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UNTERM STRICH – DIE KULTURWOCHE

UNTERM STRICH – DIE KULTURWOCHE : 3-D und Dichter fürs Museum

Wollten Sie schon immer mal erfahren, warum die Mona Lisa dauerlächelt? Die Chance, hinter ihr Geheimnis zu kommen, gibt es vielleicht demnächst in Berlin. Aber der Reihe nach: In der digitalen Kunstwelt ist „immersiv“ das Gebot der Stunde.

Damit gemeint sind virtuelle Darstellungen, die auf Aktionen von Besucherinnen und Besuchern reagieren. Spektakulär kann es werden, wenn solche Präsentationen mit großen Namen verbunden werden.

Für Berlin haben sich im Januar gleich zwei solcher Ausstellungen angekündigt. Im Zentrum: der französische Maler Claude Monet (1840-1926) und das italienische Universalgenie Leonardo da Vinci (1452-1519). „Monets Garten” will bis zum 15. März in der Alten Münze in Berlin in die Welt des Impressionisten entführen. Dafür haben die Veranstalter drei Räume gestaltet, in denen auch Teile aus dem bekannten Garten des Künstlers in Giverny bei Paris rekonstruiert wurden. Die digitalen Elemente lassen Zeichnungen entstehen, sind aus Monets Bildern entlehnt oder kommen als Animation daher. Die Welt von Leonardo da Vinci kann vom 28. Januar an unter dem Titel „Genius Immersive Experience” im Wriezener Karree in Berlin durchlaufen werden. Aus Sicht der Veranstalter lassen sich Erfindungen und Ideen des Malers, Bildhauers, Architekten, Anatomen, Mechanikers und Ingenieurs auf neue Art und Weise entdecken – und, wer weiß, vielleicht lässt sich sogar der amüsierten Mona Lisa auf die Schliche kommen.

Nicht nur Städte leisten sich eigene Schreiber. Jetzt fangen auch die Musentempel damit an. Das berühmte New Yorker Guggenheim-Museum bekommt erstmals einen eigenen Dichter. Der US-Amerikaner Taylor Johnson wird nach Auskunft des  Ausstellungshauses am Central Park in diesem Jahr erster „Poet-in-Residence“. Er wird allerdings nicht nur die Exponate bedichten, sondern auch Poesie-Lesungen, Workshops und andere Veranstaltungen in Zusammenhang mit den Ausstellungen des Museums organisieren. Das 1939 gegründete Museum, das für seine von Architekt Frank Lloyd Wright entworfene schneckenhausförmige Architektur berühmt ist, zeigt in seiner Dauerausstellung vor allem Werke aus dem 19. und 20. Jahrhundert. Wäre das nicht auch mal was für die hiesigen Musentempel? Durch die könnte doch ein Reimeschmied, angetan mit Toga und Pergamentrolle in der Hand, schlendern und, inspiriert von Goethe, sich römische Sonette einfallen lassen.

Mit dem Alter kommt die Weisheit – wenn‘s gut läuft. Bestimmt lassen sich aus dem Stegreif Millionen von Gegenbeispielen aufzählen. Der Koch und Moderator Horst Lichter („Bares für Rares“) gehört wohl eher zu den positiven Beispielen – wenn seine Einsicht letztlich auch eher melancholisch stimmt.
Er zählt sich zu jenen, die nicht mehr viel an der Welt verbessern werden. Der Entertainer wird morgen, am 15. Januar, 60 Jahre alt. Damit gehöre er einer Generation an, „die die Welt kaum mehr verändern wird. Das machen die Generationen nach uns, die Leute zwischen 20 und 50 Jahren, die sich andere Dinge wünschen“. Andererseits – warum so düster, Herr Lichter? 60 ist doch das neue 50, oder? Und in dem Alter lässt sich noch eine Menge wuppen.
no/dpa