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Interview
„Lachen ist genauso wichtig wie Lernen“ - Cartoonist Ralph Ruthe tritt bald in Trier auf

Ralph Ruthe schreibt, zeichnet, filmt und unterhält. Zu ­erleben ist das am 7. Dezember in der Trierer Europahalle.
Ralph Ruthe schreibt, zeichnet, filmt und unterhält. Zu ­erleben ist das am 7. Dezember in der Trierer Europahalle. FOTO: Veranstalter
Trier. Cartoonist, Videokünstler, Autor, Komiker: Allrounder Ralph Ruthe bringt seine Bühnenshow nach Trier. Von Nora John
Nora John

Ralph Ruthe bringt Menschen mit teilweise zeitkritischen, manchmal auch absurden Cartoons oder Videos zum Lachen. Mit seiner Bühnenshow tritt er am Freitag, 7. Dezember, in Trier in der Europahalle auf. Mit Redakteurin Nora John hat er sich über Humor, seine Bühnenshow und den Umgang mit Internetpöbeleien unterhalten.

Ihre Cartoons sind vielen Menschen bekannt. Ein Bühnenprogramm ist aber etwas ganz anderes. Wie kann man sich das vorstellen?

RALPH RUTHE Es ist tatsächlich so, die meisten verbinden mich mit meinen Cartoons. Mein Hauptanliegen ist aber Humor. Sonst wäre ich ja Grafiker. Der Kern eines Cartoons ist es, den Betrachter zum Lachen zu bringen. Alles, was ich mache, hat damit angefangen, dass ich Geschichten erzählen möchte. Mit 14 habe ich schon angefangen, Geschichten für eine Comiczeitung zu schreiben. Ich habe also erst Geschichten geschrieben, bevor ich Zeichner wurde.  Ich sehe mich im Kern eigentlich als Komiker und ich habe das Glück,  auch zeichnen zu können. Und deshalb ist ein Teil meiner Show eben auch gezeichnet.

In Ihrer Show zeigen Sie auch Videos?

RUTHE Ja, ich bin ja seit elf Jahren auch Filmemacher. Im Grunde funktioniert mein Programm wie eine klassische Late-Night-Show. Da gibt es  auch Einspielfilme, man präsentiert etwas, es werden Bilder gezeigt. Das mache ich auch alles. Der Unterschied ist nur, dass ich keinen Gast habe. Musik gibt es auch.

Sie machen auch selber Musik?

RUTHE Genau, es gibt auch Musikvideos von mir. Das allererste Video, das ich auf Youtube hochgeladen habe, war ein Musikvideo.

Haben Sie sich das alles selber beigebracht oder haben Sie eine Ausbildung gemacht, beispielsweise als Zeichner?

RUTHE Nein, tatsächlich nichts von dem, was ich heute mache, habe ich irgendwo gelernt. Ich bin kompletter Autodidakt, sowohl im Schreiben als auch im Zeichnen oder  Musik machen. Viele Menschen denken auch, ich wäre im Kunstunterricht gut gewesen. War ich aber gar nicht. Da muss man mal ein ­Stilleben zeichnen oder etwas aus Pappmaché basteln. Aber den Unterrichtsstoff ,Lustig sein‘, den gibt es ja gar nicht. Ich mach das, weil ich Leute zum Lachen bringen möchte. Da ist die Technik  egal. Es geht nur um Unterhaltung, und das lernt man in der Schule nicht.

Leider.

RUTHE Ja genau. Ich bin mal gefragt worden, was wichtiger ist: Lachen oder Lernen? Lachen ist genauso wichtig wie Lernen. Was wäre ein Leben ohne Lachen?

Ihre Cartoons sind manchmal völlig absurd, manchmal politisch. Was inspiriert Sie dabei? Ist es das Tagesgeschehen oder die Tagesform?

RUTHE Um ehrlich zu sein, stelle ich mir die Frage gar nicht. Es sind die Ideen, die in meinem Kopf sind. Erst dann kommt das Zeichnen. Ideen liefern ist das, was ich tue und schon immer mache. Was ich seit 32 Jahren jetzt schon professionell betreibe. Ich habe da so Mechanismen entwickelt. Eine davon ist beispielsweise Kaffee trinken (lacht), damit es schneller geht. Und dabei kommt dann alles dazu: Dinge, die ich erlebt habe, Dinge, die ich in Filmen gesehen habe. Alles sammelt sich  in meinem Kopf. Das kann ich  abrufen, wenn ich weiß, dass ich neue Ideen brauche. Davon ist sicher nicht jede brillant, aber es fällt mir immer was ein.

