Roland Grundheber überzeugt mit neuem Programm in der Trierer Tufa

Kabarett : Humorig hintersinniger Querdenker

Roland Grundheber überzeugt mit neuem Programm in der Trierer Tufa

„Wenn im Wein Wahrheit liegt, liegt dann im Glühwein Erleuchtung?“ Philosophische und andere Fragen für den Alltagsgebrauch  verhandelte am Samstagabend  Roland Grundheber heiter-hintersinnig in der Tufa. Weil der Trierer Maler, Karikaturist und Aktionskünstler notorisch querdenkt  und alles aufspießt, was ihm an ganz normalem Wahnsinn unterkommt, heißt  folgerichtig sein neues Programm „QueRoland“. Satirisch bunt gemixt ging es an diesem Abend darin her, der für den Künstler allerdings nicht ohne Wehmut war. Wie er berichtete, hatte er vor wenigen Tagen seine Mutter verloren, in ihrem Sinn aber den Termin in der Tufa nicht abgesagt. Doch zurück zum Anfang.

Wie häufig im richtigen Leben  kommt auch bei Grundheber die Philosophie erst zum Schluss. Zunächst ging es ab in den Park. Dort saß der Künstler als Rentner und aktuell arbeitsloser Osterhase mit Mülleimer und Einkaufswagen und stellte seine neue Geschäftsidee vor, da seine Osterhasentätigkeit bei „Rent a holy man“(Mieten sie sich einen Heiligen), ebenso wie der Einsatz als Pfingstochse saison­abhängig  und projektbezogen war. Pfandflaschen aus dem  Müll im Park sammeln, erfuhr man, war als Nebentätigkeit dagegen ein Erwerbszweig mit Expansionsaussichten und geregelter Mittagspause. Die nutzte der Nebenerwerbstätige, um im Trierischen Volksfreund zu lesen. Zeitungsleser wissen bekanntlich mehr, selbst wenn wie hier die Zeitung alt ist und aus dem Müll kommt. So auch Grundheber, der jede Menge daraus zu berichten hatte. Augenzwinkernd stellte der Leser aus zweiter Hand fest, dass die Nachlese Beruhigendes habe, da die schlechten Nachrichten nicht mehr aktuell seien. Zeitlos aktuell blieb dagegen die unfreiwillige Komik politisch korrekter Bigotterie. So wie bei der Ablehnung von Indianer-Fastnachts-Kostümen für Kinder als ethnische Diskriminierung. Als eine Alternative schlug Grundheber zuckerfreie Muffin-Kostüme und andere unbedenkliche Verkleidungen vor. Mit hintergründigem Witz und einem Gesicht, das unsere Großmütter als „Leidensbittermiene“ bezeichnet hätten, gab er den Depperten, der in Wahrheit der Kluge ist.

Was die Zeit an Erregungspotential zu bieten hat, nahm Grundheber auf die Schippe. Von der Laktose-Intoleranz des im Eis eingefrorenen und zu wissenschaftlichen Zwecken aufgetauten Jungsteinzeitlers Ötzi über die Friedwald-Kultur bis zum „schönen Paar“ Angela Merkel und Bischof Stephan Ackermann. Comedy war angesagt bei  seinen Erzählungen aus der „Therapie“  und seinem Auftritt im „Therapiekostüm“ als Flamingo. Betrug lauert überall, argwöhnt der Künstler. Um „Fakes“ zu entgehen, empfahl er Selbstversuche, so wie bei seiner Überprüfung der Berechtigung eines Lawinenwarnschildes. Die paar Wochen Intensivstation – geschenkt. Weniger gefährlich dürfte da der Konsum eines ein- oder mehreiigen „Strammen Maxes“ als „Viagra der Vergangenheit“ gewesen sein. Literarisch wurde es schließlich in „Rolands „Poetenstübchen“. „Nicht ohne meine Pengschüssel“, Grundhebers neues Buch, enthält Erinnerungen an eine Kindheit  zur Zeit der Tupperware-Partys. Neben Karikaturen gab es noch ein paar Zaubertricks, deren Zauber darin bestand, dass er keiner war. Ach ja, und die „Gedichte aus der Therapie“. Da wirkte manche Zeile allerdings zwangsverpflichtet. „Die Kunst stelle Fragen“, zitieren Festredner gern. Weshalb denn auch Roland Grundheber seine 160 begeisterten Zuhörer konsequenterweise mit der Frage nach dem erkenntnistheoretischen Unterschied zwischen Wein und Glühwein nach Hause schickte.