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Schauspieler Katja Riemann, Thomas Quasthoff und Daniel Hope in der Philharmonie in Luxemburg.

Philharmonie Luxemburg : Augenzeugenberichte vom Krieg

Eindringlich haben die Schauspieler Katja Riemann, Thomas Quasthoff und Daniel Hope in der Philharmonie in Luxemburg Strawinskys „Geschichte vom Soldaten“ auf die Bühne gebracht.

Der Kammermusiksaal in der Philharmonie war fast zu schön, zu gediegen, zu kultiviert für das, was sich am Dienstagabend dort abspielte. Da eilt, nein, da stürmt Katja Riemann auf die Bühne und zitiert Goethe. Nicht die klassischen Texte des Dichterfürsten, sondern aus dem ersten Akt seines „Egmont“. Es sind Augenzeugenberichte vom Krieg. Und die folgende Egmont-Musik Beethovens in der Kammermusikfassung von Jan Müller-Wieland (1809/10) präsentierte sich im schrillen Klang eines nur siebenköpfigen Ensembles.

Parodie ist diese Einleitung nicht. Und auch Strawinskys  „Geschichte vom Soldaten“ ist nicht parodistisch angelegt. Strawinsky verzerrt  nichts, sondern etabliert nur eine Musik in unmittelbarer Nachbarschaft zu klassischen Modellen. Genauso wie die Inszenierung von Peter Jordan  und Leonhard Koppelmann zwischen Fiktion und Wirklichkeit  angesiedelt war – dramatisch geschärft in Sprache und Darstellung und dabei auf einem Konzertpodium bewusst ohne jede Theater-Atmosphäre. Peter Jordans Text-Neufassung verortet das Geschehen am Kriegsende 1918 und benutzt sogar Ernst Jüngers Formel vom „Stahlgewitter“. So erhält die Geschichte vom Soldaten und dessen Teufelspakt einen präzisen historischen Hintergrund. Damit wird eine uralte Erzählung wieder brennend gegenwärtig – die Geschichte vom kriegsbeschädigten Soldaten,  der in einer Phase völliger Hoffnungslosigkeit seine Geige und seine Seele dem Teufel verkauft und dann trotz aller Versuche nichts mehr rückgängig machen kann.

Die Philharmonie ging bei der Auswahl der Akteure keinerlei Kompromisse ein: Der geigerisch erneut exzellente Daniel Hope –   ein Soldat, verletzt an Körper und Seele und doch  keineswegs nur williges  Objekt teuflischer Machenschaften. Thomas Quasthoff – ein Erzähler, der zwischen Rezitieren und Dramatisieren einen subtilen Mittelweg findet. Katja Riemann – ein Teufel von verführerischer Eleganz und einem ganzen Arsenal kleiner, treffsicherer Gesten. Schließlich waren mit Patrick Messina (Klarinette), Philippe Hanon (Fagott), Gilles Mercier (Trompete), Jean Raffard (Posaune) sowie Stéphane Logerot (Kontrabass) vorzügliche Instrumentalisten am Werk. Das Publikum im vollbesetzten Saal reagierte tief beeindruckt.