Trierer Musiker Michael Kiessling ist tot - Ein Nachruf von Michael Kernbach

Nachruf : Der Trierer Musiker Michael Kiessling ist tot

Zum Tod vom Trierer Musiker Michael Kiessling hat sein Kollege Michael Kernbach einen Nachruf verfasst.

Am Wochenende verstarb der gebürtige Trierer Michael Kiessling. Der Sänger und Schauspieler hatte seine musikalischen Anfänge in Trier beim Mattheiser Schülerchor, bis es ihn zur Rockmusik zog und er mit vielen hiesigen Künstlern zusammen in Bands spielte und erste Bühnenerfahrung sammelte. Erfahrung, die ihn nach Berlin und deutschlandweit auf Tour mit seiner Barrevue „Bukowski Waits for Us“ trieb.

Jetzt ist Michael Kiessling im Alter von 63 Jahren verstorben. Ein Nachruf von Michael Kernbach, der bis 1998 bei Guildo Horn und den Orthopädischen Strümpfen spielte, deren Gründungsmitglied er war. Heute arbeitet er als Autor und leitet eine Schule für Rock- und Popmusik in Bonn.

Eine Karriere im Musikbusiness aus Trier heraus zu starten, das war Mitte der 1980er Jahre so wahrscheinlich und erfolgsversprechend wie der Versuch, Madonna zu daten oder US-Präsident zu werden. Das galt damals für alle, außer für Michael Kiessling. Wenn es einer schaffen würde, mal ganz groß raus zu kommen, dann garantiert er.

Schon damals und dann zwei folgende Jahrzehnte bestimmte „Michel“ mit Events wie dem „Gipfeltreffen“, „Moderne Zeiten“, „Violetta“ oder „Beatles-Revue“ die Highlights des TuFa- und Theaterprogramms gefühlt im Alleingang. Wohl auch, weil er durchaus ein Meister darin war, der Mittelpunkt zu sein und alle Blicke auf sich zu ziehen. Wenn für jemanden der Begriff der „Rampensau“ geschaffen worden schien, dann für Michael, den Crooner mit der rauchigen Stimme und dem Charisma des Aragorn aus „Herr der Ringe“.

Dann, endlich, die Michael Kiessling-Band. Die Startrampe für den nationalen Durchbruch. Ein minutiös geplantes Rock-Start-Up. Kein Wunder, dass unser Trommler Horst (Köhler alias Guildo Horn, Anm. d. R.), mit dem ich mich damals bei „Schmal, Breit und Gespräch“, der Hauskapelle von Michaels Stammkneipe „Sutteräng“ verdingte, sofort den angebotenen Job als Backgroundsänger annahm. Eines der raren Tickets für den Flug in der startbereiten Rakete zum Ruhm. Ich habe dann in der Kiessling-Band auch ein paar Konzerte aushelfen dürfen.

Es war meine erste Berührung mit akribischer, professioneller Konzertvorbereitung und Bühnenshow-Planung, inklusive eines Spiegels für den Frontmann und geskripteten Ansagen. Dass Musikmachen Knochenarbeit ist und die gefühlte Leichtigkeit einer perfekten Performance in mühsamen, endlosen Stunden in einem schmucklosen Keller erarbeitet wird, das haben wir Kneipenrocker aus dieser Zeit mit Michael mitgenommen. Und seinen Drummer. Miteinander schrieben die zwei Trommler und ich dann in den 90ern unsere eigene Geschichte.

Die harte Kiessling-Schule hat uns dabei sehr geholfen. Eine weitere Lehre aus dieser Zeit: Erfolg kann man nicht planen. Man kann sich aber darauf vorbereiten und ihm die Tür öffnen, wann und in welchem Gewand er aber kommt, läßt sich nicht vorbestimmen. Auch nicht von „Michel“, der immer alles gegeben hat, um das Märchen wahr werden zu lassen.

Und es wurde wahr. Vieles, was er nach dem Ende der Kiessling-Band dann höchst erfolgreich und mit dem ihm eigenen Biss und Willen schuf und umsetzte, kenne ich leider nur aus begeisterten Erzählungen. Mit „Bukowski waits for us“, der heute schon legendären Barrevue, „Neues Glas aus alten Scherben“ an der Stelle eines Rio Reiser und vielen weiteren, erstaunlichen Projekten ist der spätere Wahl-Berliner Michael Kiessling schlussendlich ein bundesweit erfolgreicher und respektierter Bühnenmacher geworden. Viel mehr als „nur“ ein Musiker – ein Autor, Intendant und Regisseur großer Stücke, oft mit ihm selbst in der Hauptrolle.

Mit Michael Kiessling ist ein maximal kreativer, eigenwilliger und selbstbewußter Kollege zum letzten Tanz gegangen, wie einer seiner Songs aus der Zeit der KiesslingBand hieß. Er hat vielen viel gegeben. Danke dafür.

Mit tiefer Verneigung, Dein Show-Azubi Michael „Kerni“ Kernbach.