Serie Die Kulturmacher: Veranstalter Christof Kramp (Station K)

DIE KULTURMACHER CHRISTOF KRAMP : Qualität und Anspruch müssen stimmen

Songwriter, Jazz, Pop und mehr: Der Saarburger Veranstalter über Geheimtipps und Konzertstätten mit Charme.

Christof Kramp ist kein Lautsprecher. Obwohl er einiges zu erzählen hat und mittlerweile mit seiner Agentur Station K von Saarburg aus große Erfolge feiert, ist er der bodenständige Wiltinger Junge geblieben, der er immer war. Gut 50 Konzerte und Märkte mit Tausenden Besuchern verzeichnet die Statistik für 2018. Sein Veranstalter-Schicksal war ihm nicht vorbestimmt, er lernte zunächst ein Metall-Handwerk und war dann – bis 2015 noch – Angestellter der Bischöflichen Weingüter. Seine ersten Konzerte veranstaltete der 53-Jährige zwar schon als Jugendlicher in Wiltingen, aber es hat viele Jahre gebraucht, bis er davon leben konnte. Jahre, in denen er auch schwere Rückschläge hinnehmen musste, das lehrte ihn Demut und Bescheidenheit und vor allem auch ein gesundes Misstrauen gegenüber Leuten, die versuchten, ihn geschäftlich zu übervorteilen.

1985, bei der Rocknacht der Wiltinger Jugendgruppe war eine regionale Band namens Rapunzel dabei, an den Drums saß damals der junge Rainer Kind, heute als „Elute“ bekannt und jüngst zu Gast in Trier mit Matthias Reim, früher auch lange mit Guildo Horn aktiv. Von da an sollten für einige Jahre andere große Namen Kramps Konzerte schmücken, Rory Gallagher beispielsweise, America, Fisher Z oder Fury in the Slaughterhouse. Allein, erfolgreich für den Veranstalter waren diese Highlights zumeist nicht, mal passte der Termin nicht, mal das Wetter, mal ließen ihn die Geschäftspartner im Stich. „Kaufmännisch habe ich da viel Lehrgeld bezahlt, aber eben auch daraus gelernt“, sagt Kramp heute im Gespräch mit dem Trierischen Volksfreund, mit Blick auf die Zeit vor über 20 Jahren. 2010 gründete Kramp dann in Saarburg die Agentur Station K und setzte auf Qualität statt Quantität, ganz viel handgemachte Musik zwischen Jazz und Pop, Singer-Songwriter und – als Brot- und Buttergeschäft – Coverbands, denn rechnen muss sich die ganze Sache ja eben auch. Er gibt Musikern aus der zweiten Reihe eine Chance, Sarah Ferri und Nina Attal haben im letzten Herbst das Publikum zum wiederholten Male von den Sitzen gerissen.

Immer wieder bespielt Station K ungewöhnliche und kleine Locations wie die Synagogen in Wawern oder Wittlich, die Kulturgießerei in Saarburg oder die dortige Burganlage. Dabei sieht sich Kramp mit seinem Quasi-Ein-Mann-Betrieb allerdings immer häufiger mit Auflagen und Hindernissen konfrontiert. Auch deshalb weicht er mehr und mehr auf private Orte wie das Gewächshaus des Pflanzgarten Steffens in Saarburg, oder das Technikum des internationalen Elektrobauers Elatec in Konz aus. Auch die Auen am Beuriger Saar-Ufer nutzt er für seine Open-Air-Konzerte. Bekannte Namen spielen für ihn, Wade Schumans Hazmat Modine, Quadro Nuevo oder Gisbert zu Knyphausen sind Stammgäste in der Region.

Seine persönliche Initialzündung erlebte Kramp beim großen BAP-Konzert 1982 in Trier: „So was würde ich auch gerne machen!“ Er ist ein großer Fan der Kölner Rocker, aber auch von Soulmusik oder Künstlern wie Stevie Wonder. Dabei muss der Köder dem Fisch schmecken: „Wenn ich ein Konzert veranstalte, will ich, dass die Zuschauer zufrieden und mit einem Leuchten in den Augen heimgehen, mein persönlicher Geschmack steht dann hinten an. Die Hauptsache bei der Musik ist, dass sie gut gemacht ist.“ Er sieht sich durchaus als Kulturmacher der Region, die er voranbringen möchte, dazu wird Station K im März auch ein eigenes Büro in Saarburgs ehemaligen Wollstübchen eröffnen. Hier soll es neben Informationen auch Tickets – nicht nur für eigene Veranstaltungen  – geben.

Kramp liebt Konzerte, bei denen die Künstler nahbar, nah dran und authentisch sind. Seine Top-Empfehlungen für die kommenden Monate:

5. Mai: Indra Rios Moore (Jazz) in Konz, Firma Elatec

9. August: Angelo Kelly & Family und 10. August: Gisbert zu Knyphausen, PeterLicht u.a. Beide Open Airs in Saarburg finden auf dem ehemaligen Kasernengelände statt.

Weitere Infos: www.station-k.de

Dirk Tenbrock

Mehr von Volksfreund