Steffen Nibbe (Staring Girl) über Bandanfänge und Beziehung zu Gisbert zu Knyphausen

Musik : Sänger Steffen Nibbe (Staring Girl) über die Schönheit des Songwritings

Aus dem hohen Norden an die Mosel – Staring Girl liefert emotionale Liedermacher-Songs.

Staring Girl aus Hamburg machen Singer-Songwriter-Musik mit deutschen Texten. Am Donnerstag kommt die Band um Sänger Steffen Nibbe nach Trier. Vorab erzählt er über die besonderen Momente des Songschreibens, die Verbindung zu Gisbert zu Knyphausen und warum er auf Deutsch singt.

Hi Steffen, möchten Sie Ihre Band kurz vorstellen?

STEFFEN NIBBE Die Band gibt es schon länger, seit 2005. Mit einer anderen Besetzung haben wir damals in Kiel angefangen. Später in Hamburg wurde ich gefragt, ob ich als Support für Gisbert zu Knyphausen auf Tour mitfahren möchte und kam da in Kontakt mit einigen meiner heutigen Bandkollegen. Von der Kieler Ursprungsformation bin heute nur noch ich übrig. Aber solange der Sänger der Band der gleiche bleibt, darf man den Namen behalten, finde ich (lacht).

Gisbert zu Knyphausen ist ja kein unbekannter Name in der Riege deutscher Liedermacher. Ihr seid zusammen auf Tour gewesen und Sie haben es gerade angesprochen: Heute spielen seine Tourmusiker von damals in Ihrer Band. Hat das an eurer Beziehung etwas geändert?

NIBBE

Nein, das war für alle kein Problem. Der Grund, warum wir überhaupt zusammen gespielt haben, war, dass es nur einen freien Platz im Tourbus gab. Meine damalige Band konnte also leider nicht mitfahren. Und dann hat mich Gisberts Band in den zwei Wochen auf Tour immer mal wieder musikalisch begleitet. Als sich die alte Besetzung dann später aufgelöst hatte, hat es sich einfach ergeben, dass Gunnar, Jens und Frenzy zu Staring Girl gekommen sind.

Schreibt ihr denn dann die Lieder als Band zusammen?

NIBBE Häufig ist es so, dass ich eine Grundidee alleine ausarbeite und mit in den Proberaum nehme, wo wir es dann gemeinsam weiterspinnen. Das ist für mich einer der schönsten Momente: Wenn nur die Idee da ist, aber noch niemand weiß, wie es sich weiterentwickelt. In diesem Augenblick ist alles möglich und total frei. Das ist zwar trotzdem anstrengende Arbeit, aber der Abschluss hat immer einen leicht bitteren Nachgeschmack. Ich bin zwar froh, wenn ein Song fertig ist, aber damit geht eben auch dieser Moment verloren.

 Wo wir gerade vom Songschreiben reden – zwischen eurem Debütalbum „Sieben Stunden und 40 Minuten“ 2012 und der neuen Platte „In einem Bild“, die vergangenes Jahr erschien, liegen ein paar Jahre. Gibt es dafür einen Grund?

NIBBE Man muss erst mal ein Leben leben, um wieder neue Ideen haben (lacht). Es ist einfach ein langwieriger Prozess. Und wir können uns nicht ausschließlich mit der Musik beschäftigen, dann würde es bestimmt auch schneller gehen. Außerdem mussten wir uns in der neuen Besetzung erst mal neu finden. Bis zum nächsten Album dauert es dann hoffentlich nicht wieder so lange (lacht).

Aber ihr seid ja auch schon jetzt fleißig. Wenn ihr auf Tour seid, werdet ihr eine neue EP im Gepäck haben, Anfang nächstes Jahr erscheint.

NIBBE Die haben wir zwischendurch aufgenommen, auch wieder live. Das lag vor allem auch daran, dass wir einen Song übrig hatten, den wir gerne noch veröffentlichen wollten. Das hat aus verschiedenen Gründen nicht aufs letzte Album gepasst. Dazu gesellen sich einige alte Bandklassiker in neuen Arrangements. Die EP erscheint offiziell dann am 6. Dezember.

Sie meinten gerade, dass ihr live aufgenommen habt – wie soll man sich das vorstellen?

NIBBE Wir haben die Sachen nicht getrennt voneinander eingespielt, sondern live, alle zusammen in einem Raum. Nur ich musste mit der Akustikgitarre und Gesang in ein anderes Zimmer. Aber wir haben alle parallel gespielt und auf Tonband aufgenommen. Da gab es nur vereinzelt Solo- und Instrumentalparts, die wir nochmal verbessert haben. Durch diese Aufnahmemethode auf Band klingt das schön organisch und warm, sodass wir mit dem Ergebnis sehr zufrieden sind.

Für die Vinylplatte hattet ihr auch eine startnext-Kampagne gestartet. Ist Crowdfunding eine Möglichkeit, gerade für kleine Bands, die man auch nochmal in Erwägung zieht?

NIBBE Wir waren da sehr zwiegespalten. Auf der einen Seite ist es ein komisches Gefühl, die Leute schon im Vorfeld mit dem Album zu nerven. Aber andererseits gibt das uns die Möglichkeit, das Album überhaupt zu finanzieren. Und die Hörer kriegen ja dann auch das Album.

Sie singen auf Deutsch. Haben Sie sich dafür bewusst entschieden?

NIBBE

Früher, so mit 14, 15 Jahren, habe ich auch mit englischen Texten experimentiert, bin dann aber irgendwann komplett auf die deutsche Sprache umgestiegen. Damit kann ich mich einfach besser ausdrücken, aber die Fallhöhe ist auch größer. Man macht sich ja schon ziemlich nackt, wenn man Deutsch textet. Wenn ich englischsprachige Musik höre, muss ich schon oft das Booklet mit den Texten danebenliegen haben, damit ich alles verstehe. Für mich ist es dabei oft der Gesamteindruck, der diese Songs für mich besonders macht. Bei deutschsprachiger Musik ist das anders. Da kann man die Texte nicht überhören.

Hatten Sie denn beim Songschreiben auch mal das Gefühl, dass etwas gar nicht geht, weil es im Deutschen dann doch zu kitschig oder ausgelutscht klingt?

NIBBE Oh ja, unglaublich oft (lacht). Man müsste sich überhaupt viel mehr Zeit für das Schreiben nehmen. 90 Prozent des Outputs ist eigentlich Quatsch. Ganz selten fällt mal etwas einfach so aus dem Ärmel, aber in der Regel liegt so ein Lied schon ziemlich lange da, bis ich die richtigen Bilder gefunden habe.

Und wie sieht das dann aus, wenn ihr auf Tour geht? Viele haben ja noch „reguläre“ Jobs neben der Band.

NIBBE Richtig, wir treffen uns vorab zum Proben. Wir vereinbaren dafür komplette Wochenenden und arbeiten sehr intensiv an unseren Stücken – schließlich wohnen wir nicht alle am gleichen Ort und nicht alle von uns können von der Musik leben. Auch wenn wir uns das wünschen.

Staring Girl, Donnerstag, 10. Oktober, 20 Uhr im Front of House in der Arena Trier. Tickets für 11,95 Euro bei den bekannten VVK-Stellen.

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