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Simeonstiftmuseum in Trier zeigt Schau zur Universitätsgründung

Universität : Ein städtischer Jungbrunnen

Vor 50 Jahren wurde die Universität Trier wieder eröffnet. Eine Ausstellung wirft Schlaglichter auf die Geschichte der Hochschule

„In der Stadt Trier führt Gott die Gaben der Weisheit zur Vollendung“ steht in lateinischer Sprache im Siegel der Universität Trier zu lesen, der bis heute im Corporate Design der Hochschule verwendet wird. Die Vorstellungen von Weisheit mögen sich seit der Gründung der ersten Trierer Universität 1473 gewandelt haben. Um Erkenntnis und Wissenserwerb durch akademische Lehre und Forschung bemüht man sich dagegen weiterhin. Nach einer Pause von 172 Jahren gibt es seit 1970 in der Moselstadt wieder eine international ausgerichtete Universität.

Etwa 12 500 Studierende zählt die Trierer Uni heute. Mit über 7200 weiblichen Studierenden haben die Frauen ihre männlichen Studienkollegen in der Anzahl längst überholt. Die Universität sei ein Jungbrunnen für die älteste Stadt Deutschlands, gratuliert Ministerpräsidentin Malu Dreyer zum 50. Geburtstag und Oberbürgermeister Leibe betont zum Jubiläum die Bedeutung der akademischen Einrichtung für die Stadtgesellschaft.

Fraglos ist das „Zentrum der Wissenschaft und Motor regionaler Entwicklung“ (so der rheinland-pfälzische Wissenschaftsminister Konrad Wolf) im Stadtteil Tarforst „ein besonderer Ort“, wie die Jubiläumsausstellung im Stadtmuseums Simeonstift im Titel frohlockt. Als Kooperation zwischen Universität und Museum beleuchtet die Ausstellung, deren Kosten von 70 000 Euro sich Universität und Museum je zur Hälfte teilen, die wichtigsten Entwicklungsphasen der Universität seit ihrer Gründung.

Eine lebendige Ausstellung habe man im Sinn gehabt, als 2017 die Idee zur Geburtstagsschau aufgekommen sei“, berichtet Universitätspräsident Michael Jäckel. Und Elisabeth Dühr bestätigt: „Das Selbstverständnis der Stadt ist untrennbar mit der Universität verbunden.“ Als Schaufenster zur Stadt versteht die Museumsdirektorin die Präsentation der Universitätsgeschichte, die Anne-Karin Kirsch als Kuratorin eingerichtet hat.

Angefangen hatte alles, als 1450 der Trierer Kurfürst und Erzbischof Jakob I. von Sierck nach Rom reiste, um die päpstliche Erlaubnis zur Universitätsgründung einzuholen. Dem Kirchenfürsten ging wie seinem Nachfolger später das Geld aus, so dass die Stadt selbst die Gründungsrechte erwarb und 1473 ihre erste „hohe Schule“ gründete, in der Philosophie, Theologie und Medizin vorwiegend von Geistlichen unterrichtet wurden. Heute ist die Theologische Fakultät der Universität als eigenständige Hochschule päpstlichen Rechts mit der Universität durch einen Kooperationsvertrag zwischen Rheinland-Pfalz und dem Bistum Trier verbunden.

Unter Napoleon schlossen 1798 die französischen Besatzer der Stadt die Universität. Bis 1970 eine neue Universität als geisteswissenschaftlicher Teil der Doppeluniversität Trier-Kaiserslautern am Schneidershof gegründet wurde. Eben mal 356 Studierende und 27 Professoren zählte der erste Jahrgang, dem als Anreiz unter anderem Theaterkarten spendiert wurden. Bereits fünf Jahre danach verselbständigte sich der Standort unter seinem Präsidenten Arnd Morkel. Wieder zwei Jahre später konnte der Grundstein für den neuen Campus im Stadtteil Tarforst auf der anderen Moselseite gelegt werden.

All das kann in der Ausstellung nachvollzogen werden. In Urkunden, Dokumenten, Zeitungsartikeln, Hörbeiträgen und Fotos vergegenwärtigt die Schau Etappen der Universitätsgeschichte seit ihrer Gründung im 15.Jahrhundert. Hingewiesen wird auf herausragende Gelehrte der historischen Universität wie den Juristen Johann Nikolaus von Hontheim und Friedrich Spee, sowie auf innerstädtische Standorte der alten Universität. Zu sehen sind wertvolle päpstliche Urkunden zur Gründung, dazu die städtische Proklamation der Neugründung 1473, Universitätssiegel und vieles mehr.

Als für ihre Zeit typische Campus-Universität auf der grünen Wiese stellen sich die Neubauten in Tarforst dar. Ein weiteres Thema ist die Universitätsreform seit den 60iger Jahren. „Unter den Talaren, Muff aus tausend Jahren“ lautete der Schlachtruf der 1968iger. Den ehrwürdigen Würdezeichen wie dem hier gezeigten Zepter des Rektors oder dem Talar, folgte im neuen akademischen Selbstverständnis der Straßenanzug.

Aus Rektoren wurden bei Neugründungen Präsidenten, deren Status lediglich die Amtskette hervorhebt. Fachbereiche lösten die traditionsreichen Fakultäten ab. Eine Übersicht vergegenwärtigt die aktuelle Verteilung der 30 Studienfächer auf die Fachbereiche.

Einen weiteren Akzent setzt die Ausstellung auf die Gestaltung des Campus, der bereits 2013 vom Bund Deutscher Landschaftsarchitekten „als einer der besonderen Orte in Deutschland“ ausgezeichnet wurde und zahlreiche Kunstwerke versammelt. Überhaupt die Kunst: Ein in Zusammenarbeit mit dem Zentrum für Kunst und Medien (ZKM) in Karlsruhe entstandenes Projekt verweist auf ein hochaktuelles Thema, nämlich die Digitalisierung von Büchern und Lehrinhalten.

Zur Eröffnung der Ausstellung am 18.Oktober wird es in Folge der Corona Beschränkungen keine eigene Eröffnungsveranstaltung geben. Dafür bleibt die Ausstellung von 10 bis 17 Uhr bei freiem Eintritt geöffnet. Fachkundige Ansprechpartner sind vor Ort.