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Literatur
Tipps für die Normalgestörten

Nach ihrer Lesung signiert Psychologin Stefanie Stahl den Besuchern deren Buchexemplare.
Nach ihrer Lesung signiert Psychologin Stefanie Stahl den Besuchern deren Buchexemplare. FOTO: Christina Bents
Bitburg. Stefanie Stahl präsentiert beim Eifel-Literatur-Festival in Bitburg „Das Kind in dir muss Heimat finden“ Von Christina Bents

(chb) Es ist ein optimistisches Buch, das Stefanie Stahl geschrieben hat. Dabei verspricht die Psychologin aus Trier viel, nämlich, dass es der Schlüssel zur Lösung (fast) aller Probleme ist. Viele Menschen scheinen ihr und dem Buch das zuzutrauen, denn es wurden bereits 400 000 Exemplare verkauft, und es steht in der 140. Woche in der Spiegel-Bestsellerliste auf Platz eins oder zwei in der Kategorie Sachbuch.

Ein wenig relativiert Stahl, die in den vergangenen 15 Jahren sieben Bücher geschrieben hat, bei ihrer Lesung vor ausverkauftem Haus Beda in Bitburg die Wirkung ihres Buchs, indem sie sagt: „Ein Buch allein löst noch keine Probleme“, aber sie hat Problemlösungsstrategien entwickelt, die man mit einem Arbeitsbuch praktisch umsetzen kann. Es geht dabei darum, Probleme hinter den Problemen zu erkennen. Dazu hat sie ein einfaches Beispiel angeführt: Ein Paar, er heißt Michael, sie Sabine, streiten oft über Kleinigkeiten. Beispielsweise bekommt er einen Wutanfall, weil sie beim Einkaufen seine Lieblingswurst vergessen hat, sie weint und spricht einige Zeit nicht mehr mit ihm. Anstatt zu akzeptieren, dass man mal etwas vergessen kann, reagiert Michael mit der Interpretation „Ich bin nicht wichtig.“ Die löst eine Kränkung und Wut aus, die im Streit endet. Diese Interpretation „ich bin nicht wichtig“ ist seit seiner Kindheit fest verankert, denn er ist mit vier Kindern aufgewachsen, und beide Eltern waren selbstständig. Die Lösung liegt für die praktizierende Psychologin darin, diese Interpretation zu erkennen und umzuschalten in eine neutrale Beobachterperspektive, in der man erkennt: „Man kann auch mal was vergessen.“

Dabei ist Stahl wichtig, nicht alle Probleme, die man als Erwachsene hat, auf die Eltern zu schieben, denn die sind auch nicht perfekt, sondern, dass man auf sich selbst achtet und die Verantwortung für Dinge übernimmt, die man selbst verantwortet. Stahls Vortrag war sehr unterhaltend und anschaulich, etwa als sie meinte, ihr Buch habe für alle „Normalgestörten“ eine Problemlösungsstrategie. „Schwergestörte  lesen dieses Buch eher nicht, die gehen in die Politik.“ Anschließend nahm Stahl sich Zeit für die Besucher und signierte fleißig Bücher.