Silvesterkonzert in St. Paulin in Trier mit 400 Besuchern

Konzerte : Zwischen Festklang und mystischer Stille

Mal eindringlich, mal problematisch: 400 Besucher erleben das Silvesterkonzert in St. Paulin in Trier.

Wenn sich ein Chor aufspaltet, ist in aller Regel besonderer  Klangglanz zu erwarten. Triers Regionalkantor Volker Krebs hat im St. Pauliner Silvesterkonzert gleich zu Anfang Vokalensemble und Basilikachor geteilt zu Antonio Vivaldis Psalmvertonung „Dixit Dominus“. Das ist bei einem mittelgroßen Chor nicht ohne Risiko. Aber trotz einiger Schwächen in der Sopran-Gruppe brachte dieser Chor alles mit, was zu Vivaldi gehört. Der Venezianer arbeitet mit achtstimmiger Doppelchörigkeit, lässt mal die beiden Chöre alternieren, führt sie aber auch zu starker Vierstimmigkeit zusammen.

Volker Krebs, Chor und Basilikaorchester vermitteln diese raffinierte Vielfalt. Solo-Sopranistinnen Nicole Tamburro und Doris Stefan-Wagner verbinden sich zum klangstarken, ausgewogenen Duett, und Altistin Tabea Mahlers behauptet sich auch gegen eine überstarke Continuo-Gruppe. Das Duett mit dem sicheren Bass Bonko Karadjov und dem weniger sicheren Tenor Martin Steffan freilich wollte die Regionen unklarer Intonation nicht immer verlassen.

Festlich sind beide Barockwerke in diesem Konzert – Vivaldis „Dixit“ und das abschließende „Te Deum“ von Jan Dismas Zelenka. Aber vielleicht vermitteln Chor, Orchester und Solisten bei dem Musiker, der zu Lebzeiten im 18. Jahrhundert maßlos unterschätzt wurde, doch noch etwas mehr Klangfülle, etwas mehr Festlichkeit als bei Vivaldi. Es ist, als hätten sich Bach und Zelenka, die sich ja persönlich kannten, auch in kompositorischen Dingen ausgetauscht. Die Vorliebe Bachs für ausgeprägte Mittelstimmen etwa teilt Zelenka. Und doch: Er liefert keine Stilkopien, sondern eine höchst eigenständige Tonsprache. Vivaldi und Zelenka – ein festlicher, ein würdiger Klangrahmen. Musik für Könige.

Und dazu Enjott Schneiders Konzert für Blockflöten (!), Streicher und Cembalo. Da brilliert Elisabeth Kretschmann auf ihren großen und kleinen Instrumenten, die so unscheinbar aussehen und auf denen doch Klänge von erstaunlicher Größe und Fülle möglich sind. Es sind konzertante Glanzstücke. Komponist Schneider greift den Konzert-Stil Antonio Vivaldis auf. Er lässt sich auf ein Spiel ein mit musikalischen Verkleidungen, ergeht sich ausgiebig  in der Maske des Italieners. Das macht er virtuos. Auch wenn er nicht zitiert, ist aus seiner Musik immer Vivaldis Stil herauszuhören.  Ob er freilich besser von fast wörtlichen Zitaten (wie der immer wiederkehrenden Bassthematik im Mittelsatz) Abstand genommen hätte, ist ein Thema für sich.

Arvo Pärts „Trisagion“ aufzunehmen in ein Silvester-Programm, war mutig und riskant. Diese Komposition wächst heraus aus der Stille und versenkt sich wieder in Schweigen. Aus einem Motiv der Bratschen heraus entfaltet Pärt eine in sich kreiselnde Mehrstimmigkeit, oft an der Grenze zum Verstummen.  In den  zahlreichen Generalpausen zieht sich die Musik ganz in sich zurück. Am Ende gleicht das Werk einer großen Glocke, die von Mal zu Mal sachter angeschlagen wird und schließlich ganz ausklingt.

Und doch war gerade diese eindrucksvolle Komposition im Trierer Silvesterkonzert nicht am rechten Ort. Vivaldi und Zelenka mit ihren opulenten Klängen, dazu die Blockflöten-Soli mit ihren vielfachen Farbnuancen, sie besetzen die Hörer-Aufmerksamkeit. Und so engagiert Volker Krebs und das Basilika-Orchester im „Trisagion“ auch bei der Sache waren – diese Musik am Rand des Schweigens hatte gegen die Wirkungskraft der übrigen Werke keine Chance. Vielleicht gelingt einmal ein Programm, das Pärt in den Mittelpunkt stellt.

Die rund 400 Besucher in der vollbesetzten Paulin-Kirche jedenfalls applaudierten bei Pärt und Schneider respektvoll und jubelten bei Vivaldi und Zelenka. Unter den Solistinnen stand Elisabeth Kretschmann im Mittelpunkt.

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