Kinokolumne: Schräg und brillant

Kinokolumne : Schräg und brillant

Hollywoods Multitalent James Franco schildert in „Disaster Artist“  die Entstehungsgeschichte von „The Room“, als Produzent, Regisseur und – mit langer, schwarz gefärbter Mähne – auch in der Hauptrolle als Tommy Wiseau. Mit näselnder Stimme, einem undefinierbaren Akzent und großer Gestik verwandelt er sich in den schrägen, leidenschaftlichen Macher, der auf künstlerischer Linie völlig versagte – ein „Disaster Artist“ im wahrsten Sinne des Wortes. Doch Franco haut seinen Doppelgänger nicht in die Pfanne. Vielmehr ist es eine Hommage an Menschen, die große Träume haben, daran verbissen festhalten und wahre Freundschaft suchen. Das ist mal zum Lachen, mal zum Heulen. Die Gratwanderung gelingt Franco so gut, dass er Anfang Januar bei der Golden-Globe-Gala zum besten Komödien-Darsteller gekürt wurde.

Die brillante Tragikomödie „The Disaster Artist“ beginnt 1998 in einem Schauspielworkshop in San Francisco. Dort will Wiseau die Lehrerin (Melanie Griffith) mit dramatischen Gefühlsausbrüchen von seiner Schauspielkunst überzeugen. Nur der schüchterne Schönling Greg Sestero ist von dem großspurigen Mitschüler beeindruckt. Zusammen machen sie sich auf den Weg nach Los Angeles, der Beginn einer fragilen Freundschaft.

Francos jüngerer Brüder Dave spielt Sestero, der in Hollywood nicht richtig zum Zug kommt. Auch Wiseau blitzt überall ab und wählt den Alleingang. Er schreibt sein eigenes Drehbuch, kauft teure Kameras und schustert eine Crew zusammen. Nur zögerlich übernimmt Sestero die Hauptrolle in Wiseaus „The Room“.

Nach wenigen Drehtagen ist klar, dass dieser Shoot im Chaos enden muss. Wiseau bringt jeden zur Verzweiflung. Er vergisst die einfachsten Sätze, streckt bei Liebesszenen den nackten Po in die Kamera, staucht die Crew zusammen und lässt jede Kritik abblitzen. Seth Rogen glänzt als Drehleiter am Set, der auch bei den absurdesten Szenen die Ruhe bewahrt, Alison Brie spielt Sesteros frustrierte Freundin. In kleinen Nebenrollen sind Zac Efron, Bryan Cranston, Sharon Stone, Josh Hutcherson und Jacki Weaver zu sehen.

Barbara Munker, dpa

„Disaster Artist“ läuft
im Broadway in Trier.

(dpa)
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