TV-Serie Die Kulturmacher: porträt Improgruppe sponTat

TV-Serie Die Kulturmacher: Improgruppe sponTat : Bloß keine Angst vor Peinlichkeit!

In vielen Städten ist Improvisationstheater eine eigene bunte Szene. In Trier hält der Verein SponTat unter dem Dach der Tufa dessen Fahne hoch. Ein Ping-Ping-Spiel mit dem Publikum, bei dem es viel zu lachen gibt.

Trier Jedes Training beginnt mit dem Aufwärmen. Ist ja Sport, irgendwie. „Ich bin eine schimmelige Tomate“ heißt das Warmup der fünf „SponTat“-Mitglieder im Kasino am Kornmarkt in Trier. „Ich bin die Grippe“, stellt Karin inmitten der Bühne fest. „Und ich bin eine Spritze gegen die Grippe“, kontert die andere Karin. „Und ich bin die Viren.“ Die Grippe nimmt die Spritze mit von der Bühne. Die Viren beginnen ein neues Spiel. Zack, zack, eine Assoziation jagt die nächste. Wurm, Vögelchen, Katze. Es geht schnell. Keine Zeit, sich was zurechtzulegen. Das Tempo verhindert Zensur im Kopf.

„Impro ist eine sehr schnelle Theaterform“, erklärt Hannah Swoboda, die künstlerische Leitung der Impro-Theatergruppe SponTat. Die Leute aus dem Publikum rufen den Darstellern Ideen zu, und die setzen das in Szene. „Das ist nichts für langsame ältere Menschen und nichts für kleine Kinder.“ (erst ab 12)

„Ich kann mir einfach keinen Text merken“, gesteht Karin Pütz, die leidenschaftlich gern auf der Bühne steht. Wenn man keinen Text gelernt habe, brauche man keine Angst davor haben, plötzlich nicht mehr weiterzuwissen, findet sie. „Dagegen auf meine Schlagfertigkeit kann ich mich immer verlassen.“ Karin Pütz ist zusammen mit Hannah Swoboda und Karin Jostock von Anfang an dabei. 2005 gründete sich die Gruppe bei Satyricon, 2009 wurde SponTat als Verein auch Mitglied im Tufa-Dachverband. Seitdem tritt die Gruppe  regelmäßig auf, vor allem in der Tufa, derzeit aber auch im Kasino am Kornmarkt, dessen Plüsch-Ambiente mit den Tischen so schön zum neuen Format „Bei Zuruf: Liebe“ passt – einer Weiterentwicklung des bewährten Formats „Bei Zuruf: Mord!“ Abendfüllende Langformate, die die kurzen sketchartigen Showformate aus dem Repertoire ergänzen.

Auftrittsorte können überall sein – so ohne Bühnenbild und Requisiten – und sind inzwischen ungezählt: Neben etablierten Kleinkunstbühnen hat die Gruppe schon im  Gefängnis, bei Arbeitsamt, Krankenkasse oder der Familienfeier gespielt und das Format jeweils dem Ereignis angepasst. Und dabei viele Leute zum Lachen gebracht. Demnächst reist die Truppe sogar zum bundesweiten Impro-Wettbewerb auf der Hamburger Reeperbahn.

„Ich finde es selbst so witzig und lache hier so viel“, sagt Stephan Vanecek, der auch mit dem Kulturpreis der Stadt Trier ausgezeichnet worden ist. Der Schauspieler kam 2014 mit Kollege Benjamin Kelm über „Maestro“ zur Gruppe, einer Kooperation mit dem Theater Trier und der freien Szene. „Impro ist Abenteuer“, sagt Ben, „man weiß nicht, was kommt.“

Kann man das lernen, Spontaneität? „Es gibt schon ein paar Kniffe und Tricks, die man lernen kann“, verrät Hannah Swoboda, die es schätzt, wie viel Energie ihr das Impro-Spielen persönlich gebe. Ganz wichtig sei die Gruppe, die den einzelnen Darsteller nicht im Stich lasse. Wenn eine Szene festgefahren sei, gehe einer der anderen von außen hinein, wechsle die Szene und bringe neue Energie ins Spiel. „Keine Angst vor Peinlichkeit oder Hässlichkeit“, ergänzt Karin Pütz als Motto und zitiert den Spruch „Wer probt, hat Angst.“

Einen Abend pro Woche proben die fünf dann doch, aber es sind keine Texte, sondern Spiele. Übungen, wie man auf den sechsten Mitspieler am besten eingehen kann: das Publikum. „Es ist so emotionsreich, da kann man so viel ausprobieren“, sagt Karin Jostock. Deshalb nimmt die Kita-Leiterin auch viel für ihr Leben mit,

Von den Einnahmen fördern die SponTat-Mitglieder selbst wieder Kultur. So haben sie bei der Aktion „Künstler stiften Kultur“ eine Theateraufführung im Altersheim finanziert und für die Aktion „Herzenssache“ gespielt. Auch ein  Clown fürs Krankenhaus gehört zu den Anliegen der „SpnTäter“, wie sie sich nennen. Demnächst steht ein eigener Workshop beim  Profi an. Sind bei dem großen Spaß noch Wünsche offen? Hm, diesmal dauert es, bis ein spontaner Einfall kommt. Musik. Improvisation mit einem Instrument könnte eine Bereicherung sein.

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