The American Drama Group mit Shakespeares "Macbeth" im Theater Trier

Vorbericht : Karriere eines Serienkillers

The American Drama Group kommt mit Shakespeares „Macbeth“ in Originalsprache ins Theater Trier.

Wie viele Schüler von Englisch-Leistungskursen mit „Macbeth“ Bekanntschaft machen durften beziehungsweise mussten, kann nur geschätzt werden. Es müssten jedoch eine ganze Menge sein. Denn der Charme dieser Mord- und Totschlag-Geschichte liegt nicht zuletzt darin, dass sie mit 2477 Zeilen das sechtskürzeste von seinen insgesamt 38 Dramen ist, mithin in einem zeitlich überschaubaren Rahmen unterrichtsmäßig abzuhaken ist.

William Shakespeare schrieb mit dieser in ihrer Zeit verhafteten Tragödie eine zeitlose Geschichte über Machtgier, Mord und Manien. Gleichzeitig ist „Macbeth“ eine Studie über Hörigkeit, in der ein Mann gegenüber seiner Ehefrau gefangen ist, die ihn damit provoziert, dass sie ihn für einen Schwächling hält („deine Natur, zu voll von Menschlichkeit…“). Was wiederum seinen Ehrgeiz dermaßen anstachelt, dass die Vernunft den Kürzeren zieht, wodurch letztlich auch die Gattin dem Wahnsinn verfällt. Macbeth wird zum Serienkiller. Er tötet den rechtmäßigen Herrscher. Er tötet die Zeugen dieses Verbrechens und die, die ihn verdächtigen. Er tötet deren Söhne und Freunde. Das Leben – ein Alptraum. In kaum einem anderen Shakespeare-Drama ist so oft von Blut die Rede. Addiert man als übersinnliches Moment die spielbestimmenden Hexen dazu, formt sich das Bild eines düsteren Splatterdramas, das einem George Romero, berühmt für blutgetränkte filmische Meisterwerke wie „Die Nacht der lebenden Toten“ oder „Zombie“, alle Ehre gemacht hätte.

Natürlich ist „Macbeth“ mehr als das – zum Beispiel ein abschreckendes Beispiel für politische Verbrechen und Tyrannei durch die Jahrhunderte hindurch und ein Blick in die Abgründe menschlicher Abnormitäten. Auf jeden Fall bietet es Regisseuren eine Fülle von Interpretationsmöglichkeiten, die mal mehr, mal weniger überzeugend gelingen. Die Inszenierung der American Drama Group, die Paul Stebbings gemeinsam mit Christian Flint für das britische TNT Theatre eingerichtet hat, ist eine leicht gekürzte Version des 1606 uraufgeführten Originals, über der die entscheidende Frage steht: Wie weit sind wir selbst verantwortlich für unsere Taten? Sind wir Antreiber oder Getriebene? Sind die drei Hexen, die in der ersten Szene den Grundton für das Drama anschlagen, wirklich übernatürliche Mächte – oder sind sie ein Symbol für das Unbewusste, das sich jeglicher menschlichen Kontrolle entzieht?

„Das Drama ist nicht perfekt“, erklärt Stebbings in seinen Anmerkungen zur Inszenierung, mit der das TNT seit 2001 in mehr als 40 Ländern gastierte. „Macbeth“ war zudem das erste Shakespeare-Stück, das die Truppe auf die Bühne gebracht hat. „Es beginnt in einem rasanten Tempo und verliert gegen Ende zunehmend an Geschwindigkeit.“ Dem haben die Regisseure entgegengesteuert, indem sie kleinere Rollen sowie Szenen, die den Erzählfluss verlangsamen, gestrichen haben. Zudem verkörpern die Akteure verschiedene Rollen – ungeachtet, wie schon zu Shakespeares Zeiten, des Geschlechts der Darsteller. „Wir hoffen“, so Stebbings, „dass die Schauspieler und der Autor (oder deren Geister) der originalen Uraufführung im Londoner Globe Theatre unseren Versuch respektieren, mitten ins Herz dieses ebenso ungewöhnlichen wie zeitlosen Dramas zu treffen.“

Aufführungen sind am Dienstag, 12. März, um 11 und 19.30 Uhr. Für die Vormittagsvorstellung sind noch Karten erhältlich unter 0651 718-1818, an der Theaterkasse oder online unter www.theater-trier.de erhältlich.

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