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Konzerte
Ein Abend für fortgeschrittene Liebhaber

Der Schweizer Liedermacher Stephan Sulke ist mit seinem Comeback-Album "Liebe ist nichts für Anfänger" auf Tour. Die führt ihn nächste Woche auch nach Trier.
Der Schweizer Liedermacher Stephan Sulke ist mit seinem Comeback-Album "Liebe ist nichts für Anfänger" auf Tour. Die führt ihn nächste Woche auch nach Trier. FOTO: Rainer Jensen / picture alliance / Rainer Jensen
Trier. Stephan Sulke kommt mit seinem neuen Programm in die Tufa. „Liebe ist nichts für Anfänger“ ist der Abend überschrieben – ebenso wie der Titel seiner mittlerweile 17. CD.

„Sechzig Jahre überlebt und 30 Jahre deutsche Lieder, das muss man feiern oder sich erschießen.” Das hat er 2003 anlässlich seines 60. Geburtstags gesagt. Zehn Jahre später hätte er den Spruch, entsprechend aktualisiert, wieder bringen können. Und jetzt, fünf Jahre später, noch mal.

Denn erschossen hat er sich nicht, der Stephan Sulke, im Gegenteil: Er feiert immer noch. Am liebsten auf Tournee und mit seinem Publikum. Am nächsten Freitag steigt die Party in der Trierer Tufa, wo er quasi schon Stammgast ist, denn immer (oder: fast immer), wenn er auf Tournee geht, macht er auch einen Abstecher in den äußersten Westen der Republik, wo er (meistens auch) auf seine Stammbesucher trifft. Man wird halt gern gemeinsam alt und weiß, was man aneinander hat.

„Liebe ist nichts für Anfänger“ heißt das neue Programm. Ein bisschen geklaut ist es schon, klingt es doch fast wie Bette Davies’ oft zitierter (und noch öfter von anderen vereinnahmter) Spruch „Altwerden ist nichts für Feiglinge“. Aber das ist die Liebe, nimmt man’s genau, schließlich auch nicht. Weiß der Himmel, was einem dabei für Anfängerfehler passieren können …

Sulke weiß es, immerhin hat er 75 Jahre lang Erfahrung (na ja, vielleicht nicht ganz so lang); zumindest hat er in allen Facetten darüber gesungen: frisch und frotzelnd, lustig und larmoyant, zickig und zynisch. „Uschi“, „Lotte“, „Du machst mir noch mein Herz kaputt“ oder – warum nicht auch mal mit der Tür ins Haus fallen? – „Nur mal mit ihr schlafen“. Und manches davon hat bereits Evergreencharakter.

Sulke, neben Reinhard Mey der einzige poetische Liedermacher, der nie dezidiert politisch war – gut, da gibt es den „Mann aus Russland“, aber das war auch eher eine private Bekanntschaft –  hält sich  mittlerweile ebenso lange im wankelmütigen Geschäft wie sein Berliner Sangesbruder.

Der 1943 in Schanghai geborene Schweizer – seine Eltern waren wegen der Nazis aus Berlin in den Fernen Osten geflohen – hat sich aber, im Gegensatz zu Mey, lange Pausen in der Karriere gegönnt, die ihm freilich nicht geschadet haben: Wenn er nach Jahren der Bühnenabstinenz – sei es, dass er sein Geld zwischenzeitlich als Toningenieur, Immobilieninvestor, sei es als Maler und Bildhauer verdiente – sich an den Flügel setzte, waren die Zuhörer verlässlich wieder da und schwelgten mit ihm in Erinnerungen. Da wurde und wird man natürlich auch bisweilen sentimental; die Liebe ist nun mal, siehe oben, nicht immer lustig, und eine komplett kitschfreie Zone sind Sulkes Lieder gewiss nicht. Aber Kitsch ist nun mal der Kitt, der den Sturm an kalten Tagen draußen vor den Fensterscheiben hält und insofern sogar ökologisch wertvoll, weil heizkostensparend.

„Frag, wen du willst, keiner will Liedermacher sein und keiner will es gewesen sein, ich auch nicht. Das Wort hat keinen Stolz mehr, es steht für eine Art modischen Irrtum. Das Wort, ursprünglich bescheiden und präzise gemeint, klingt heute verwaschen und arrogant“, sagte Anfang der 1980er Jahre der deutsche Schriftsteller, Kabarettist und  -Liedermacher Christof Stählin (1942 – 2015) im Liedermacherbuch „Dorn im Ohr“ aus dem Diogenes Verlag. Und dessen Herausgeber Bernhard Lassahn kommt zu dem Schluss, bei den Liedermachern seien „die Übergänge zum Schlager und pompöser Banalität fließend“.

Mag sein, mag auch nicht sein: „Entscheidend ist, was hinten rauskommt“, um einen deutschen Ex-Kanzler zu zitieren.

Stephan Sulke jedenfalls hat sich während seiner gesamten Liedermacher-Karriere vom Besten aus allen musikalischen Welten inspirieren lassen: Er hat keine Scheu vor eingängigen (Schlager)Melodien, zuckt nicht zurück vor Gefühlen und würzt seine Texte mit Witz und Wehmut. Und so falsch kann es ja nicht sein, was er macht: Seinen Fans gefällt’s – seit nunmehr fast einem halben Jahrhundert.

Stephan Sulke tritt am Freitag, 23. Februar, in der Tufa in Trier auf; Beginn ist um 20 Uhr.
Karten gibt es im TV-Service-Center Trier, unter der TV-Tickethotline 0651/7199–996 sowie unter www.volksfreund.de/tickets