Die Cartoons sind manchmal auch politisch. Sie haben  auch auf Facebook schon häufig Position bezogen gegen rechts. Kann man mit Humor da etwas bewirken?

RUTHE Erst mal sage ich, dass ich mich nicht politisch positioniere, sondern als Mensch. Würde ich mich politisch positionieren, hätte ich ja längst schon so etwas gesagt, man solle eine bestimmte Partei wählen. Als das los ging, dass viele Menschen in unser Land kamen, Ausländer, denen es nicht so gut geht wie uns, wollte ich wissen, was das für Leute sind, die mir da auf Facebook folgen. Das waren ja zu dem Zeitpunkt schon 700 000 Menschen.   Was, wenn die alle ganz anders drauf sind als ich?  Will ich das überhaupt, bedeutet mir das was? Da habe ich angefangen, einfach mal zu schreiben, was ich so denke. Meine Facebook-Seite heißt ja nicht „jeden-Tag-ein-lustiger-Cartoon.de“ sondern die heißt Ruthe.de. Es gibt immer wieder Leute, die dann sagen, dass sie mir wegen meiner Bilder folgen. Nein! Die allermeisten bestätigen mich aber auch darin, dass ich so weitermachen soll.

Die meisten bestätigen Sie, aber es gibt ja auch einige richtig fiese Kommentare. Wie gehen Sie damit um?

RUTHE Ja, die sind halt auch da, das ist so. Das stürzt mich aber nicht in ein schwarzes Loch. Das ist mir ehrlich gesagt zu 99,9 Prozent vollkommen egal. Es ist ja so: Jeden Tag schreiben mir Leute, dass das, was ich mache, großartig ist. Dass ich der großartigste Cartoonist der Welt bin und ähnliches. Auch das nehme ich nicht zu 100 Prozent an. Sonst wäre ich ja in völlig anderen Sphären. Und genauso ist es auch, wenn jemand schreibt „du bist ein Idiot“. Auch das nehme ich nicht an. Kritik nehme ich an, aber von Menschen, die ich ernst nehme.  Ich treffe ja gerade bei der Tour jeden Abend 1000 Leute im Saal, die Stimmung ist super. Nach dem Auftritt mache ich für jeden, der sich anstellt, noch eine Zeichnung, ich rede mit jedem. Ich führe mit 100, teilweise sogar 150 Menschen kurze Gespräche, da erlebe ich so viel Positives, so viel Hoffnung für mich, dass eben noch nicht alles verloren ist.

Sie können das also an sich abprallen lassen?

RUTHE Ich lasse das eigentlich nicht abprallen. Ich habe Glück, dass ich ein optimistischer Mensch bin. Die Realität sieht einfach nicht so aus, wie solche Menschen das gerne hätten, die da rumpöbeln. Natürlich ist es gruselig, wenn man sieht, dass es zehn bis 15 Prozent der Leute gibt,  die bereit sind, so eine Partei zu wählen. Doch es ist tröstlich, dass es andererseits noch 90 oder 85 Prozent Menschen gibt, die bei allem Wahnsinn da draußen einen kühlen Kopf bewahren. Wir sind mittlerweile völlig überinformiert. Das ist auch ein Nachteil der sozialen Medien. Aber die vielen Vorteile sind halt auch da. Die nutze ich, um Fakten und positive Situationen zu teilen und die Menschen zu vereinen.

Sind Sie privat auch lustig, oder schalten Sie auch einfach mal den Humor ab?

RUTHE   Das ich tatsächlich meine Natur. Humor abzuschalten, das geht nicht. Das ist ja zum Glück meine Leidenschaft. Ich war schon immer der Klassenclown in der Schule. Mit mir kann man sich durchaus ernsthaft unterhalten, wenn es die Situation erfordert. Man würde  sich aber wundern, in wie vielen Situationen ein Witz guttun kann. Das ist so meine Art zu leben.

Karten für die Bühnenshow von Ralph Ruthe am 7. Dezember, 20 Uhr, in der Europahalle in Trier gibt es im TV-Service-Center Trier, unter der TV-Tickethotline 0651/7199–996 sowie unter www.volksfreund.de/tickets