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Universitätsbibliothek zeigt online Stiche von Mätthaus Merian

Internet : Merians Kupferstiche online entdecken

Kupferstiche waren die Ansichtskarten der Frühen Neuzeit. Ab dem 16. Juli zeigt die Universitätsbibliothek in Trier Matthäus Merians „Topographia Germaniae“ von 1646 in einer digitalen Ausstellung. Doch stimmt überhaupt alles, was auf den Bildern zu sehen ist?

Als Matthäus Merian (1593-1650) vor 375 Jahren seinen Band mit Kupferstichen zu den Erzbistümern Mainz, Trier und Köln veröffentlichte, sah in Trier noch vieles anders aus. Die Porta Nigra war noch eine Kirche und die deutlich kleinere Stadt von einer wehrhaften Mauer umgeben.

Andere Wahrzeichen wie der Trierer Dom und die Römerbrücke lassen sich dagegen deutlich auf dem Kupferstich erkennen. Bemerkenswert, dabei war Merian selbst nie in Trier, sondern stützte sich auf eine 70 Jahre ältere Abbildung der Stadt und ergänzte sie um einige Details.

Doch obwohl die Stiche so realistisch wirken, können sie nicht als wirklichkeitsgetreue, „fotografische“ Darstellung gelten. So fehlen auf dem Stich zu Trier unter anderem die Kaiserthermen. Doch auch die Orte, die Merian selbst zu Gesicht bekam, veränderte er manchmal. So stellte Merian beispielsweise den Sitz seines Verlags, die Stadt Frankfurt, mit Verteidigungsmauer dar, obwohl diese zum Zeitpunkt der Kupferstichherstellung noch nicht fertiggestellt war.

Die Ansichten stammen aus einer Zeit, in der der Dreißigjährige Krieg Europa verwüstet und viele Städte zumindest teilweise zerstört hatte. Merian traf den Nerv der Zeit, da er die Städte in idealisiertem, wehrhaftem Zustand abbildete und damit das Bild von mittelalterlichen Städten bis heute prägte, erklärt Maximilian Lässig von der Universitätsbibliothek Trier.

Gemeinsam mit der Studentin Anna Rudi hat er in den vergangenen Monaten ein umfangreiches Erschließungsprojekt begonnen, das alle 31 Bände von Merians „Topographia Germaniae“ digitalisieren soll. Die Bände sind eine Dauerleihgabe der westfälischen Heinrich und Anny Nolte Stiftung und aufgrund ihrer Vollständigkeit äußerst wertvoll. Die Digitalisierung soll das umfangreiche Werk der Forschung zugänglich machen.

Die kommende Ausstellung zeigt nun 33 der digitalisierten Stiche aus dem Band über die Erzbistümer Mainz, Trier und Köln und enthält darüber hinaus noch viele weitere interessante Informationen. Wer war Matthäus Merian, wie entsteht ein Kupferstich und wie funktionierte damals eigentlich der Buchdruck? All diese Fragen sollen in der Ausstellung beantwortet werden. Expertenwissen wird nicht benötigt, die Ausstellung richtet sich an jedermann.

Das digitale Format bringt laut Rudi und Lässig einige bedeutende Vorteile gegenüber einer realen Ausstellung mit sich, denn am Computer können beliebig viele Besucher gleichzeitig in einem Werk „blättern“. Vor Ort wäre das schwierig. Außerdem ermöglichen die hochauflösenden Scans eine nie dagewesene Nähe zu den Exponaten: Statt durch eine Glasscheibe von den Exponaten getrennt zu sein, können die Besucher durch einfaches Anklicken auf Entdeckungsreise durch die wimmelbildartigen Stiche gehen oder bei den Landkarten auf die Suche nach dem eigenen Wohnort gehen.

Zu vielen der abgebildeten Orte sind in der „Topographia“ auch Texte mit interessanten Hintergrundinformationen abgedruckt. Über Trier wird beispielsweise von der mythischen Gründung der Stadt durch den Assyrerprinzen Trebeta berichtet, gleichzeitig aber darauf hingewiesen, dass solche alten Legenden nur schwer zu überprüfen seien. Heute weiß man natürlich, dass die Römer die Gründer Triers waren.

 Anna Rudi vergleicht den Stich Merians (rechts) mit dem 70 Jahre älteren Vorbild (links).
Anna Rudi vergleicht den Stich Merians (rechts) mit dem 70 Jahre älteren Vorbild (links). Foto: Jesko Buchs
 Merians „Topographia Germania“ – ein Monumentalwerk des deutschen Buchdrucks.
Merians „Topographia Germania“ – ein Monumentalwerk des deutschen Buchdrucks. Foto: Jesko Buchs

Die digitale Ausstellung ist kostenlos ab Freitag, 16. Juli, unter merian.uni-trier.de oder über die Webseite der Universitätsbibliothek abrufbar. Einen ersten Eindruck gewährt die Bibliothek auf ihren Social Media-Kanälen merian_online.