Singer-Songwriter Hannes Wittmer spielte in Lucky's Luke in Trier

Musik : Das melancholische Spektakel

Ein Konzert, das so viel Eintritt kostet, wie man geben mag? Singer-Songwriter Hannes Wittmer wagt den Versuch in Trier.

Der junge Mann mit der verstrubbelten Frisur, Fünf-Tage-Bart und der ständig rutschenden Brille mit den runden Gläsern steht mit einer großen Gitarre auf der kleinen Bühne von Lucky’s Luke. Vor ihm versammeln sich rund 75 Menschen und lauschen dem, was Hannes Wittmer zu sagen hat – zwischen den Songs, aber vor allem in eben diesen. An seiner Seite sitzt Clara Jochum, seine ehemalige Praktikantin, am Cello, Bass und Synthesizer. Während ihres Studiums als Musikpädagogin vor einigen Jahren wurde ihr die Tourbegleitung für den Singer-Songwriter als Praxissemester anerkannt. Geblieben als Musikerin ist sie bis heute an der Seite von Wittmer, der früher als Spaceman Spiff unterwegs war.

Eigentlich sollte das Konzert im Exhaus stattfinden und mit kompletter Band, also zusätzlich Schlagzeug und Bass, doch durch die Schließung (der TV berichtete) musste ein Ausweichraum gesucht werden. Auch in der Luke gilt: „Zahl den Eintritt, den du magst oder den du dir leisten kannst.“ Dazu hängt ein Plakat an der Tür, das genau erklärt, wofür das Geld benötigt wird und wie viel durchschnittlich gezahlt werden sollte, um annährend die Kosten zu decken.

Ohne Vorband erscheint das Duo gegen 20.20 Uhr am Dienstagabend vor dem Publikum. Seit über zehn Jahren macht Hannes Wittmer inzwischen Musik. Drei Platten veröffentlichte er unter dem Namen Spaceman Spiff, jetzt tritt er unter seinem Klarnamen auf und stellt seine Musik kostenlos zur Verfügung. „Das große Spektakel“ heißt sein aktuelles Album. Es stellt sich in die Tradition seiner Spaceman-Platten: relativ sanfte Klänge, untermalt mit musikalischen Spielereien von Schlagzeug und Synthesizer. Im Vordergrund aber: Texte, die sich tief in Herz und Hirn fressen, klug die Gesellschaft, die Liebe und das Leben betrachten und jede Menge Platz für Interpretation lassen. Die Melancholie schwingt dabei immer mit, doch lässt Wittmer auch jede Menge Platz für Mut und das kleine Schimmern in der Ferne.

Insbesondere bei den älteren Liedern singt das Publikum an diesem Abend leise mit, richtig laut wird es nur beim Applaus. Wer will aber auch schon laut mit einstimmen, wenn Wittmer singt „Meine elende Freiheit ist zu groß für uns beide / Komm wir binden sie fest, auf dass ich noch bleibe“ beim Song „Norden“ des aktuellen Albums.

Sicherlich wäre die Stimmung mit voller Bandunterstützung etwas ausgelassener gewesen, doch so hatte man das Gefühl, als wolle man die ruhige, intime Atmosphäre, die das Duo Wittmer und Jochum aufbaute, nicht stören.

Zwischen den Songs (und schon vorab im TV-Interview) erklärt Hannes Wittmer, warum er sich dafür entschieden hat, seine Musik kostenlos anzubieten und aus dem normalen Musikzirkus auszubrechen. Auf dem falschen Weg ist er damit sicherlich nicht, und man darf gespannt sein, was es in Zukunft von ihm zu hören gibt.

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