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Regisseur Jens Pesel bringt im Trierer Theater Otto Nicolais „Lustige Weiber von Windsor“ auf die Bühne

Theater Oper : Die bürgerliche Klasse und ihre Regeln

Regisseur Jens Pesel bringt im Trierer Theater Otto Nicolais „Lustige Weiber von Windsor“ auf die Bühne.

Er strahlt im Gespräch eine freundliche Gelassenheit aus. Regisseur Jens Pesel war langjährig Intendant am Theater Krefeld/Mönchengladbach und gehört längst nicht mehr zu den Theatermachern, die sich und anderen ihre Originalität beweisen müssen. Was nicht bedeutet, dass Pesel die unterschiedlichen Aspekte von Nicolais Oper „Die lustigen Weiber von Windsor“ über einen Leisten schlägt. Umgekehrt! In dieser Oper, die 1849 in Berlin uraufgeführt wurde, entdeckt Pesel zwei sehr unterschiedliche Ebenen.

Vordergründig ist die Handlung der „Lustigen Weiber“ einfach und eindeutig: Ein versoffener Patron wird von zwei Frauen bloßgestellt. Ganz nebenbei schwört einer der Ehemänner, nie mehr eifersüchtig zu sein, und ein junges Liebepaar setzt sich durch gegen die Eltern der Braut. Aber Pesel hat dahinter eine zweite, eine „Meta-Ebene“ aufgetan. Es ist die Sozialgeschichte der Epoche von Shakespeare und Elizabeth I., die Geschichte vom Abstieg  des Adels und dem Aufstieg der Bürgergesellschaft. Die sei eine neue Klasse mit neuen Regeln, sagt Pesel. Sir John Falstaff indes gehöre zur „nutzlosen und korrumpierten Feudalität“. Ganz anders die Bürgerlichen. Die Ehepaare Fluth und Reich, Dr. Cajus und Fabrikbesitzer Spärlich – ehrgeizig sind sie, materialistisch und ohne Skrupel. Die Damen Fluth und Reich reden etwas zu oft von „Rache“. Angesichts dieser gar nicht so noblen Gesellschaft steigt der unterlegene Falstaff auf zum Sympathieträger. Und wenn dann Fenton und die junge Anna gegen die materielle Eigensucht der Eltern zueinanderfinden, dann steckt darin ein gehöriges Maß von Kritik an bigotter Bürgerlichkeit.

Pesel und Dirigent Wouter Padberg tasten die Musiknummern nicht an. Die werden nur unwesentlich gekürzt. Anders steht es mit den gesprochenen Dialogen. Pesel hat sie deutlich verändert. Er gibt der harmlos auftretenden Spieloper ein gesellschaftsdiagnostisches und gesellschaftskritisches Potenzial mit. Die Handlung versetzt er in die 1960er Jahre. Das hat auch persönliche Motive – Pesel hat diese Zeit miterlebt. Aber die politischen Aspekte dominieren. „Die 1960er Jahre waren eine Zeit tiefgreifender Umwälzungen: Mondlandung und Pille, Prager Frühling und Besetzung der CSSR, Studentenrevolte und die Anfänge der Frauenbewegung“, sagt Pesel. Und verteidigt engagiert die stilistische Diskrepanz zwischen historischen Fassaden auf der Bühne und moderner Kostümierung. „Auch in Trier gehören historische Bauwerke ganz selbstverständlich zum städtischen Leben“.

Die „Lustigen Weiber“ sind ganz gewiss keine ganz große Oper. Aber die zahllosen schönen Einfälle im Orchestersatz, die anspruchsvollen Partien von Solisten und Chor geben dem Werk Gesicht und Charakter. Und eindimensional ist die Handlung ganz bestimmt nicht.

Die Besetzung der Oper „Die lustigen Weiber von Windsor“ von Otto Nicolai im Trierer Theater:   Musikalische Leitung: Wouter Padberg, Inszenierung: Jens Pesel, Bühne: Siegfried E. Mayer, Kostüme: Carola Vollath. Mit Karsten Schröter (Falstaff), Réka Kristóf (Frau Fluth), Carl Rumstadt (Herr Fluth), Janja Vuletic (Frau Reich). Matthias Bein (Herr Reich). Eva Maria Amann (Anna Reich), Blaise Rantoanina (Fenton), Derek Rue (Spärlich), Christophe Bornet (Dr. Cajus) sowie  Opernchor und Extrachor. Es spielt das Philharmonische Orchester der Stadt Trier.

Premiere ist am Samstag, 6. April, 19.30 Uhr.