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Stummfilm „Berlin, die Sinfonie der Großstadt“ demnächst in Trier

Konzerte / Stummfilm : Ein Kino wie in ganz alten Zeiten

Der Stummfilm „Berlin, die Sinfonie der Großstadt“ aus dem Jahr 1927 ist demnächst in Trier zu sehen. Zu der Vorführung im Audimax der Universität erklingt Live-Klaviermusik.

Der Titel hat etwas Ingeniöses.  „CineASTA“ kombiniert  „Cineast“ mit „Asta“ – also: den unverbesserlichen Kino-Fan mit der Vertretung der Studentenschaft an der Uni Trier. Seit Jahren betreibt eine kleine Gruppe von Trierer Studierenden ein Kino der etwas anderen Art – intellektuell anspruchsvoll und erstaunlich vielseitig. Auf immerhin 52 Seiten kündigt das aktuelle Semester-Programm ziemlich dichtgedrängt Filme für alle an, die das Außergewöhnliche mögen und sich dabei auch an Fremdsprachen mit deutschen Untertiteln nicht stören. Insgesamt 40 Langfilme stehen im Programm.

Eine Produktion freilich verspricht dabei außergewöhnlichen Cineasten-Genuss. Es ist der Stummfilm „Berlin, die Sinfonie der Großstadt“ mit Livemusik. Dieser Berlin-Film entstand 1927 und stammt von Walther Ruttmann (1887-1941).  Der gilt als einer der ersten Filmkünstler. „Berlin, die Sinfonie der Großstadt“ hat nichts mehr gemeinsam mit den Slapstick-Streifen aus dem Höhepunkt der Stummfilmzeit, bezieht aber auch Distanz zum Genre des Kriminalfilms, der mit  Fritz Langs legendärem „M“ einen frühen Erfolg feierte.

Der Titel deutet es bereits an: „Berlin, die Sinfonie der Großstadt“ gehört nicht zu den Klassikern, die mit ausgeprägter Handlung Spannung aufbauen. Stattdessen hat dieser Film etwas Erzählendes, beinahe Episches: Ein Tag in Berlin mit Reichtum und Armut, mit allem Hoffnungsvollen und Deprimierenden  und all den Belastungen, die  es in einer Großstadt nun mal gibt. Obwohl Ruttmann auch das Elend in der deutschen Metropole ungeschönt zeigt, ist seine Darstellung nie moralisierend oder  auch politisierend. „Berlin“ ist eine filmische Reportage – vielschichtig, in ihrer Fülle an aussagestarken Bildern überaus eindringlich und doch aus einer überlegenen und sorgfältig durchgehaltenen Distanz.

Die Kombination Stummfilm und Livemusik, die sich allgemein wachsender Beliebtheit erfreut,  ist im Programm des „CineASTA“ nicht ganz neu. Bereits in den vergangenen Jahren liefen Buster Keatons „Steamboat Bill“ und „The Kid“ von Charlie Chaplin über die Leinwand im Trierer Audimax. Eines indes ist beim aktuellen Projekt neu. Während bislang die Uni-Big-Band für die akustische Ergänzung sorgte, setzt sich jetzt Big-Band-Leiter Bernhard Nink allein ans Klavier. Anstelle der nicht mehr erhaltenen Originalpartitur hat er Musik aus dem historischen Umfeld des „Berlin“-Films ausgewählt.

Die Kompositionen von Paul Dessau (1894-1979), Paul Hindemith (1895-1963), Erwin Schulhoff (1894-1942) und Egon Wellesz (1885-1974) haben eines gemeinsam: Nach der Nazi-Machtergreifung 1933 zählten sie zur „entarteten Musik“. Das gibt der Musik und mittelbar auch dem Film einen zusätzlichen zeithistorischen Akzent mit. Bernhard Nink hat die Kompositionen so arrangiert, dass sie im Gleichklang zu den Filmszenen ablaufen.

Untergeordnet ist die Musik dennoch nicht. Optik und Akustik begegnen einander konsequent auf Augenhöhe.

„Berlin, die Sinfonie der Großstadt“. Stummfilm (1927) von Walther Ruttmann mit Livemusik. Kompositionen von Dessau,  Hindemith, Schulhoff und Wellesz. Werkzusammenstellung und am Klavier: Bernhard Nink. Donnerstag, 24. Januar, 20 Uhr, Universität Trier, Audimax. Eintritt frei.