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Theater Trier: François Camus im Gespräch

Theater : „Ein Text mit viel Luft für Spiel“

François Camus verkörpert und inszeniert „Monsieur Ibrahim und die Blumen des Koran“ – auf Französisch.

Der weltumspannende Erfolg kam 2003 mit der Verfilmung von Eric-Emmanuel Schmitts Vorlage und brachte dem ägyptischen Schauspieler Omar Sharif (1932 – 2015) in der Abenddämmerung seiner Karriere noch zwei Preise ein: einen „César“ und den Publikumspreis bei den Filmfestspielen in Venedig.

François Camus findet den Film „entsetzlich“: „Er macht die Poesie kaputt. Wenn man ihn sieht, braucht man keine Fantasie mehr.“ Und Fantasie ist gefragt bei diesem „Roman für die Bühne“, in dem ein Schauspieler alle Bilder, alle Ereignisse und Emotionen im Kopf der Zuschauer entstehen lässt. „Monsieur Ibrahim und die Blumen des Koran“ erzählt die Geschichte des 13-jährigen Momo aus Paris, der von seinem Vater verlassen, vom Ladenbesitzer Ibrahim auf der anderen Seite der Rue Bleu adoptiert wird und mit ihm auf große Reise geht.

Inspiriert dazu wurde Schmitt von dem französischen Schauspieler, Regisseur und Theaterleiter Bruno Abraham-Kremer, nachdem dieser dem Dramatiker seine Kindheitsgeschichte erzählt hatte – die Schmitt ihm dann als Schauspieler mit der angemessenen dichterischen Freiheit sozusagen auf den Leib zurückgeschneidert hat. Man könnte die Geschichte, die nicht zuletzt ein Plädoyer für die Toleranz zwischen den Religionen ist, auch als eine Art Taschenausgabe von „Nathan der Weise“ betrachten – in Gestalt eben jenes Ibrahim mit seinem Laden gegenüber dem Puff, dessen Angestellte den halbwüchsigen Momo mit der Liebe – oder besser: mit dem Sex – bekannt machen.

Nach der Pariser Uraufführung im Jahr 2001 machte der „dramatische Text“ Karriere als Schullektüre für Französischeleven in aller Welt.

Für eine Produktion im Studio des Trierer Theaters konnte nun François Camus gewonnen werden. Wie muss man sich die Arbeitsweise vorstellen, wenn der einzige Darsteller sein eigener Regisseur ist? Gibt’s es da Auseinandersetzungen, Meinungsverschiedenheiten, laute Wortwechsel? Camus lacht. „Dafür ist Kim da“, erklärt er. Kim Langner hat er sich als „Spiegel“ auserkoren, als Korrektorin, „Kontrolleurin“ und Tippgeberin für seinen fast zweistündigen Alleingang auf der Bühne. „Ganz allein kann ich mich nicht inszenieren.“

Obwohl er das Stück seit rund sieben Jahren im Kopf beziehungsweise Repertoire und mehr als 100 Mal damit auf verschiedenen Bühnen gestanden hat, ist er offen für ihre Vorschläge – „nicht immer“, schränkt er ein. „Aber ‘äufig.“ Sein Akzent wird stärker, je eifriger er über sein Stück spricht.

Ein „dramatischer Text“ – ist das nun eine Lesung oder ein mehr oder weniger gespielter Roman? „Es ist eine Theaterform, die es in Deutschland eher selten gibt“, sekundiert Kim Langner. Es sei auch kein Monolog wie „Der Kontrabass“, Patrick Süskinds erfolgreicher Einakter aus dem Jahr 1981, der auf nahezu allen deutschsprachigen Bühnen (in Trier 2010 mit Michael Ophelders) zu sehen war. Es sei schwer, in Deutschland dafür die richtige Schublade zu finden, fasst Kim Langner die Begriffsverwirrung zusammen. „Es ist eben etwas typisch Französisches.“

„Ausstattung und Lichteffekte sind auf das Nötigste beschränkt. Alles kommt aus dem Text und dem Spiel …“ („Im Text ist so viel Luft für Spiel“, wirft Camus ein) „ … und François spielt tatsächlich alles – nicht nur sämtliche Figuren, er spielt sogar die Gegenstände. Die Fantasie des Publikums ist also gefordert: Alles ist Poesie, Drama und Theater.“

Und wie steht es um die Verständlichkeit? Französisch ist ja keine Sprache, die für ihre Langsamkeit bekannt wäre. Camus hat ein ermutigendes Beispiel parat: Der 13-jährige Sohn einer Theatermitarbeiterin habe bei einer Szenenprobe „mit seinem Schulfranzösisch alles gut verstanden“. Na dann …

Wer‘s dennoch nicht französisch mag oder möchte, muss sich bis zum Frühjahr gedulden. Dann werden „Monsieur Ibrahim“ und all die anderen Figuren von Gideon Rapp gespielt – dann „nur“ unter der Regie von François Camus. Aber er ist zuversichtlich, dass es der Kollege „mindestens genauso“ hinbekommt wie er selbst: „Gideon ist ein unwahrscheinlich guter Schauspieler“, gibt er dem Kollegen einen Strauß von Vorschusslorbeeren mit auf den Weg. „Ich freue mich schon jetzt auf die Arbeit mit ihm.“

Premiere ist am Freitag, 11. Januar, um 11 Uhr im Studio. Die Aufführung ist bereits ausverkauft, für die zweite Vorstellung am selben Tag um 18 Uhr gibt es noch Restkarten. Weitere Termine im Januar sind bereits voll besetzt. Am Montag, 11. Februar, sind noch Tickets für beide Vorstellungen jeweils um 10 und 18 Uhr erhältlich. Karten: 0651/718-1818 oder an der Theaterkasse am Augustinerhof.