991 alle zwei Jahre verliehen wird und der zur Erfolgsgeschichte wurde. Die erhofft sich Roman Schleimer, Leiter des Trierer Kulturamts, auch vom neuen Preis, der – wenn’s gut läuft – alle zwei Jahre verliehen werden könnte. Bewerbungsschluss ist am 30. September. „Im April wird sich dann  der Preisträger in der Tufa vorstellen und das Werk aufführen“, sagt Schleimer: „Wir wollten einen innovativen Preis, keinen der üblichen Förderpreise.“ Angesprochen sind Musiker/Komponisten aus Pop- wie Hochkultur, aus elektronischer, zeitgenössischer oder experimenteller Musik, „die innovative Techniken im digitalen Bereich anwenden inklusive visuelle Effekte und Performance, und deren Stücke vor weniger als fünf Jahren komponiert wurden.“ So heißt es in der Ausschreibung. Zudem müsse es einen Bezug zur QuattroPole-Region geben. „Der Netzwerkgedanke steht dahinter, die Region soll sich verbinden“, sagt Schleimer, der gemeinsam mit Kristina Welker für die Stadt Trier und den von den vier Städten finanzierten QuattroPole-Verein im Arbeitskreis Kultur sitzt. Der Preis soll eine Ergänzung sein zu bereits bestehenden Angeboten wie dem Opening-Festival in Trier oder den rainy days in Luxemburg. Für den Preis wurde ein Musiker-Gremium gebildet, das aus Michael Kernbach (für Trier), Fritz Spangemacher (Saarbücken), Marc Hauser (Luxemburg) und Nicolas Touchet (Metz) besteht. Jede Stadt werde zudem zwei Jurymitglieder benennen – die stehen aber noch nicht fest.  Kernbach freut sich auf spannende Bewerber. „Jeder Musiker, der elektronische und oder digitale Einflüsse und Mittel nutzt, kann teilnehmen. Das bringt plötzlich Rap, Electronica oder Remixes auf Augenhöhe mit der Neuen Musik aus dem E-Bereich“, sagt er. „Das wird ein Breitband-Gemälde der Musikszene der Großregion, das zeigt, dass die letzte kulturelle Supermetropole Internet heißt und Kultur ein globales Phänomen geworden ist, das sich zeit- und wertgleich rund um den Erdball entwickelt. Nie waren Trier und New York näher beieinander.“ Das hätte Kernbach im September 1991 eher nicht so formulieren können. Wenige Wochen später formierte er mit Horst Köhler „Guildo Horn & Die Orthopädischen Strümpfe“.

Weitere Infos: quattropole.org