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Trier: Neues Theaterstück "Buntes Republik" startet am Samstag

Kultur : Als Brandt Farbe ins Wohnzimmer brachte: Neues Theaterstück in Trier startet am Samstag

Eine Reise in die sechziger Jahre: Ab Samstag zeigt das Theater Trier das neue Stück „Buntes Republik“.

Heinrich Bunte macht Möbel und seine Geschäfte laufen auf Hochtouren. Doch plötzlich gerät seine satte deutsche Wirtschaftswunderwelt ins Wanken: durch die Studentenbewegung und die sexuelle Revolution. Oder ist es die Einführung des Farbfernsehens? Wie Bunte und seine Familie mit den Herausforderungen der sechziger Jahre zu kämpfen haben zeigt  „Buntes Republik“ ab dem 8. Januar im Theater Trier. Im Interview erklärt Regisseur Ulf Dietrich dem TV, was das Stück besonders macht.

Herr Dietrich, ist „Buntes Republik“ der Nachfolger von „Blue Jeans“?

Ulf Dietrich Kann man so sagen. In „Blue Jeans“, das vor ziemlich genau zwei Jahren hier am Theater Premiere hatte, haben wir die Wirtschaftswunderjahre in den Fokus genommen. Jetzt stehen die 1960er-Jahre im Mittelpunkt als Zeit des Aufbruchs und der Veränderung einerseits und der Starre bei den Alten andererseits. Menschen wie Heinrich Bunte, der es mit seiner Möbelfabrik zu einem gewissen Wohlstand gebracht hat, der sich allerdings auch mit einer aufmüpfigen Tochter herumschlagen muss, der die Provinz, in der unsere Geschichte spielt, zu eng wird. Sie schließt sich in Berlin einer Kommune an, was natürlich für gehörig Zoff in der Familie sorgt.

Hat Bunte die Möbelfabrik selbst gegründet?

Dietrich Er hat sie von seinem Schwiegervater übernommen. Mehr als diese Andeutung wird allerdings nicht gemacht.

Das heißt, Politik spielt keine große Rolle?

Dietrich Oh doch! In den 60er Jahren wurde das Private ja Politisch und das Politische privat, die Jungen stellten die Alten in Frage, die Diskussionen am Esstisch wurden hitziger. Aber natürlich ist „Buntes Republik“ in erster Linie ein – hoffentlich! – unterhaltsames Stück über eine wichtige Zeit der noch jungen Bundesrepublik. Der Mief der Adenauer-Jahre verschwand allmählich aus dem Alltag, die Mode wurde frecher, die Liebe freier, und die Frauen wurden selbstbewusster, auch in sexueller Hinsicht, was sie dem Aufklärer der Nation, Oswald Kolle, zu verdanken hatten, und eroberten sich nach und nach den Platz in der Gesellschaft, der ihnen zustand. Und die Bundesrepublik wurde bunter – nicht zuletzt dank des neuen Farbfernsehens, das in unserem Stück eine wichtige Rolle spielt.

Inwiefern?

Dietrich Am 25. August 1967 betätigte Vizekanzler Willy Brandt auf der 25. Großen deutschen Funkausstellung in Berlin eine Taste, und das Schwarz-Weiß-Bild auf dem Fernsehschirm wurde farbig. Dieser Moment ist entscheidend für unser Stück.

Erzählen Sie mehr!

Dietrich Die ersten Fernsehgeräte hatten ja vier Beine; Bunte hat nun den Fernsehtisch erfunden. Das heißt, er hat aus Pappe einen Tisch zusammengezimmert, auf den die Geräte gestellt werden konnten, und er verspricht sich davon ein Riesengeschäft. Nun steht also der Fernseher auf diesem Billigmöbel, alle haben sich darum versammelt, und dann passiert es ...

Was genau?

Dietrich Das wird das Publikum am Samstag sehen.

„Buntes Republik“ wurde vor 13 Jahren in Aachen uraufgeführt. Haben Sie den Text von damals eins zu eins übernommen?

Dietrich Im Großen und Ganzen ja. Es ist ja ein Blick zurück auf ein Stück Historie, und die ändert sich nun mal nicht mehr. Das Erstaunliche an der Sache: Die Ereignisse liegen schon ziemlich lange zurück, und trotzdem sind sie uns noch so nahe. Menschen verändern sich, oder sie verändern sich nicht – das galt damals ebenso, wie es heute noch stimmt. Bemerkenswert allerdings, und das ist die Ironie unserer Geschichte: Irgendwann werden die Jungen wie die Alten, gegen die sie sich auflehnen.

Wie in „Blue Jeans“ wird gesungen und getanzt?

Dietrich Richtig. Wir bieten das ganze Spektrum vom Schlager bis zum Rock. „Tanze mit mir in den Morgen“ – deutscher geht es wirklich nicht. Und wir zeigen den letzten aller Paartänze, den Twist, bei dem die Partner ihre Bewegungen aufeinander abgestimmt haben. Danach hopste jeder nur noch allein über die Tanzfläche.

  Regisseur Ulf Dietrich bei der Arbeit: Für ihn ist das Stück ein Blick zurück auf einen spannenden Abshcnitt deutscher Geschichte.  
Regisseur Ulf Dietrich bei der Arbeit: Für ihn ist das Stück ein Blick zurück auf einen spannenden Abshcnitt deutscher Geschichte.   Foto: Dirk Tenbrock

Premiere ist am Samstag, 8. Januar, 19.30 Uhr, im Großen Haus des Theaters Trier; Karten: 0651/718-1818.