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Konzert im Trierer Amphitheater
Tausende Fans feiern Reggae-Star Gentleman

Trier . Was in Berlin nicht funktioniert hat, das funktioniert in Trier im Amphitheater. Jamaika! Gentleman begeistert knapp 3000 Besucher mit Reggae. Von Clemens Sarholz

Fast 3000 Freunde des Reggaes stehen im Amphitheater. Es sind noch keine drei Songs gespielt, da wabert schon der Dunst von Mariuhana durch die Lüfte. Der dritte Song heißt „Sin City“. Es ist ein ruhiger Song, der reggaeballadig anmutet. Der Text ist schwer verständlich, hat aber Adressaten: Alle diejenigen, die für das Elend und Leid in der Welt verantwortlich sind. Und das kommt beim Publikum an. Viele seiner Songs sind textlich unkonkret. Jedoch gerieren sich seine Worte nicht zum Selbstzweck, so scheint es. In seinen Texten wirbt er niederschwellig für Toleranz und Frieden, in seinen Auftritten wirbt er offensichtlich für die Künstler die mit ihm auf der Bühne stehen. Erstaunlich uneitel lässt Gentleman nahezu die Hälfte seines Konzertes von anderen Künstlern performen, denen er eine Plattform bieten möchte.

Das Lied „Sin City“ ist vorbei. Gentle­man steigt herab von der Bühne. Ihn zieht es zum Publikum. Er möchte ganz nah bei ihnen sein. Deswegen stellt er sich auf die Absperrung. Schlägt bei seinen Fans mit der flachen Hand ein und ihm fällt ein besonderer Fan auf. Sebastian heißt er. „Sebastian kann alle meine Texte mitsingen“, ruft er dem Publikum zu. Ein anerkennender Applaus folgt. Gentleman, der mit bürgerlichem Namen Tilmann Otto heißt, hält Sebastian das Mikro hin und er rappt fehlerfrei anstelle des Hauptacts. Leider ist die Akkustik im Amphitheater miserabel ausgesteuert. Kaum ein Wort, das aus den Musikern herauskommt ist verständlich. Unüberhörbar sind die Musiker die Herrn Otto den Rücken stärken, aber gut. Saxofon-, sowie Trompeten-, Gitarren-, Bass- und Keyboardsoli lassen keinen Zweifel an dem Können der Musiker. Einzig ein Drumsolo, wenn es denn eins sein sollte, hört sich schräg an im Lied „To the top“. Trotzdem ist „To the top“ der Höhepunkt des Konzertes. Denn jetzt geht von Gentleman eine eigentümliche Energie aus, die sich unmittelbar auf das Publikum überträgt. Das Auditorium empfängt einen Augenblick, der nicht beschreibbar ist. 4000 Hände schnellen gleichzeitig in die Luft. Durch die Beleuchtung sind sie in ein weiches, gelbes Licht gehüllt.

Gentleman ist durchweg im Kontakt mit dem Publikum oder mit der Band. In seinen spärlichen Ansagen witzelt er unter anderem über sein Alter. Er sei ja nicht mehr der Jüngste mit seinen 43 Jahren. An diesem Abend sitzen Ehrengäste auf der Tribüne. Er begrüßt seine Eltern. Sie stehen auf. Eine Frau mit kurzen grauen Haaren und neben ihr ein Mann mit lichtem Haar lachen und tanzen. Und trotz ihres fortgeschrittenen Alters sieht es irgendwie cool aus. Der Anblick bringt ein Lächeln. Manche Momente wirken jedoch unpassend. So gibt es beispielsweise eine kurze Beatboxdarbietung von Gentleman persönlich, die kurz darauf durch ein leises Pianosolo unterbrochen wird. Otto wird pathetisch: „Die Musiker sind wirklich unglaublich! Es ist immer das Team, das dass möglich macht!“ Abschließend sei gesagt: Gentleman bedient das Genre Reggae wie kein anderer in Deutschland. Es läuft nicht immer perfekt. Aber der Stimmung hat das alles nicht geschadet. Gentleman ist ein gestandener Künstler und hat die Gabe Menschen zu berühren. So wie es auch im Amphitheater geschehen ist.