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Unterm Strich: Wenn Kultur die Kacke zum Dampfen bringt

Unterm Strich – Die Kulturwoche : Wenn Kultur die Kacke zum Dampfen bringt

Das sind doch mal gute Nachrichten aus Putins Riesenreich: Mit einer neuen Initiative zur Kulturförderung will Russland 14- bis 22-Jährige in Museen, Theater und Konzerte locken. Seit Mittwoch gibt es im flächenmäßig größten Land der Erde die „Puschkin-Karte“, benannt nicht nach dem bekannten Wodka, sondern nach dem nicht minder berühmten russischen Dichter Alexander Puschkin (1799-1837).

Die Karte ist zunächst mit 3000 Rubel (etwa 35 Euro) aufgeladen und gilt bis Ende Dezember für Eintrittskarten etwa für Ausstellungen und Theaterstücke.

Etwa 13 Millionen Menschen sollen an dem Programm teilnehmen können. Die auch digital für Mobiltelefone verfügbare Karte solle etwa helfen, Kultur bei Schülern und Studenten populärer und zugänglicher zu machen, hieß es. Zugang gebe es zu mehr als 1300 Einrichtungen und mehr als 7000 Veranstaltungen, meldete die Agentur Interfax.

Die russische Vize-Regierungschefin Tatjana Golikowa hatte zuvor mitgeteilt, dass das Geld auf der Karte nur für kulturelle Zwecke ausgegeben werden könne. Damit könne nicht in Läden bezahlt werden – etwa um „Puschkin“ zu kaufen.

Für ein Kunstwerk braucht man die Karte allerdings nicht: Es steht am Ufer der Moskwa, stammt von dem bekannten Schweizer Künstler Urs Fischer und hat in der Hauptstadt schon einige Diskussionen ausgelöst. „Big Clay #4“ („Großer Lehm #4“) heißt das zwölf Meter hohe Werk aus Aluminium und Stahl – und soll, wie der Name schon sagt, einen Haufen aus Lehmklumpen darstellen. Es sei ein Symbol für Unvollkommenheit und Transformation, erklärte die russische Stiftung für zeitgenössische Kunst V-A-C. Aha. Das Problem: „,Big Clay‘ sieht aus wie „ein Haufen nicht besonders akkurater Kacke“, spottete der Komiker Maxim Galkin. Der Architekturkritiker Grigori Rewsin schrieb diplomatischer: „Schönheit liegt im Auge des Betrachters, und das gilt auch für Scheiße.“

In den sozialen Netzwerken reichen die Kommentare von Zustimmung über Belustigung bis hin zu Ablehnung. Immerhin ist der Klumpen ein beliebtes Objekt für Fotos und Selfies: An sonnigen Spätsommertagen wimmeln Hunderte Moskowiter wie die Fliegen um den Haufen und knipsen unentwegt. Denn wann hat man schon mal die Gelegenheit (und das Bedürfnis), sich mit einem Haufen Kacke abzulichten? Und die Zeit drängt: In neun Monaten soll das Werk, das zuvor bereits in Florenz und Manhattan ausgestellt war, in ein anderes Land weiterreisen.

Weit weniger umstritten dürfte die Galerie sein, die heute Abend zu Ehren des deutschen Dada-Künstlers Kurt Schwitters (1887-1948) vor den Toren Oslos eröffnet wird. Der Saal ist an das Henie-Onstad-Kunstcenter angegliedert und zeigt neben Werken des aus Hannover stammenden Schwitters auch die von Zeitgenossen und von Künstlern, die von ihm inspiriert wurden. Der mit den Dadaisten verbundene Schwitters hatte für sein Werk den Begriff „Merz“ erfunden. Schwitters war 1937 vor den Nationalsozialisten nach Norwegen geflohen. Bereits in den Jahren davor hatte er das Land oft besucht und enge Beziehungen aufgebaut.

Sein Werk dieser Zeit besteht aus Collagen, Porträts, Landschaften, mehreren Prosatexten und einem unvollendeten Drehbuch. 1940 emigrierte er nach Großbritannien, wo er acht Jahre später starb. Die Ausstellung mit dem Namen „Merz! Flux! Pop!“ erzählt die Geschichte von Schwitters‘ Jahren in Norwegen, umfasst 150 Werke und ist bis zum 29. Mai 2022 zu sehen. no/dpa