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Stadtmuseum Simeonstift zeigt Werke 18.und 19. Jahrhunderts

Ausstellung : Interessante Gemälde und spannende Bildungsangebote

Werke des 18.und 19. Jahrhunderts zeigt das Stadtmuseum Simeonstift seit Sonntag. Impressionen von der Schau „Eine Gemäldegalerie für Trier“.

Als Hilmar Hoffmann 1979 sein berühmtes Buch „Kultur für alle“ veröffentlichte, war das ein Signal zum Aufbruch. Der Frankfurter Kulturdezernent wollte über den Abbau von Zugangsschwellen eine kulturelle Teilhabe ermöglichen, deren Ziel der mündige kritische und urteilsfähige Bürger war. Seitdem hat sich viel getan, nicht zuletzt im Selbstverständnis der Museen. Nicht länger geht es einzig um Bewahren und Erforschen, sondern auch um Vermittlung und Bildungsangebot.

In der geistigen Nachfolge des Kulturpolitikers aus Frankfurt steht Triers neuer Kulturdezernent Markus Nöhl, wenn er dieser Tage anlässlich einer Presse-Vorbesichtigung der neuen Ausstellung im Stadtmuseum Simeonstift ankündigt: „Ich will die Museen für alle öffnen und kulturelle Teilhabe und kulturelle Bildung für alle ermöglichen.“ Seit langem baut das städtische Haus Schwellen ab und bietet kulturelle Bildung.

Mittlerweile hat das Museum ein vielfältiges Programm kultureller Bildung erarbeitet, das gleichermaßen Angebote in sogenannter leichter Sprache enthält, wie Projekte für Sehbehinderte und Führungen für Demenzkranke. Angesprochen werden sämtliche Altersgruppen vom Kleinkind bis zu Senioren. Es gibt Programme für Familien und Schulklassen. Vielfältig sind die Materialien von der Entwicklung eigener didaktischer Spiele bis zu Handreichungen für Lehrer. Zum aktuellen Standard gehören Flyer, Audioguides, Medienstationen und natürlich die klassischen Führungen und Vorträge.

Dazu kooperiert das Museum mit Bildungseinrichtungen und anderen Institutionen. „Wir haben viel dazugelernt“, erklärt Elisabeth Dühr, die Direktorin des Hauses. Man habe begriffen, dass es nicht nur darum gehe, physische Barrieren abzubauen, sondern auch psychische oder Bildungsbarrieren, um das Ziele einer „kulturellen Inklusion“ zu erreichen. Etwa 10 000 Menschen kommen in das Haus in „normalen“ Jahren ohne Landesausstellung.

Nicht zu kurz kommen darf allerdings auch das Kerngeschäft, die Bewahrung, Erforschung und Präsentation des kulturellen Erbes. Mit dem neuen zweiten Teil des Ausstellungsprojekts „Eine Gemäldegalerie für Trier“ wird die Präsentation der hauseigenen Gemäldesammlung eindrucksvoll fortgesetzt. In der Ausstellung sind Gemälde und einige Skulpturen des 18. und 19. Jahrhunderts zu sehen. Die Motive umfassen Porträt, geistliche und mythologische Themen, Genrebild, Stillleben und Landschaft.

Als Projekt eines Museums für Stadtgeschichte beschränkt sich die Bilderschau nicht auf ein ästhetisches Ereignis und sinnliches Erlebnis. Sie gibt auch Auskunft über die örtliche Kunstszene der Zeit und ihre lokale Wirkungsgeschichte. Nicht zuletzt werden kultur- und sozialgeschichtliche Entwicklungen in den Kunstwerken sichtbar. Eine der wichtigsten Persönlichkeiten der Trierer Kunstszene des 18. Jahrhunderts war der hier vertretene Jean Louis Counet. Der aus Lüttich stammende Maler unterhielt in Trier eine florierende Werkstatt. Seine Hauptkundin war die lokale Geistlichkeit, deren Klöster und Kirchen er mit seinen etwas steifen Szenarien ausstattete. Interessant ist die Zusammenschau mit den dynamischen und weit sinnlicheren Bildern von Counets Lütticher Landsmann und Kollegen Gerard de Lairesse, der im Unterschied zu Counet in Amsterdam überregionale Bedeutung erlangte.

Eindrücklich ist auch die Bildfolge der Gemälde von Januarius Zick. Der „letzte deutsche Großmaler“ hatte bereits an der Würzburger Residenz mitgearbeitet, bevor ihn der Trierer Kurfürst Johann Philipp von Walderdorff engagierte. Die Bildbeispiele der Trierer Schau verorten das Werk des aus München stammenden kurtrierischen Hofmalers zwischen Tiepolos Leichtigkeit, Rembrandts stimmungsvoller Lichtregie und der Eleganz des Klassizismus. Äußerst reizvoll: Zicks Atelierszene. Viel verraten die Porträts über das wachsende Selbstbewusstsein des aufstrebenden Bürgertums im 19. Jahruhundert. Als bürgerlicher Edelmann lässt sich der Maler Friedrich Anton Wyttenbach mit seinen Hunden abbilden. Erstaunlich modern mutet ein auf Leinwand übertragenes Fresko von 1828 des ersten Trierer Ehrenbürgers Johann Anton Ramboux an.

Als Folge von Napoleons Säkularisierungswelle, die auch vor den Kunstakademien nicht Halt machte, hatte sich eine widerständige Künstlergruppe gebildet, die sich „Nazarener“ nannte und eine neue christliche Kunst propagierte. Auch hiesige Maler wie der aus Koblenz stammende Josef Settegast begeisterten sich für die fromme Malerei. In Trier ist sein fein gemaltes keusches „Bildnis einer Italienerin“ von 1842 zu sehen. Da wirkt gegenüber die 100 Jahre ältere pfiffige Geflügelhändlerin eines anonymen Meister wesentlich weltzugewandter.

Es gibt viel zu entdecken in der interessanten Schau, zu der auch ein umfängliches Begleitprogramm aufliegt.

Die Ausstellung ist bis zum
24. April, dienstags bis sonntags von 10 bis 17 Uhr zu sehen. Infos unter www.museum-trier.de