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Staatsphilharmonie Rheinland-Pfalz spielt auf dem Weingut Van Volxem

Konzert : „Der ist gut. Wirklich gut!“

Die Staatsphilharmonie  Rheinland-Pfalz spielt mit Joseph Moog am Klavier auf dem Weingut Van Volxem an der Saar.

Großzügiger, reicher, üppiger hätte eine Soirée nicht ausfallen können. Überall auf dem Weingut Van Volxem sorgten dienstbare Geister für Nahrung und Genuss. Sogar Petrus hatte ein Einsehen und bedachte die 230 Besucher allenfalls mit kurzzeitigem Niederschlag. Und als dann die Staatsphilharmonie Rheinland-Pfalz zum Konzert auftrat, da verstummten rasch alle Gespräche. Dieser Abend hatte von Beginn an etwas Großes, Seltenes, vielleicht sogar Einmaliges.

Das erwies sich schon in Mozarts d-Moll-Klavierkonzert. Gerade noch hatten die Staatsphilharmonie und Dirigent Michael Francis dem Einleitungstutti Energie und akustisches Profil mitgegeben, hatten die Musik auftrumpfen lassen und waren doch bereit zu Zwischentönen. Jetzt, in der kurzzeitigen Stille danach setzt der Pianist ein – gradlinig schnörkellos, ganz auf Mozarts Musik konzentriert. Von Anfang an erspart sich Joseph Moog alle Manierismen, alle romantisierenden Beiklänge und erst recht alle oberflächliche Fingerfertigkeit. Es ist ein Klavierspiel, sachlich und sensibel zugleich. In den großen Kadenzen verbindet Moog eindringlich Virtuosität und Nachdenklichkeit. Und der energische, fast explodierende Einstieg zum Finale: Wie klar, wie eindeutig modelliert Moog ihn heraus!

Das Orchester und Dirigent Francis – sie nehmen diesen Interpretationsstil auf. Sie bringen gemeinsam mit dem Pianisten Mozarts subtile Tonsprache zum Klingen – weit­räumig und ausladend im Kopfsatz, behutsam in den Eckteilen des zweiten Satzes und entschieden in dessen hoch dramatischem Mittelteil. Und wie die Interpreten im Finale Virtuosität und Intensität zusammenbrachten, das gehört zu den Großtaten der Interpretationskunst. Die Begeisterung war groß im Publikum. Und immer wieder, aus ganz unterschiedlichen Besucherkreisen, hieß es zu Joseph Moog: „Der ist gut. Wirklich gut!“

Begonnen hatte die Veranstaltung mit den Haydn-Variationen von Johannes Brahms. Aber es war Mendelssohns umstrittene „Reformations-Sinfonie“, die ihr einen ganz anderen ganz eigenen Programmschwerpunkt mitgab. Francis und das Orchester nahmen diese Musik, die immer wieder leichtfertig heruntergeredet wird, ganz ernst. Sie begnügten sich nicht mit pauschalen Klang-Gesten. Sie vermieden jeden Anflug von Weihrauch. Sie gingen stattdessen tief und entschieden ins Detail.

Der Kopfsatz vor allem erwies sich als echter, großer Mendelssohn. Und in den beiden Mittelsätzen verlor sich die Tendenz zum Biedermeierlichen rasch. Sogar der problematische Finalsatz über „Ein feste Burg“ mit seinem altertümlich steifen Kontrapunkt verlor zu einem Gutteil sein akademisch Beengtes. Ganz zu retten ist er wohl nicht.

Gleichwohl: Der Jubel über die Interpretation war groß und die Zufriedenheit der Gäste gleichfalls.