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Urban Priol kommentiert in Trier Absurditäten der aktuellen Politik.

Kabarett : „Unser nächster VW wird ein Benziner“

Kabarettist Urban Priol kommentiert in der Trierer Europahalle Absurditäten der aktuellen Politik.

Der Kabarettist Urban Priol hat in der Trierer Europahalle 850 Besuchern sein neues Programm „Gesternheutemorgen“ vorgestellt. Der Aschaffenburger mit der prägnanten Frisur zeigte sich dabei  so, wie ihn seine Fans kennen: immer kräftig am Austeilen gegen die Politik, stets aktuell (er kommt nach eigener Aussage nie pünktlich auf die Bühne, weil er vorher noch die ersten Beiträge der „Tagesschau“ sehen will) und auf der Bühne ein Wirbelwind, der von einem Thema zum anderen springt und in nahezu jedem Satz eine Pointe unterbringt.

Sein Lieblingsziel: die Politiker der CDU/CSU, an der Spitze Angela Merkel, die „Miss Erfolg“, und ihre „Gaga-Politiker“ im Kabinett, so wie „Miss Ernte“ Julia Klöckner und „Miss Management“ Ursula von der Leyen.  Doch seien dies nicht nur Frauen, sagt Priol. „Wenn wir von Gaga reden, denken wir mal an die letzten drei Verkehrsminister.“

Nach Ramsauer und Alexander „Che Guevara“ Dobrindt habe man gemeint, es könne nicht schlimmer kommen. Doch Priol geht weiter „in die Finsternis des Grauens“, um sich dann über den „gesunden Menschenverstand“ des aktuellen Verkehrsministers Scheuer auszulassen. Wer im Misthaufen der großen Politik angekommen sei, der bleibe drin, wühle sich immer tiefer hinein, ist sein trauriges Bild, das er mehrfach anführt.

Priols neues Angriffsziel: Annegret Kramp-Karrenbauer, die neue Vorsitzende der CDU, die in der Vergangenheit ein Bundesland regiert hat mit „weniger Einwohnern als Köln.“ Donald Trump, der österreichische Kanzler Sebastian Kurz, der Brexit, die neue Berechnung der Grundsteuer – Priols Repertoire zu Politikern und Absurditäten der Politik, über die er sich auslassen kann, scheint unerschöpflich. Doch kommt bei Priol auch eine gewisse Resignation zum Ausdruck, als er die „Bräsigkeit der Deutschen“ anprangert und fragt, warum sich die Menschen alles gefallen lassen. Ein Beispiel für den aktiven Widerstand der Deutschen anlässlich des Diesel-Skandals: „Unser nächster VW wird ein Benziner.“

Ein Positivbeispiel sind für ihn die Jugendlichen, die die Schule schwänzen, um gegen die Klimapolitik zu demonstrieren. Mehrfach erhält Priol zustimmenden Applaus für seine Aussagen. Beispielsweise, als er gegen die Gesundheitspolitik wettert, die den Menschen nützen soll und nicht den nach wirtschaftlichen Aspekten geführten Kliniken und dem Staat, und als er Schäubles schwarze Null „in die Notaufnahme“ schicken will. Vor zehn Jahren hätten alle gesagt, man habe aus der Finanzkrise gelernt. „Heute haben wir Bitcoins, die in der Luft rumschwirren“, sagt er.

Seit dem Amtsantritt Kohls 1982 macht Priol Kabarett, doch was habe es genützt, fragt er. „Don Corleone wollte ich sein, Don Quijote bin ich geworden. Ich stehe vor einem großen Off-Shore-Park“, lautet sein Resümee nach mehr als zweieinhalb Stunden Programm. Dass er dann doch noch mit etwas Mutmachendem beendet: „Machen wir das Beste draus.“