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Schweich: Benefizkonzert für die Ukraine in der Synagoge

Kultur : Zwischen Schmerz und Hoffnung: Ein Benefizkonzert für die Ukraine in der Synagoge Schweich

Draußen leuchten unübersehbar die ukrainischen Nationalfarben Blau-Gelb. Und im Inneren der Schweicher Synagoge drängen sich die Besucher. Es ist mehr als Konzert. Es ist eine Freundschaftsbekundung für ein schwer bedrohtes Land.

Fünf Musikerinnen und Musiker, teils direkt aus der Ukraine, teils der Ukraine persönlich verbunden, musizieren gegen Grausamkeit und Willkür. Sie entwerfen bei Beethovens Serenade op. 25 ein hoffnungsvolles Gegenbild zu militärischer Gewalt. Sie geben Mozarts d-Moll-Streichquartett Trauer und Aufbegehren mit. Und die „Melodie“ des ukrainischen Komponisten Myroslav Skoryk (1938-2020) aufzuführen, ist eine ganz unmittelbare Reverenz an das gefährdete Land.

Der Verein  „Kultur in Schweich“ ist offizieller Veranstalter, aber die Initiative zu diesem Benefizkonzert ging von der ukrainischen Geigerin Yulia Vasylkova aus.  Sie gehört seit etwa eineinhalb Jahren zum Philharmonischen Orchester Trier. Auch die übrigen Interpreten kommen aus dem Trierer Orchester oder der Luxemburger Philharmonie. Sie alle spielen diese diffizile Kammermusik mit einem Elan, der sich nur aus persönlicher Betroffenheit erklärt. Und mehr oder minder betroffen sind alle auf dem Konzertpodium in der Synagoge Schweich und gewiss viele im Publikum.

Der Beifall verklingt, die Besucher verlassen die Synagoge und spenden am Ausgang die stolze Summe von gut 2000 Euro. Und in einem kleinen Zimmer findet mit Yulia und später auch ihrer Kollegin Valeria Pasternak ein Gespräch statt, das weit mehr ist als ein Austausch von Höflichkeitsfloskeln. Schon wenn es um die Sprache der Künstlerin geht, ist die Brisanz  zu spüren, in der Yulia lebt. Natürlich sei Ukrainisch ihre Muttersprache sagt sie mit leisem Unwillen. Sie sei schließlich in Kiew geboren und dort aufgewachsen. Das sei ihre Heimat. Die werde sie verteidigen.

Und dann erzählt sie vom ihrem glücklichen Leben in einer  Musikerfamilie mit drei Kindern (13, 14, 16), ihrer Übersiedlung nach Deutschland und dem schrecklichen Einbruch vom Februar 2022. „Ich musste meine Mutter und meine Geschwister nach Deutschland holen“, sagte sie. Der Vater, 59 Jahre alt,  durfte nicht ausreisen, die Großmutter blieb aus freien Stücken zuhause. Die reduzierte Familie muss sich jetzt mit einer (zu) kleinen Wohnung begnügen. „Mein Bruder konnte nicht Klavier üben, dafür war es zu eng“, umreißt Yulia die Situation. Die Russen und Russinnen, mit denen sie in Deutschland zu tun hatte, sie reagieren bestenfalls neutral „Das tut uns leid“ heiße es dann häufig. Und Valerie ergänzt: „70 Prozent der russischen Menschen glauben Putins Geschichten von der aggressiven Ukraine“. Und  wer nicht daran glaubt, riskiert seine Freiheit, wenn es das laut sagt. Yulia bringt die Stimmung in ihrer Familie auf eine Formel: „Wir hatten unglaublich viel Angst“. Und wie übermächtig die Lage ist, zeigt sich an einem nur scheinbar bedeutungslosen Detail. Auf die Frage ob sie wieder zurück möchte nach Kiew, erklärt sie offen: „Daran habe ich jetzt noch nie gedacht“.

Was erwarten die Menschen in der Ukraine von Deutschland? Yulias Antwort fällt diplomatisch verbrämt und doch entschieden aus: „Polen und Tschechien tun sehr viel mehr“. Will heißen: Das reiche Deutschland tut nicht genug für die Ukraine. Deutschland  müsse  jetzt entscheiden, wohin es gehöre, sagt Yulia. Und nach der Ansprache von Jelensky im Bundestag einfach zur Tageordnung überzugehen, sei für sie einfach beschämend gewesen.

All das sind keine Worte aus dem hohen Buch der Diplomatie. Aber es spiegelt das Lebensgefühl von Menschen in einer höchst bedrohlichen Situation. Eins hat Vladimir Putin zweifellos erreicht: „So einige war die Ukraine noch nie“, sagt Valeria. Sogar in den Satellitenstaaten Donezk und Luganzk häten viele entdeckt, dass sie nicht russisch seien, sondern ukrainisch. All das sind hoffnungsvolle Anzeichen  einer neuen Wende. Vielleicht kann das wiedergewonnene Nationalgefühl ein Schlüssel werden zu einer neuen Ukraine. Dem Land und seinen Menschen wäre es zu wünschen.

·       Die Organisation „Help – Hilfe zur Selbsthilfe“ engagiert sich seit 2021 in der Ukraine für Vertriebene aus dem Osten des Landes. „Gemeinsam helfen wir den Menschen in der Ukraine und zeigen Solidarität“ heißt es in einem Flugblatt. Spenden an „Help“: Commerzbank Köln, IBAN DE47 3708 0040 0240 0030 00